Foto-Video-Hybrid Systemkamera-Flaggschiff

Panasonic Lumix DC-GH5 im Detail vorgestellt

2017-01-04 Bereits auf der Photokina im September 2016 kündigte Panasonic die Entwicklung der Lumix GH5 an, ohne jedoch allzu viele Details zu verraten. Im Zuge der Messe CES in Las Vegas und der bevorstehenden Markteinführung im März 2017 gibt Panasonic nun alle Informationen zum neuen Foto-Video-Hybrid-Flaggschiff bekannt. Die Daten können sich sehen lassen und versprechen nicht nur die Herzen von Videospezialisten höher schlagen zu lassen, denn auch im Fotobereich hat sich seit dem Vorgängermodell einiges getan.  (Benjamin Kirchheim)

Lumix DC-GH5? Richtig gelesen, die Kameras heißen bei Panasonic ab sofort (das gilt nur für alle neuen Modelle) nicht mehr "Lumix DMC-", sondern "Lumix DC-". Der Grund dafür soll in den für die SAP-Software angeblich zu langen Modellbezeichnungen liegen, schließlich kommen bei Panasonic noch Buchstabencodes für die Region, die Farbe und das Kit hinzu, die die Modellbezeichnungen "aufblähen". Doch genug von dieser Kuriosität und zurück zum neuen Lumix-Flaggschiff.

  • Bild Die Panasonic Lumix DC-GH5 besitzt ein robustes, gegen Spritzwasser und Staub geschütztes Magnesiumgehäuse mit 20 programmierbaren Funktionstasten. [Foto: Panasonic]

    Die Panasonic Lumix DC-GH5 besitzt ein robustes, gegen Spritzwasser und Staub geschütztes Magnesiumgehäuse mit 20 programmierbaren Funktionstasten. [Foto: Panasonic]

Herzstück der Lumix DC-GH5 ist der 20 Megapixel auflösende Four-Thirds-Sensor (17,3 mal 13 Millimeter). Er ist – erstmals in der GH-Serie – zur Bildstabilisierung beweglich gelagert und gleicht dank eines neuen Gyro-Sensors Verwackelungen für bis zu fünf Blendenstufen längere Belichtungszeiten auf fünf Achsen aus. Durch die Kombination mit dem optischen 2-Achsen-Bildstabilisator der Panasonic-Objektive lässt sich die Effektivität des Bildstabilisators insbesondere im Telebereich sogar noch steigern. Der Bildsensor besitzt keinen auflösungsmindernden Tiefpassfilter und die Bildverarbeitung durch die noch leistungsfähiger gewordene Venus-Engine 10 mit nun fünf Rechenkernen hat Panasonic abermals verbessert, was sich in einer noch differenzierteren Rauschunterdrückung, einer besseren Herausarbeitung feinster Details sowie einer nuancenreicheren Farbwiedergabe zeigt. Im Vergleich zur GH4 ist das Rauschen, auch bei Videos, deutlich feinkörniger und geringer, während die Bilder und Videos noch detailreicher wirken. Wir konnten das bereits anhand eines Prototypen und ersten Vergleichsfotos- und Videos, die Panasonic uns präsentierte, verifizieren.

Auch am DFD-Autofokus hat Panasonic deutlich geschraubt. Für eine präzisere Fokussierung verfügt dieser nun über 225 anstelle der bisherigen 49 Messfelder. Zudem können Messfeldgruppen definiert werden. Dank des neuen Joysticks lässt sich der Fokuspunkt beziehungsweise die Fokuspunktgruppe zudem nicht nur via Touchscreen präzise festlegen. Dabei arbeitet der Autofokus bereits ab -4 LW. Zur manuellen Fokussierung lässt sich eine Peaking-Funktion hinzuschalten. Des Weiteren sorgen die neue Venus-Engine sowie der schnellere Bildsensor für eine noch rasantere Fokussierung. Statt wie bisher 240 Bilder pro Sekunde zu analysieren, werden nun 480 Bilder pro Sekunde analysiert, was einer Verdoppelung entspricht. Dabei berechnet der DFD-AF nicht mehr nur den Fokusabstand zweier Bilder, um den richtigen Fokuspunkt vorauszuberechnen, sondern auch die Art und Bewegung des Motivs. Die Geschwindigkeit zum Messen des Abstands soll sich damit versechsfachen, das Fokustracking wurde immerhin um den Faktor Zwei beschleunigt. Nur 0,05 Sekunden soll die GH5 nach CIPA-Messverfahren zum Fokussieren benötigen. Mit AF-C sind nun neun Bilder pro Sekunde möglich, bei einem wohlgemerkt doppelt so präzisem AF-C. Zudem kann die Arbeitsweise des AF-Cs angepasst werden, etwa bei der Sensitivität, dem "Area-Switching" oder der "Moving-Object-Prediction". Mit AF-S sind übrigens sogar zwölf Bilder pro Sekunde möglich.

Richtig fix wird es mit der 4K-Foto-Funktion, die nun mit 60 statt 30 Bildern pro Sekunde arbeitet und natürlich auch Betriebsarten wie Post-Focus und Focus Stacking bietet. Wem die 8,3 Megapixel zu wenig sind, kann nun eine 6K-Foto-Funktion nutzen, die 18 Megapixel pro Einzelbild auflöst. "Echte" 6K sind das indes nicht, dafür reicht die horizontale Sensorauflösung von 5.184 Pixeln nicht. 18 Megapixel entsprechen aber durchaus der Auflösung eines 6K-Videos, nur, dass die 6K-Foto-Funktion mit einem Seitenverhältnis von 4:3 oder 3:2 arbeitet und somit ohne 6.000 Pixel horizontal auf eine entsprechende Gesamtauflösung kommt. Ein neuer Algorithmus sorgt übrigens für eine ziemlich effektive Unterdrückung des Rolling-Shutter-Effekts, wie Panasonic der Fachpresse auf einer Infoveranstaltung eindrucksvoll demonstrierte.

  • Bild Der 4/3"-Sensor der Panasonic Lumix DC-GH5 löst 20 Megapixel auf und ist, erstmals in der GH-Serie, zur Bildstabilisierung beweglich gelagert. [Foto: Panasonic]

    Der 4/3"-Sensor der Panasonic Lumix DC-GH5 löst 20 Megapixel auf und ist, erstmals in der GH-Serie, zur Bildstabilisierung beweglich gelagert. [Foto: Panasonic]

  • Bild Zur Steuerung der 225-Autofokus-Felder besitzt die Panasonic Lumix DC-GH5 nun einen Joystick. Insbesondere ihr 3,7 Millionen Bildpunkte auflösende OLED-Sucher kann sich sehen lassen. [Foto: Panasonic]

    Zur Steuerung der 225-Autofokus-Felder besitzt die Panasonic Lumix DC-GH5 nun einen Joystick. Insbesondere ihr 3,7 Millionen Bildpunkte auflösende OLED-Sucher kann sich sehen lassen. [Foto: Panasonic]

Für Videospezialisten hat die DC-GH5 ebenfalls einiges zu bieten. Die Videoauflösung bleibt zwar wie beim Vorgängermodell bei 4K, jedoch wurde die Bildrate auf maximal 60 Bilder pro Sekunde verdoppelt. In Full-HD-Auflösung sind sogar 180 Bilder pro Sekunde möglich, was viel Spielraum für Slow-Motion lässt. Es braucht auch keine Spezialversion der Kamera mehr wie noch die GH4R, denn die GH5 kennt keine Videolängenbegrenzung auf knapp 30 Minuten mehr. Ebenfalls neu ist die 4:2:2 10 Bit Aufzeichnung auf die SD-Speicherkarte. Hier gibt es jedoch noch einige Einschränkungen. So wird die Funktion erst mit einem Firmwareupdate freigeschaltet, das für den April 2017 geplant ist (die Markteinführung der GH5 ist schon einen Monat vorher) und beschränkt sich zunächst auf die Full-HD-Auflösung. Für die zweite Jahreshälfte 2017 plant Panasonic ein weiteres Firmwareupdate, das 4:2:2 10 Bit für 4K, zumindest in bis zu 30 fps, freischalten soll. Dabei soll es sich sogar um eine All-Intra-Aufzeichnung mit 400 Mbit/s handeln. Weitere Funktionen dieses Firmwareupdates sollen eine Full-HD-Videoaufzeichnung im anamorphen Modus, Hybrid-Log-Gamma im Foto-Stil-Modus für die 4K HDR-Video-Aufzeichnung sowie USB-Tethering umfassen.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.