Papiertiger

Kleine Papierkunde, Teil 1: Grundlagen Fotopapiere

2007-06-05 Der perfekte Druck kommt nicht allein von einer brillanten Aufnahme. Viele Faktoren müssen perfekt harmonieren, wobei das Fotopapier eine der tragenden Rollen spielt. Wenn die Tinte nicht mit dem Papier mag oder die Druckerrollen hässliche Spuren auf dem Papier hinterlassen, wird es auch nichts mit dem perfekten Print. Weil Papier einerseits für so selbstverständlich genommen wird, andererseits aber so kompliziert und hochtechnisch hergestellt wird, möchten wir in einer kleinen Serie ein paar Grundlagen erklären und dabei besondere Produkte und Hersteller vorstellen. Den Anfang machen die ganz "normalen" Fotopapiere, mit denen man quasi täglich seinen Tintenstrahldrucker füttert. Die Qual der Wahl ist beim mittlerweile riesigen Angebot groß und die Enttäuschung bei flauen Druckergebnissen entsprechend. Außerdem kosten die Papiere Geld; manche – in der Regel die vom Druckerhersteller – mehr, andere von Drittanbietern weniger. Trotzdem möchte man kein Fotopapier kaufen, nur um es dann in den Abfalleimer zu werfen, weil das Druckergebnis zum Davonlaufen ist. Ein gewisses technisches Grundverständnis über den Papieraufbau kann bei der Kaufentscheidung zum richtigen Papier helfen.  (Daniela Schmid)

Hewlett-Packard Advanced Fotopapier – Querschnitt [Foto: Hewlett-Packard] Grundsätzlich unterscheidet man vier verschiedene Papiersorten anhand ihrer Beschichtung: porös, cast coated (Guss gestrichen), mikroporös und quellbar. Nur zwei davon sind für den Fotodruck geeignet, aber der Vollständigkeit halber wollen wir die anderen Beiden auch in zwei Sätzen vorstellen. Die Klassiker für Fotos zum Selbstausdrucken sind Papiere mit quellbaren und mikroporösen Beschichtungen. Die Beschichtung nimmt die Farbe auf. Man spricht dann von Adsorption im Gegensatz zu Absorption, wobei die Farbe im Papiergrundträger aufgenommen wird. Leichte Inkjetmedien wie normales Officepapier verfügen in der Regel über keine Barriere zwischen Beschichtung und dem Trägerpapier. D. h. die Tinte wird direkt von der Basisschicht, dem so genannten Unterstrich, aufgenommen. Das Wasser der Tinten führt bei zuviel Tinte zu Wellenbildungen, auch Cockling genannt, oder zum Verlaufen der Farben (Bleeding). Fotopapiere verfügen über wasserfeste Barrieren in Form von PE-Folien, das Trägerpapier bleibt trocken und gibt dem Papier als Ganzes halt. Der wesentliche Unterschied der beiden fototauglichen Beschichtungen liegt in der Aufnahme der Tinte. Quellbare Beschichtungen, deren Zusammensetzung sich neuerdings von der Gelatine hin zu Polymeren entwickelt hat, sind wasserlöslich und -empfindlich. Die Flüssigkeit wird von der Schicht aufgesogen, die daraufhin aufquillt. Beim Trocknen verdunstet das Wasser, die Farbstoffe bleiben, und die Papieroberfläche nimmt wieder an Volumen ab. Die Trockenzeit bei quellbaren Beschichtungen ist länger als bei den mikroporösen. Die Meinungen, wie lang das wirklich ist, gehen auseinander. Manche sprechen von rund 20 Minuten, andere wiederum gehen auf Nummer sicher und lassen bis zu 24 Stunden ins Land streichen, bis der Druck als trocken gilt. Solange die Oberfläche noch aufgequollen ist, ist sie sehr empfindlich und bekommt leicht Druckstellen oder Kratzer. Eine weitere Einschränkung ist die relative Unverträglichkeit mit Pigmenttinten. Quellbare Beschichtungen eignen sich für Dye-Tinten, in denen der Farbstoff gelöst ist. Der große Vorteil der quellbaren Beschichtung ist, dass die Farbstoffe in der Polymermatrix eingeschlossen werden. Oxidative Gase wie beispielsweise Ozon haben damit kaum Angriffsfläche.

Aufnahme eines mikroporös beschichteten Papiers [Foto: Hewlett-Packard] Das ist bei den mikroporösen Beschichtungen anders. Auf diesen Papieren wird ebenfalls auf einer PE-Folie zur Sperrung gegen Flüssigkeitseindringen in den Papierträger eine Art Kieselsäure-Beschichtung (Silica) aufgetragen. Wie bei einem Schwamm wird die Tinte durch Kapillarwirkung tief in die Schicht gezogen und lagert sich auf den wie winzige Glaskügelchen gelagerten Kieselsäurebestandteilen ab. Die Oberfläche fühlt sich so sofort trocken an und ist relativ unempfindlich gegen Berührungen. Trotzdem sollten auch diese Papiere eine Zeit lang offen liegen, damit das Wasser verdunsten kann. Wer ein Foto gleich nach dem Druck hinter Glas bringt, wird die Farben ineinander laufen sehen. Wie die Tinte in das Papier eindringt, so dringen auch Gase ein, und die Farbmoleküle sind weniger geschützt. Die volle Fotoeignung ergibt sich außerdem durch die relative Klarheit der Beschichtung. Die Farbbrillanz ist deshalb sehr gut. Anders ist das bei den so genannten Cast Coated (gussgestrichenen) Papieren. Deren Beschichtung führt oft dazu, dass sich eine Art Weißschleier auf das Druckbild legt. Außerdem verfügen die Cast Coated Papiere in der Regel über keine Barriere zwischen Top Coat und Unterstrich. Dadurch wellt sich das Papier, und die Farben verlaufen leichter. Im Prinzip sind Cast Coated Papiere Ableger der vierten Papiergruppe mit poröser Beschichtung. Diese ist wie bei den mikroporösen Papieren mit einer Kieselsäureschicht versehen, die aber tausendfach gröber ist und ohne Sperre auf dem Trägerpapier aufgetragen wird. Durch die Auswahl der Kieselsäure und evtl. Zusatzmittel wie optische Aufheller wird der Zweck des Papiers festgelegt. Die Hersteller können so mit relativ geringen Kosten Papiere für alle möglichen Zwecke herstellen. Das Auflösungsverhalten der Silicaschicht bestimmt, wie viel Tinte das Papier aufnehmen kann. Ein Mehr an Tinte als das Papier aufnehmen kann, erzeugt keine weiteren Tonwerte und macht das Papier dicht; es kann zu Pfützenbildung kommen. Da der Fotodruck auf hohen Tonwertumfängen beruht, eignen sich diese Papiere meist nicht. Außerdem fehlt die PE-Sperre zwischen Trägerpapier und Beschichtung. Cast Coated setzt auf die poröse Beschichtung noch eine obendrauf, die durch Trocknung gegen einen glatten Zylinder Glanz erhält. Sie werden als preiswertes Glanzpapier im Handel angeboten. Wer mehr zu den diversen Beschichtungstechniken erfahren möchte, der kann auf der Website von Sihl (siehe weiterführende Links) einiges Material dazu finden.

Aufnahme eines quellbar beschichteten Papiers[Foto: Hewlett-Packard] Halten wir an dieser Stelle also nochmals fest, dass für den Fotodruck entweder die quellbaren oder die mikroporösen Beschichtungen verwendet werden, die vom Trägerpapier durch PE-Folien getrennt sind. Die Papierbasis kann so für Stabilität sorgen, und die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur haben unter normalen Umständen wenig Einfluss auf das Verhalten des Papiers. Lediglich in Extremsituationen (wie einer Luftfeuchtigkeit unter 20 Prozent) kann es dazu kommen, dass quellbare Beschichtungen teilweise keine Tinte mehr aufnehmen. Zusammen mit der längeren Trocknungszeit, ihrer Inkompatibilität mit den meisten Pigmenttinten und einem zumindest in früheren Zeiten bestehenden Tintenlimit haben die mikroporösen Papiere den Siegeszug antreten lassen. Stefan Bruch, Produktmanager beim Papierhersteller und Beschichtungsspezialisten Sihl, spricht im "Fine Art Printer", Ausgabe 2/2007, von einer "Verdrängung der quellbaren Beschichtungen zu Gunsten der mikroporösen Beschichtungen." Diese haben zwar auch ihre Probleme, wie einen weniger guten Schutz gegen eindringende Gase oder die Empfindlichkeit der Oberfläche vor dem Druck. Ein Fingernagelabdruck kann dafür sorgen, dass die mikrofeinen Poren an dieser Stelle keine Farbe mehr aufnehmen können. Bei ordnungsgemäßer Handhabung ist dieses Problem aber zu vernachlässigen. An der wachsenden Haltbarkeit arbeiten die Hersteller mit Hochdruck. Mit diesem Thema werden wir uns noch in einem gesonderten Artikel beschäftigen.

Ein Hersteller, der sich bei vielen Modellen nach wie vor auf die quellbare Beschichtung verlässt, ist Hewlett Packard. Bis vor rund zwei Jahren konnten die meisten HP-Drucker nicht mit steiferen Medien umgehen. Am Ende des Druckes hinterließ der Druckkopf meist sichtbare Spuren. Manche Papierhersteller wie Fujifilm haben dafür ein spezielles quellbares Papier entwickelt, andere wiesen darauf hin, dass ihr Papier nicht mit HP verwendet werden kann. Wer also noch über ein älteres HP-Modell verfügt und Probleme mit Spuren auf dem Papier hat, sollte zu biegsameren Materialien greifen. Neue Druckergenerationen haben mit steifen Medien kein Problem mehr. Aber auch HP hat die Zeichen der Zeit erkannt und vor einem Jahr speziell für den Fotodrucker Photosmart Pro B9180 A3+ das Querschnitt durch die Sihl Super Dry Beschichtung [Foto: Sihlgroup] HP Advanced Fotopapier entwickelt. Es verfügt über eine proprietäre poröse Beschichtung, die die Tinte mittels kapillarem Druck absorbiert. Die Instant Dry Coating Technologie und eine Schutzschicht sollen das Papier sofort anfassbar machen, ohne dass dabei Schäden entstehen. Bei Epson hat man schon immer auf die Kombination Pigmenttinten mit mikroporösem Papier gesetzt. Das Thema Super Dry und "sofort anfassen können", um das heute kein Papierhersteller mehr herumkommt, ist bei Epson schon seit Jahren Thema. Während man beim Fotodirektdrucker Picture Mate die Bilder quasi sofort zum Härtetest unter den Wasserhahn halten konnte und nichts passiert ist, mussten HP-Drucke länger liegen und in Ruhe trocknen. Auf mikroporöses Papier setzt auch Canon, allerdings mit unterschiedlichen Materialien. Die günstige Alternative ist die Beschichtung mit Siliziumoxid. Wer Profiqualität möchte, muss bei Canon zum Photo Paper Pro greifen, das mit Aluminiumoxid beschichtet ist. Es sorgt für einen hohen Glanzgehalt und schnelle Tintenabsorption. Mit Oxidierungsschutz eignet es sich zum Archivieren.

Weil man bei all diesen verschiedenen Feinheiten schnell den Überblick verliert, gilt für den Verbraucher nach wie vor folgende Faustregel: Ein quellbar beschichtetes Papier sollte möglichst nur mit Dye-, sprich Farbstofftinten verwendet werden. Es gibt Pigmenttinten, die man verwenden kann, das ist aber eher die Ausnahme. Die Auflösung des Papiers ist bei modernen Medien in der Regel für hoch auflösende Drucke geeignet. Dennoch sollte man auch darauf beim Kauf ein Auge richten. Nur hoch auflösende Papiere, die mit der Auflösung des Druckers harmonieren, können die gewünschte tonale Vielfalt in Fotos herbeizaubern. Ein weiterer Punkt ist die Glanzbeschichtung der Papiere, die in der Regel matt, halbmatt oder glänzend sein kann. Matte Papiere sind unempfindlicher, glänzende eher kapriziös. So ist beispielsweise Pigmenttinte nicht gleich Pigmenttinte. Je nach Größe der Pigmente und Zusatz von Kunstharzen zur schützenden Ummantelung geht man schon mal mit bestimmten hochglänzenden Papieren baden. Für Druckanfänger eignen sich also zum Experimentieren matte Fotopapiere mit späterem Umstieg ins glänzende Segment. Ein Punkt, dem man ebenfalls Beachtung schenken sollte, ist die Grammatur, also das Gewicht des Papiers in Gramm pro Quadratmeter. Bei quellbar beschichteten Papieren liegt dies in der Regel zwischen 120 und 300 g/m², bei den mikroporösen zwischen 170 und 300 g/m². Je schwerer das Papier, desto wertiger wirkt der Druck, allerdings hat so mancher Drucker mit schwerem Papier ein Problem. Wenn Schleifspuren entstehen oder das Papier gar nicht erst eingezogen wird, greift man besser zu leichteren Papieren.

Epson Stylus R220 [Foto: Epson] Noch ein Wort zur Dauerdiskussion Papier von Fremdanbietern oder vom Drucker- und idealerweise auch Tintenhersteller: Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass die Druckerhersteller ihre Tinten und Papiere optimal auf die Geräte abstimmen und damit sicher selten falsche Ergebnisse erzielt werden. Das heißt aber nicht, dass nicht auch mit Papieren von anderen, meist günstigeren Anbietern gleich gute oder gar bessere Drucke erzielt werden können. Man achte darauf, dass die Papiere für den jeweiligen Drucker geeignet sind. Die meisten Papierhersteller geben an, mit welchen Druckermarken sie gut verwendet werden können. Diese Informationen findet man entweder im Handel direkt auf der Packung oder bei vielen Herstellern schon im Internet in so genannten Kompatibilitätslisten. Natürlich sollte auch die Tinte stimmen, und wer dann noch das Farbmanagement berücksichtigt, der muss sich vielleicht trotzdem durch ein paar Papiere arbeiten, kommt aber wesentlich schneller zum optimalen Ergebnis als jemand, der unsere kleine Papierkunde nicht gelesen hat. Im nächsten Teil der Serie beschäftigen wir uns mit Fine Art Papieren.

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Autor

Daniela Schmid

Daniela Schmidhat in Augsburg Sprachen studiert, bevor sie nach einem halben Jahr in einer PR-Agentur für IT-Firmen in die Verlagsbranche wechselte. Ab 2004 war sie als festangestellte Redakteurin für die Magazine Computerfoto und digifoto zuständig. Während eines dreijährigen Auslandsaufenthaltes in der Nähe von New York berichtete sie als freie Autorin für digitalkamera.de von der PMA, CES und der PhotoPlus Expo aus Las Vegas und New York und übernahm die Zuständigkeit für die Rubrik Zubehör. Seit 2009 testet sie auch regelmäßig Kameras.