Praxistest

Fünf Spitzen-Kardanköpfe für Telefotografie im Test

2009-04-29 Man nennt sie entweder "Teleneiger", "Tele-Objektivhalterung", "Bügel für Teleobjektive", im Englischen "Gimbal Head", unter Technikern auch "Kardankopf". Am populärsten unter Fotografen aber ist der Sammelbegriff "Affenschaukel". Gemeint ist damit immer das Gleiche: spezielle Halterungen für (digitale) Spiegelreflexkameras mit langen, schweren Teleobjektiven vornehmlich auf Dreibeinstativen für die Aufnahme bewegter Objekte in der Natur-, Sport- oder Reportagefotografie. digitalkamera.de hat fünf der führenden Kardankopf-Modelle aus Deutschland, Italien und den USA für einen ausführlichen Praxistest aufgetrieben. Sie sind konstruktiv sehr unterschiedlich aufgebaut, in der Handhabung einfach bis kompliziert und für Preise von ca. 190 bis 800 EUR zu haben.  (Ralf Germer, Jan-Gert Hagemeyer)

Fünf Kardanköpfe im Praxistest: Stativkopf von Dietmar Nill, CB Gimbal von Custom Brackets, Wimberley Head Version II, Manfrotto MA 393, Feisol Carbon U-Mount UA-180 (v.l.n.r.) [Foto: MediaNord]

Auf der Suche nach vielseitig verwendbarem, schnell beweglichem und einfach fixierbarem Zubehör für die Aufnahme schwerer (D)SLRs plus Teleobjektiv mit allen Freiheitsgraden auf Drei- oder Einbeinstativen landen Fotografen in aller Herren Länder bei unterschiedlichen Lösungen. In Deutschland etwa vor allem bei div. Kugelköpfen oder sogenannten Pistolenhandgriffen bzw. Actiongrips. In den USA sind – vor allem unter Naturfotografen – ein- oder auch zweiarmige Gimbal Heads gebräuchlich, wobei das englische Wort "gimbal" für “kardanisch aufgehängt" steht. Kein Wunder also, dass gerade das Angebot US-amerikanischer Hersteller an kardanisch in alle Richtungen schwenk- und neigbaren Konstruktionen weltweit sehr reichhaltig ist.

Wimberley Head Version II (WH-200) Objektivausrichtung in opischer Achse [Foto: Wimberley] Die Firma Custom Brackets aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio ist international mit einem einarmigen, schlicht "CB Gimbal" bezeichneten Gerät auf dem Markt. Die Firma Feisol Technology Company aus dem Städtchen Carolina Beach im US-Staat North Carolina bietet eine zweiarmige, teils aus Carbonfaser gefertigte Kardankopf-Konstruktion unter der Bezeichnung "Carbon Fiber UA-180" an. Als dritten US-Anbieter fanden wir die Wimberley, Inc. aus Winchester in Virginia mit dem sehr simpel und intuitiv bedienbaren "Wimberley Head Version II (WH-200)". Aus dem italienischen Standort Bassano del Grappa der zur britischen Vitec Group gehörigen Manfrotto SpA stammt der "Bügel für Teleobjektive 393", eine zweiarmige Tele-Objektivhalterung mit bestem Preis-Leistungsverhältnis. Von dem deutschen Tüftler und bekannten Naturfotografen Dietmar Nill aus dem baden-württembergischen Mössingen nahe Tübingen kommt der "Stativkopf von Dietmar Nill", eine zweiarmige Konstruktion für die Aufnahme von ein oder zwei Kameras.

Bei allen, noch so unterschiedlichen Bauarten ist die Aufnahme, Ausrichtung und Fixierung von Kamera und angesetztem Telezoom bzw. festbrennweitigem Teleobjektiv etwa identisch: Eine Objektiv-Platte unterschiedlicher Länge (zu wählen abhängig von Brennweite und Gewicht des verwendeten Tele) wird mit einer oder mehreren Schraube(n) meist mit ¼"-Gewinde an der Objektivhalterung befestigt. Diese Kombination aus Platte, Objektiv und Kamera fixiert man nun zunächst provisorisch in einer Schnellwechselaufnahme. Dies geschieht unbedingt bei irgendwie festgestellten Schwenk- und Neigearmen, um ein Abkippen der wertvollen Ausrüstung zu verhindern. Die Objektivplatten sind bei vier Modellen vom Arca-Swiss-Typ bzw. zu diesem Quasi-Standard kompatibel; nur Manfotto gestattet sich hier bei seinem "393" einen Ausreißer und Feisol UA-180 Carbon Fiber mit Nikon D2x, Sigma 300-800mm F5,6 EX DG APO HSM IF auf Stativ Manfrotto MA 055CXPRO3 [Foto: MediaNord] verwendet sein proprietäres Schnellwechselsystem Manfrotto 357. Alle mitgelieferten Objektivplatten sind mit Sicherungen gegen ungewolltes Herausrutschen aus dem Schnellwechselschlitten versehen. Nach der zunächst provisorischen Befestigung der Kamera-/Objektiveinheit erfolgt nunmehr die endgültige Schwerpunkt-Ausrichtung für die jeweilige Aufnahmesituation.

Dazu schiebt man – bei leicht gelöster Feststell- bzw. Friktionsschraube – die Kombination solange auf der Schnellwechseleinrichtung vor oder zurück, bis sich deren Massenschwerpunkt unterhalb der Neigachse befindet (siehe Skizze oben) und fixiert sie dort definitiv; auf diese Weise befindet sich die komplette Ausrüstung im wünschenswerten Bereich von etwa ±30° immer im Gleichgewicht und kann nicht kippen, selbst wenn man sie loslässt. Perfektionisten richten die optische Achse des verwendeten Objektivs nun auch noch in der Höhe derart aus, dass sie sich etwas oberhalb der Neigeachse befindet; dadurch wird der maximale Neigewinkel des Systems nach oben oder unten vorgegeben, andererseits aber auch die Hebelwirkung beim Neigen. Die fünf im Praxistest untersuchten Modelle weisen in diesem Punkt sehr unterschiedliche oder gar keine Variabilität in den Einstellmöglichkeiten auf, worauf wir in den Einzelkritiken noch eingehen werden.

Wimberley Head Version II (WH-200 Assembly Drawing) [Foto: Wimberley] Je nach Einsatzfall und Objektivgewicht werden sich die Fotografen zu entscheiden haben, ob sie mit ihrem Kardankopf-Kamera-System sehr schnell reagieren wollen oder müssen, oder ob eher betuliche Schwenks (Shifts) und/oder Neigungen (Tilts) erforderlich sind. Stockenten oder Graugänse im nahen Vorbeiflug, ein F1-Bolide auf dem Nürburgring etwa werden anders zu verfolgen sein als ein Marathonläufer beim Einlauf ins Berliner Olympia-Stadion. Auch hierauf haben alle fünf Hersteller ihre Konstruktionen eingerichtet. So lässt sich bei allen Kardanköpfen die Friktion, sprich Schwer- oder Leichtgängigkeit, sowohl um die horizontale wie die vertikale Achse einstellen – jedoch auf unterschiedliche Weise. Am Beispiel der denkbar einfachen, aber dennoch vielseitigen Gelenkkonstruktion des Wimberley WH-200 (siehe Bild links) sieht man die raffinierte axiale Anordnung von Unterleg-, Brems- und Abstandsscheiben zusammen mit einem Kugeldrucklager; diese Kombination ist in der Lage, Brems-/Friktions- und Feststellwirkung – je nach angewandtem Drehmoment – auszuüben. Auch beim zweiarmigen 393 von Manfrotto etwa fungieren beide oberen Stellschrauben in gleicher Weise in Kombination zur Friktionsdosierung als auch zur Feststellung; beim einarmigen CB Gimbal hingegen sind die Einstellmöglichkeiten für Friktion und Feststellung eindeutig getrennt und zwei unterschiedlichen Stellschrauben zugewiesen.

Hier nun unser Vorgehen im Praxistest. Ein standardisiertes Testverfahren für derartige Geräte – etwa unserem DCTau- oder dem DIWA-Reglement vergleichbar – existiert nicht. Es kam daher nur ein individueller Test in Betracht. Wir entschieden uns für Nikon-DSLRs (D700 und D2x) mit einem Sigma 300-800 mm F5,6 mit einem Gewicht von zusammen ca. 7 kg auf entsprechenden Dreibeinstativen ohne ausgefahrene Mittelsäule. Als Aufnahmeobjekte wurden Wasservögel in Aktion gewählt, um besonders die Mitzieh-Eigenschaften der Testköpfe ermitteln zu können. Hauptpunkt hierbei ist die gleichzeitige, leichtgängige und präzise Neige- und Schwenkbarkeit mit allen Freiheitsgraden. Dabei kam es außerdem auch darauf an, den Aufnahmestandort schnell wechseln zu können, ohne die Geräte immer wieder demontieren zu müssen. Ein Kriterium zur Beurteilung sollte auch die Möglichkeit der problemlosen, stabilen Austarierung des Massenschwerpunktes des Aufnahmesystems sein, um es auch einmal einfach loslassen zu können.

Graureiher bei der Landung, aufgenommen mit Kardankopf am Ruppersdorfer See [Foto: Ralf Germer] Graugans bei der Landung, aufgenommen mit Kardankopf am Ruppersdorfer See [Foto: Ralf Germer] Graugans und Kanadagans, aufgenommen mit Kardankopf am Ruppersdorfer See[Foto: Ralf Germer]

Nun zu den fünf Testobjekten im Einzelnen.

CB Gimbal von Custom Brackets [Foto: MediaNord] CB Gimbal Den CB Gimbal wählen wir als ersten Probanden in diesem Testbericht, da er nach unserer Einschätzung einerseits die meisten Features aufweist und damit als der "Sophistischste" unter den fünf untersuchten Kardanköpfen zu bezeichnen ist. Somit ergibt sich außerdem die Möglichkeit, an seinem Beispiel alle nur denkbaren Funktionen exemplarisch zu beschreiben und zugleich auf ihre Sinnfälligkeit hin zu bewerten.

Er ist als einarmiges Kardangelenk konstruiert. Das bedingt eine besonders starke Ausführung der tragenden und verbindenden Elemente. Die tragenden Teile des CB Gimbal sind daher aus anodisiertem Luftfahrtaluminium gefertigt. Insgesamt neun Stellschrauben können betätigt werden, um die verschiedenen Einstellungen vorzunehmen. Als einziges Gerät besitzt er eine gesonderte Neigesicherung, mit deren Hilfe man die Ausrüstung bei der Montage und beim Transport mitsamt Stativ gegen Abkippen sichern kann. Die optische Achse kann auf zwei unterschiedliche Arten in der Vertikalen mit Flügelmuttern eingestellt werden. Auch die Neige- und Schwenkbewegung werden beim CB Gimbal mit eigenen Stellschrauben für die Friktion beeinflusst. Die reine Feststellung/Fixierung allerdings muss CB Gimbal von Custom Brackets - Kipp-Sicherung [Foto: MediaNord]demzufolge mit zwei weiteren, deutlich größer dimensionierten Stellschrauben vorgenommen werden, was durchaus als bedienungsfreundlich anzusehen ist. Als einer von nur zwei Kardanköpfen aus unserer Testriege ist er mit einer Libelle zum Nivellieren des Gesamtsystems ausgerüstet. Und er verfügt über eine horizontale Doppel-180°-Skala für Panorama-Aufnahmen. Die Tragfähigkeit wird vom deutschen Distributor nicht in Kilogramm, sondern in Millimeter Brennweite angegeben: Bis zu 800 mm soll sie demnach betragen; die ihm von uns zugemuteten ca. 7 kg hat er anstandslos in alle Richtungen befördert. Weitere seiner zahlreichen technischen Details sind der Tabelle zu entnehmen. Mit einem Preis von ca. 800 EUR ab deutschem Vertragshändler ist der CB Gimbal der Teuerste unter unseren Testkandidaten.

Gesamteindruck: Der CB Gimbal ist eigentlich das "Maß der Dinge" für Kardanköpfe schlechthin und vor allem für Fotografen geeignet, die sich durch seine vielfache Funktionalität nicht irritieren lassen. Er ist zum Transport schnell und einfach in vier Baugruppen zu zerlegen und anschließend wieder zu montieren.

Feisol UA-180 Carbon [Foto: MediaNord]Feisol UA-180 Das von uns getestete Carbon Fiber UA-180 ist in seiner aktuell vorliegenden Version vom US-Hersteller Feisol gerade noch einmal technisch auf Vordermann gebracht worden. Wie uns von der deutschen Niederlassung im friesischen Zetel mitgeteilt wurde, sind "alle Carbon-Teile noch einmal in einem neuen Verfahren gemessen und hergestellt worden, damit alle Teile des U-Mount leichter zu bedienen sind." Mit Ausmaßen von 300 x 350 x 125 mm (B x H x T) ist das UA-180 nicht nur der Größte der getesteten Kardanköpfe, sondern mit einem Gewicht von 1.760 g auch der Schwerstgewichtige – trotz seines zweiarmigen äußeren Schenkels aus leichter Carbonfaser. Dieser ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal dieses Kardankopf-Boliden mit einer lichten Weite von 159 mm, sondern die eigentliche "Schaukel" für die Kamera-/Objektivführung besitzt origineller Weise auch eine Millimeter-Skala. Mit ihrer Hilfe lässt sich (immer wieder reproduzierbar) die optische Achse des Aufnahmesystems ausrichten und über zwei Klemmschrauben fixieren. Interessant für Wildlife-Fotografen mit größeren Beständen an Objektivplatten dürfte außerdem sein, dass Feisol sich mit allen Führungen am UA-180 konsequent an den Arca-Swiss-Quasistandard hält. Das hilft auch beim Improvisieren vor Ort, wenn´s einmal sein muss.

Überhaupt scheinen die Feisol-Ingenieure aus North Carolina immer auf Sicherheit aus zu sein, wenn es um konstruktive Einzelheiten an ihrem UA-180 geht. Als einziger Proband in der Testriege besitzt seine Schnellwechseleinheit zwei Klemmschrauben und nicht nur eine (wie die übrigen Kardanköpfe im Test). Als einziger Anbieter geben sie in ihrer Produktbeschreibung auch eine maximale Tragfähigkeit an, nämlich 15 kg. Für Panoramen besitzt der UA-180 auf seinem horizontalen Drehteller eine 360°-Skala. In den oberen und unteren Einstellschrauben sind auch bei dieser Konstruktion rechts- und linksseitig identische Friktions- und Feststellvorrichtungen kombiniert.

Gesamteindruck: Der Feisol ist grifffreundlich dank Carbon-Fiber (auch bei Kälte), vertrauenerweckend durch Größe und Gewicht, besitzt eine etwas umständlich zu dosierende Friktion, mehr Feststelldrehmoment wäre wünschenswert. Mit einem moderaten Preis von 430 EUR ist das UA-180 das zweitgünstigste Gerät im Feld.

Stativzubehör Manfrotto MA 393 Tele-Objektivhalterung [Foto: MediaNord] Manfrotto 393 Um gleich mit dem letzten Kriterium zu beginnen, ist die "Bügel für Teleobjektive 393" genannte Halterung vom italienischen Stativ- und Stativkopf-Marktführer Manfrotto die preiswerteste von uns getestete Kardankopf-Lösung. Die Preisempfehlung des Herstellers beträgt 230 EUR, der Straßenpreis für diese "Affenschaukel" kann durchaus auch bei nur knapp 190 EUR liegen. Das günstige Preis-Leistungsverhältnis wird durch Einfachheit in der Konstruktion und Herstellungsart erreicht, die sich auf einem Label am Gerät mit dem Hinweis "Inspired by Graziano Ferrari" ausgibt. Die beiden U-Mounts sind aus schwarz lackiertem Aluminium gefertigt, und die Höhenverstellung der optischen Achse kann nur durch dreistufigen Wechsel der Schraubverbindung des inneren mit dem äußeren U-Bügel vorgenommen werden – kein Schlitten, keine Schiene sorgen hier für Bedienungskomfort. Beim Schnellwechselsystem greift Manfrotto, wie bereits erwähnt, auf eine der hauseigenen Wechseleinrichtungen mit der Bezeichnung 357 zurück. Eine Kippsicherung (wie etwa beim CB Gimbal) fehlt ebenso wie ein ausreichendes Feststell-Drehmoment zum sicheren Fixieren schwerer Kamera-Objektiveinheiten. Erstaunlicherweise empfiehlt Manfrotto in seinen Katalogen schon seit Jahren, den 393 (früher 3421 bezeichnet) mit nach oben geschwenktem Bügel und gerne auch auf einem Einbeinstativ montiert zu verwenden. Die "umgekehrte" Montage (mit dem inneren Bügel nach oben geschwenkt) kann nämlich – nach den Gesetzen der Mechanik – nur dann eine stabile Lage ergeben, in der man die Kamera-Objektivkombination auch einmal loslassen kann, wenn sich der Massenschwerpunkt des Ganzen unterhalb der horizontalen Neigachse befindet. Da dies mit den Stativzubehör Manfrotto MA 393 Tele-Objektivhalterung [Foto: MediaNord]üblichen Objektivschellenarm-Längen kaum zu erreichen ist, ist diese Katalog-Empfehlung weder anzuraten und kaum zu realisieren. Alle übrigen Kardankopf-Anbieter empfehlen daher auch die klassische Ausrichtung (innerer Bügel nach unten), und auch in der 393-Bedienungsanleitung von Manfrotto ist diese als Standard vorgesehen. Jedenfalls haben wir die Überkopfmontage in unserem Praxistest nicht angewandt, um die wertvolle Ausrüstung nicht zu gefährden.

Doch nun zum Positiven: Der große äußere U-Bügel ist im unteren Bereich mit zwei Handgriffen gummiarmiert, auch um "eine Beschädigung des Objektives beim Neigen zu verhindern", wie der Hersteller argumentiert. Die Friktionseinstellung für horizontale Schwenks kann durch einen (nicht mitgelieferten) Inbusschlüssel bei Bedarf verändert und gekontert werden. Die beiden oberen Stellschrauben sind dafür vorgesehen, sowohl Friktion wie auch Fixierung von Neigbewegungen zu beeinflussen; diesem Zweck dient eine Kombination aus nacheinander aufgereihten, aber recht klein (eher zu klein) dimensionierten Unterlegscheiben mit einem axialen Kugeldrucklager.

Gesamteindruck: Simpel und robust, intuitiv zu bedienen, jedoch mit der beim Test eingesetzten Belastung von etwa knapp 7 kg etwas überfordert. Tatsächlich macht der Hersteller – entgegen seiner sonstigen peniblen Gewohnheit bei Stativen und Köpfen – auch keinerlei Angabe für die Maximal-Belastbarkeit. Ein denkbar preiswerter Kardankopf, der einfachen Ansprüchen genügen dürfte und auch für die Aufnahme von Spektiven für die Naturbeobachtung gute Dienste leisten könnte.

Stativkopf Dietmar Nill [Foto: MediaNord] Stativkopf von Dietmar Nill Als "allen Aufgaben gewachsen" preist Dietmar Nill, Naturfotograf und Tüftler aus dem baden-württembergischen Mössingen seinen Stativkopf an. Laut Betriebsanleitung kann der Nill für "Landschaft, Makro oder schweres Tele" eingesetzt werden – auf Kugelkopf plus Videoneiger könne man als glücklicher Besitzer verzichten. Hinzuzufügen ist eine weitere Besonderheit des zweiarmigen, aus Aluprofil gefrästen und somit äußerst stabilen, robusten und dabei noch kompakten Kardankopfes: Er nimmt bei Bedarf (etwa im Tarnzelt) zwei Kamera-Ausrüstungen gleichzeitig auf, eine nach unten hängend und eine stehend. Zu diesem Zweck ist die innere U-Schiene einerseits mit einem Klemmschlitten (vom Typ Arca Swiss) und andererseits mit einer normalen Kameraplatte mit ¼"-Rändelschraube ausgestattet.

Typisch für den Nill-"Neigschwenker" ist außerdem seine Bestückung mit zwei riesengroßen Stellschrauben an den oberen Gelenken des äußeren und inneren Bügels. Beide sehen völlig gleichartig aus und unterscheiden sich lediglich in ihrer Funktion: Die Rechte (schwergängigere) dient zur Friktionssteuerung und die Linke (leichtergängige) zur Feststellung der Neigeachse. Es versteht sich wohl, dass der Stativkopf des erfahrenen Naturfotografen Nill selbstverständlich eine ordentliche Libelle zur Nivellierung integriert Dietmar Nill Stativkopf mit zwei Kameras [Foto: Dietmar Nill]mitbringt. Außerdem praktisch: Das Befestigen und Lösen der Objektivschiene ist mit einer 1-Euro-Münze möglich (2 EUR gehen auch). Der Nill ist der Leichtgewichtigste unter den fünf Testköpfen (gewogen 1.224 g ohne Klemmschiene), kommt zusammen mit drei unterschiedlich langen Objektivschienen im Zubehör und ist nur im Direktvertrieb zum Preis von rund 715 EUR (zzgl. Versandkosten) zu haben. Eine Angabe zur maximalen Tragfähigkeit macht der Hersteller nicht, unsere 7 kg hat er problemlos weggesteckt – da ist auch mehr möglich. Als einziges Modell "Made in Germany" dürften die fünfjährige Herstellergarantie und Ersatzteilversorgung unproblematisch sein.

Gesamteindruck: Ein Non-plus-Ultra für Telefotografie schnell bewegter Objekte wegen seiner kompakten, transportfreundlichen Bauweise und dank vielseitiger Einsetzbarkeit. Rasche Diagonal-Verfolgung von Motiven ist leicht und präzise möglich. Die von Nill mit empfohlene Verwendung für Makroaufnahmen sowie im Hoch- wie Querformat erscheint uns eine komplizierte Notlösung; da bleibt man besser bei klassischen Kopfsystemen. Seine besondere Eignung für zwei Kameras oder alternativ für Kamera und Spektiv etwa in einem engen Tarnzelt macht ihn zu einem durchdachten Profigerät.

Wimberley Head Version II (WH-200) [Foto: MediaNord] Wimberley Head Version II Den einarmigen WH-200 erwähnen wir in diesem Test bewusst als letztes Gerät, da er beste Funktionalität mit einfacher Handhabung, schneller Montage und Robustheit verbindet. Entsprechend kurz fällt auch seine Beschreibung aus. Mit nur zwei kombinierten Feststell-/Friktionseinstellschrauben lassen sich Neigung und Drehung zuverlässig und präzise dosieren bzw. fixieren. Mithilfe von Arca-Swiss-liken Klemmschienen werden Schwerpunkt und optische Achse austariert, und schon ist der WH-200 intuitiv beherrschbar. Wer dennoch mehr Information wünscht, findet diese in der beigefügten, trotz englischer Sprache verständlichen Betriebsanleitung sowie im Zubehör-Katalog (auch im Internet abrufbar), der eine ausführliche Liste mit Kompatibilitäten für eine große Zahl von Objektiven und Objektivplatten bietet. Eine Angabe über die Belastbarkeit findet sich dabei allerdings nicht; wir trauen ihm nach unserer testweisen Belastung mit ca. 7 kg aber auch deutlich mehr zu. Aufgrund seiner einarmigen Konstruktion ist der Wimberley für Rechts- und Linkshänder geeignet, in beiden Fällen kommt man gut an die wichtigen Bedientasten der Kamera heran. Er ist in Deutschland oder direkt vom Hersteller zu erwerben. Aufgrund von Einfuhrgebühren, Zoll- und Einfuhrsteuerabgaben jedoch empfiehlt sich der Kauf bei einem inländischen Fachhandel. Sein Preis liegt dann bei ca. 700 EUR.

Gesamteindruck: schlicht, robust, intuitiv einstellbar und bedienbar, alles in allem vertrauenerweckend. Unser Favorit unter den Testköpfen.

Fazit Alles in allem können wir hier ein grundsätzliches Loblied auf Kardanköpfe anstimmen, das gilt für sämtliche getesteten Modelle. Jedes hat seine speziellen Vorzüge und kommt daher – je nach den individuellen Vorstellungen der Fotografen – für bestimmte Verwendungen in Betracht. Nach zum Teil durchaus komplizierter Beschaffung (bis zur Quelle im amerikanischen Virginia und den entsprechenden Hürden beim deutschen Zoll) und eingehender Beschäftigung mit den wenig verbreiteten Affenschaukeln stellt sich für uns nicht mehr die Frage, ob ein solches Zubehör in die Ausrüstung für Telefotografen gehört. Denn die Gesamtheit ihrer Vorteile wiegt ihren durchweg hohen Preis auf – einzig der Manfrotto 393 sticht durch seinen deutlich niedrigeren Preis hervor. Im Gegensatz zu Kugelköpfen als Standardgelenk zwischen Stativ und Kamera haben kardanisch konstruierte Köpfe einen eindeutigen Mehrwert. Er besteht darin, dass es bei ihnen kein ungewolltes Abkippen geben kann, weil der Schwerpunkt in der Regel unterhalb des zentralen Gelenks liegt und nicht etwa oberhalb wie bei allen Kugelköpfen, selbst solchen mit Friktionseinstellmöglichkeit. Das Ergebnis ist ein unübertreffliches Maß an Sicherheit, sowohl bei der Handhabung wie auch der wertvollen Ausrüstung gegenüber.


CB Gimbal von Custom Brackets [Foto: MediaNord] Wimberley Head Version II (WH-200) [Foto: MediaNord] Stativzubehör Manfrotto MA 393 Tele-Objektivhalterung [Foto: MediaNord] Stativkopf Dietmar Nill [Foto: MediaNord] Feisol UA-180 Carbon [Foto: MediaNord]
Hersteller Custom Brackets Wimberley Manfrotto Dietmar Nill Feisol
Modell CB Gimbal Wimberley Head Version II (WH-200) MA 393 Stativkopf von Dietmar Nill Carbon Fiber UA-180
Material
(tragende Elemente)
Luftfahrt-Aluminium, hart anodisiert anodisiertes Aluminium Aluminium eloxiertes Aluminium Carbon und Aluminium
Schnellwechselsystem Arca-Swiss- kompatibel Arca-Swiss- kompatibel Manfrotto 357 Arca-Swiss-
kompatibel
Arca-Swiss-
kompatibel
Objektiv-Platte GLM-1 und GLM-2 mit je zwei ¼"- und einer 3/8"- Schrauben P-10, P-20, P-30, P-40, P-50 und einige spezielle für Nikon und Canon; Schrauben mit ¼"-Gewinde 357PLV mit je zwei Schrauben ¼" und 3/8" Objektiv-Platten 60, 108 und 154 mm lang QP-200
stativseitiges Gewinde 3/8" 3/8" 3/8" 3/8" 3/8"
Auflagefläche (Durchmesser in mm) 75 49 48 59 62
Tragfähigkeit Objektive bis 800 mm k. A. k. A. k. A. 15 kg
Transport- bzw. Kipp-Sicherung Feststellschraube und Hebel Feststellschraube Feststellschrauben Friktions- und Feststellschraube Feststellschrauben
Plattensicherung ja ja ja ja ja
Hebelarm(e) verstellbar/Änderung Drehmoment ja ja ja nein ja, mit Skalierung
Bedienungsanleitung 2 Seiten (englisch) 3 Seiten und Zubehör-Heft (englisch) Faltblatt, mehrsprachig 2 Seiten (deutsch) 3 Seiten (englisch)
Herstellergarantie 5 Jahre 3 Jahre USA 3 Jahre 5 Jahre auf alle Teile 3 Jahre
Service in Deutschland ja k. A. ja ja ja
Libelle(n)/ Nivellierneiger ja nein nein ja nein
Skalierungen Panorama nein nein nein Panorama und Schwenkarme
Werkzeug im Lieferumfang nein nein nein nein Sechskantschlüssel für Montage
mitgeliefertes Zubehör k. A. Objektiv-Platte 357PLV drei Objektiv-Platten (60, 108 und 155 mm) Objektiv-Platte
(200 mm)
Maße in mm (HxBxT) 247 x 216 x 98 236 x 251 x 89 235 x 270 x 90 175 x 240 x 110 300 x 350 x 125
Gewicht in g; ohne Objektiv-Platte 1.522 1.460 1.426 1.224 1.760
Preisempfehlung
(ca. EUR inkl. MwSt.)
800 700 200 715 430 (dollarkursabhängig)

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