Shutter-Shock-Problem gelöst

Firmwareupdate 1.3 für die Olympus OM-D E-M1

2014-04-02 Olympus stellt für die spiegellose Flaggschiff-Kamera OM-D E-M1 eine neue Firmware in der Version 1.3 bereit. Das Update verbessert die Kamerafunktion, wenn die Bildwiederholrate für das Live-View auf "Hoch" gestellt ist. Außerdem wird der Dynamikumfang für extern angeschlossene Mikrofone erweitert, in dem Zuge kann der Pegel nun in 21 Stufen angepasst werden. Außerdem lässt sich für die automatische Tonpegelregelung jetzt ein Maximum festlegen. Die letzte Änderung, die neue Anti-Shock-Zeit von 0 Sekunden, hat es indes in sich. Sie will das Shutter-Shock-Problem, also die Gefahr von Bildunschärfen durch den mechanischen Verschluss, lösen.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus OM-D E-M1 [Foto: MediaNord]Die Anti-Shock-Funktion soll die Kameraerschütterungen minimieren, sie gab es schon in Olympus-DSLRs, wo sie einer Spiegelvorauslösung entspricht, aber auch in allen spiegellosen Systemkameras von Olympus. Auch wenn diese keinen Spiegel mehr besitzen, der Hauptverursacher von Kameraerschütterungen beim Auslösen, so verwenden sie doch bewegliche Teile beim Auslösen, genau genommen bleibt hier nur noch der Verschluss übrig. Spiegellose Systemkameras verfügen über Live-View, der mechanische Verschluss ist also ständig offen. Dieser muss vor der Belichtung verschlossen werden, um den Sensor zu verdunkeln, dann wird der Sensor gelöscht, der Verschluss für die Belichtungszeit geöffnet, wieder geschlossen und der Sensor ausgelesen, bevor der Verschluss für die Erzeugung des Livebilds wieder geöffnet wird. Anti-Shock mit einer wählbaren Vorlaufzeit legt nach dem ersten Schließen des Verschlusses noch vor der Belichtung eine wählbare Pause ein, um Erschütterungen zu minimieren. Zum Einsatz kommt dies in der Praxis eigentlich nur bei Aufnahmen vom Stativ und ist Stand der Technik bei den spiegellosen Systemkameras von Olympus.

Bei Kameras mit mechanischem Verschluss kann es aber selbst bei kürzeren, eigentlich unkritischen Verschlusszeiten zu leichten Unschärfen im Bild kommen. Betroffen sind meist nur bestimmte Verschlusszeiten, bei denen dies sichtbar wird, beispielsweise im Bereich von 1/100 bis 1/200 Sekunde. Grund ist der mechanische Verschluss, der mit hoher Geschwindigkeit arbeitet und bereits unmittelbar vor der Belichtung wie oben beschrieben aktiv sein muss. Je leichter Kamera und Objektiv sind, desto anfälliger sind sie Olympus OM-D E-M1 [Foto: Olympus]prinzipiell für diesen Effekt, aber auch schon DSLRs waren davon betroffen, etwa die K-7 von Pentax (auch wenn hier der Bildstabilisator die Ursache war). Ebenfalls anfällig scheint die Sony Alpha 7R zu sein, weil sie im Gegensatz zur Alpha 7 keinen elektronischen ersten Verschlussvorhang besitzt. Dieses Phänomen wird gemeinhin als "Shutter-Shock" bezeichnet und betroffen sind prinzipiell alle Kameras, manche mehr, manche weniger. Hinein spielen Faktoren wie die Geschwindigkeit des Verschlusses, die Masse der Kamera im Verhältnis zur Masse des Verschlusses oder etwa der Schwerpunkt. Außerdem spielt natürlich die Verschlusszeit eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus wird der Effekt ohnehin nur sichtbar, wenn die Kamera hoch genug auflöst, da die Schwingungen minimal sind und bei mancher Kamera damit unter der Auflösungsschwelle liegen.

Die Olympus OM-D E-M1 ist eine der betroffenen Kameras, kritisch sind vor allem leichte Objektive und Belichtungszeiten zwischen 1/100 und 1/250 Sekunde, wie findige Anwender herausgefunden haben. Autor und langjähriger Olympus-Fotograf Reinhard Wagner beschreibt das Phänomen und mögliche Lösungen mit Unterstützung einiger Helfer sehr ausführlich im oly-e-paper 01-2014, das kostenlose PDF ist über die weiterführenden Links zu finden. Die neue Zeiteinstellung "0 Sekunden" für Anti-Shock löst nun dieses Shutter-Shock-Problem. Zu finden ist die Einstellung im Zahnradmenü E. Genau genommen beträgt die Verzögerung aber nicht 0 Sekunden, sondern 0,03 Sekunden. Diese kurze, für die meisten Fotos nicht relevante Verzögerung lässt die Kamera nach dem anfänglichen Schließen und Öffnen des Verschlusses genügend Zeit zum Ausschwingen. Die eigentliche Belichtung beginnt elektronisch und endet wie gewohnt mechanisch. Die Verzögerung wird nur bei Belichtungszeiten von 1/320 Sekunde (die Verschlusssynchronzeit) Olympus OM-D E-M1 Darstellung der Linsenanordnung [Foto: Olympus]und länger wirksam, bei kürzeren Verschlusszeiten ist der Shutter-Shock nicht relevant.

Bleibt zu hoffen, dass Olympus diese Option auch bei anderen Kameras nachrüstet, die von dem Phänomen betroffen sind. Beim jüngsten OM-D-Modell, der E-M10, scheint der Shutter-Shock übrigens bisher kein Problem zu sein, jedenfalls halten sich Berichte dazu noch zurück. Ein Firmwareupdate, wie jetzt bei der E-M1, ist bei Olympus übrigens ganz einfach einzuspielen. Benötigt wird der Camera Updater, eine Software für Windows und Mac OS, die auf der Support-Website von Olympus heruntergeladen werden kann (siehe weiterführende Links). Der Computer muss mit dem Internet sowie der Kamera verbunden sein, dann wird die Software gestartet und man folgt den Anweisungen für das Update. Die genaue Prozedur ist auf der Olympus-Website beschrieben.

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.