Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Bildqualität des Smartphones Samsung Galaxy S3 im Labor getestet

2012-07-29 Normalerweise testen wir im digitalkamera.de-Labor nur Objektive und Digitalkameras – und da nur die hochwertigen, interessanten Modelle. Doch Digitalkameras bekommen verstärkt Konkurrenz durch Smartphones. Vom Galaxy S3 etwa soll Samsung innerhalb von nur zwei Monaten über zehn Millionen Stück verkauft haben – Mengen, von denen Kamerahersteller nur träumen können. Da stellt sich die Frage, ob man eine zusätzliche Digitalkamera überhaupt noch braucht. Schließlich lösen einige Smartphones acht und mehr Megapixel auf und man hat sie ja immer dabei. Wir haben das Samsung Galaxy S3 nach Maßstäben einer Digitalkamera getestet und stellen den kompletten Testbericht zum Download bereit – ausnahmsweise sogar kostenlos.  (Benjamin Kirchheim)

Üblicherweise kosten unsere Labortest-Berichte mit zahlreichen Diagrammen und erklärenden Texten sowie einem umfangreichen PDF zum Archivieren und Ausdrucken 1,40 EUR im Einzelabruf oder ab 4,16 EUR monatlich in einer Prepaid-Flatrate, die Zugriff auf das gesamte Archiv mit über 1.200 Labortests gewährt. Wir waren aber neugierig, wie wohl ein aktuelles Smartphone im Testlabor abschneiden würde und möchten die Ergebnisse in allen Details jedem Leser zugänglich machen. Somit steht der ausführliche Labortest mit allen seinen Diagrammen über die weiterführenden Links am Ende des Textes kostenfrei zum Abruf bereit. Das Samsung Galaxy S3 stammt übrigens aus dem Privatbesitz und ist bereits seit Anfang Juni 2012, also kurz nach der Markteinführung, im Einsatz. Für Smartphone-Maßstäbe gilt die Kamera des Galaxy S3 übrigens als sehr gut, sie soll laut Tests der Fachpresse scharfe Bilder mit lebendigen Farben liefern, die auch recht rauscharm sind.

Samsung Galaxy S3 [Foto: MediaNord]Zum Teil kann unser Labortest diese Ergebnisse auch tatsächlich bestätigen. Die acht Megapixel auflösende Kamera hat jedoch ein großes Manko, unter dem auch die immer höher auflösenden kompakten Digitalkameras leiden, nur dass es beim Samsung noch deutlich schlimmer ist. Doch erst einmal zu den positiven Eigenschaften. So zeigt das Objektiv bezogen auf ein etwa DIN-A4 großes Papierbild eine gute Schärfe vom Bildzentrum bis an den Bildrand, es steht in diesem Punkt einer Digitalkamera nicht nach; beziehungsweise es hat nicht einmal mit Randunschärfen zu kämpfen, die bei Digitalkameras vor allem im Weitwinkel oft auftreten. Samsung gibt nur die reale Brennweite des Objektivs mit 3,7 Millimetern an, umgerechnet auf Kleinbild liegt sie bei etwa 28 Millimetern. Ein optisches Zoom hat das S3, wie bei Smartphones üblich, nicht. Das Digitalzoom sollte man tunlichst nicht verwenden, schon bei einem zweifachen Zoom bleibt nur noch ein Viertel der Auflösung (zwei Megapixel) übrig, beim Vierfachen gar nur noch ein Sechzehntel (0,5 Megapixel, etwa 816 x 612 Pixel) – das würde nur für einen Ausdruck in Kreditkartengröße in ordentlicher Qualität reichen.

Des Weiteren zeigt das Objektiv nur eine minimale Randabdunklung, die man praktisch vernachlässigen kann, wie auch die Verzeichnung von etwa 0,5 Prozent – zu unserer Überraschung allerdings kissenförmig und nicht wie bei Weitwinkelobjektiven üblich tonnenfömig. Auch Farbsäume in Form von chromatischen Aberrationen konnten wir nur im minimalen, nicht sichtbaren Bereich messen. Die Ergebnisse dürften nicht zuletzt auf elektronische Korrekturen zurückzuführen sein. Auch die MTF-Auflösung bei 50 Prozent Kontrast ist erstaunlich gut, braucht sich hinter der üblicher Kompaktkameras nicht zu verstecken. Im Bildzentrum werden 30 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) knapp überschritten, am Rand sind es mit fast 26 lp/mm rund 15 Prozent weniger. Jede Digitalkamera bekäme von uns für eine derart gleichmäßige Auflösung ein dickes Lob. Allerdings maßen wir auch starke Schärfeartefakte, die den Auflösungswert nach oben treiben, indem sie Kantenkontraste verstärken bis hin zu dem Effekt, dass im Original nicht vorhandene Doppellinien auftreten. Aber wir hatten schon kompakte Digitalkameras mit ähnlich starker Nachschärfung im Labor.

Bei der Rauschmessung zeigt sich hingegen, wo ein Smartphone gegenüber einer Digitalkamera doch deutlich abfällt. Die Eingangsdynamik kann sich mit bis zu 9,5 Blendenstufen bei ISO 200 durchaus in den guten Bereich vorkämpfen, am schlechtesten fällt sie interessanterweise bei ISO 100 aus. Im Gegensatz dazu ist bei ISO 100 der Signal-Rauschabstand am besten, er bewegt sich bis ISO 400 im akzeptablen Bereich zwischen 37 und 38 dB, nur bei der höchsten ISO-Empfindlichkeit von 800 fällt er deutlich ab. Allein schon beim höchsten ISO-Wert zeigt sich wieder einmal der Unterschied zu einer Digitalkamera, die meisten aktuellen erreichen ISO 1.600 oder 3.200 und sind damit deutlich lichtempfindlicher. Das Rauschen selbst ist von ISO 100 bis 800 recht gering, weder Helligkeitsrauschen noch Farbrauschen tritt im störenden Maße auf, was auch der visuelle Eindruck bestätigt. Das in geringem Maße vorhandene Rauschen ist allerdings deutlich grobkörniger als bei Digitalkameras.

Die Messung der Texturwiedergabe offenbart dann jedoch, warum das Samsung Galaxy S3 so wenig rauscht. Die Rauschunterdrückung bügelt feine Details gnadenlos glatt. Schon bei ISO 100 wird dies mehr als deutlich: das S3 befindet sich hier schon an der Grenze zu sichtbarem Detailverlust. Digitalkameras werden je nach Modell erst bei ISO 400 oder 800 so schlecht. Schraubt man die Empfindlichkeit beim S3 weiter hoch, sinkt die Detailwiedergabe bis in den stark unscharfen Bereich, wie wir es bisher bei kaum einer Digitalkamera beobachten konnten, und das schon bei moderaten ISO 400. Auszumachen ist dieser Detailverlust auch in den Bildern. Laub von Bäumen oder eine Wiese gleichen eher einer grünen Masse, die an Aquarellmalerei erinnert, feine Wimpern verschmelzen geradezu mit der Haut dahinter.

Samsung Galaxy S3 [Foto: MediaNord]Bestätigen können wir hingegen die gute Farbwiedergabe, die dem Galaxy S3 nachgesagt wird. Der automatische Weißabgleich ist zwar etwas ungenauer als der manuelle, den wir bei Digitalkameratests eigentlich verwenden (den das S3 aber nicht bietet), jedoch bleibt die Abweichung im geringen, kaum sichtbaren Bereich. Auch die Farbwiedergabe ist recht gelungen, wobei jedoch vor allem Gelbtöne stark ins Grüne tendieren. Insgesamt bewegt sich das Galaxy hier aber sogar im Bereich der besseren Digitalkameras, die Farben gerne stärker sättigen als das S3. Auch die Differenzierung von Farbtönen ist selbst bis zum höchsten ISO-Wert gut, was wir nicht unbedingt erwartet hätten. Die eingebaute LED-Leuchte ist hingegen alles andere als ein Blitz. Die LED ist so schwach, dass unser Blitzleitzahlmessgerät überhaupt nicht darauf reagierte. Der große Unterschied zu einem Blitz ist aber vor allem der Zeitraum, in dem das Licht abgegeben wird. Ein Blitz leuchtet oft nur wenige tausendstel Sekunden, während das LED-Licht über den gesamten Belichtungszeitraum aktiv ist und somit insgesamt noch eine gute Lichtmenge auf das Motiv wirft. Nur so lässt sich überhaupt erklären, dass ein "LED-Blitz" funktioniert. So reichte die Lichtmenge durchaus für unsere Blitzlichtverteilungsmesstafel aus. Diese zeigt, dass die Lichtleistung zu den Bildrändern hin stark sichtbar nachlässt. Aber auch Digitalkameras sind selten in der Lage, die Ecken tatsächlich auszuleuchten. Immerhin besitzt das S3 keinen Objektivtubus, der einen störenden Schatten ins Bild wirft – ganz im Gegensatz zu mancher Digitalkamera.

Fazit Es lässt sich festhalten, dass das Samsung Galaxy S3 eine respektable Leistung bei der Bildqualität erzielt. Vor allem das Objektiv ist deutlich besser, als wir gedacht hätten. Große Nachteile gibt es hingegen prinzipbedingt beim Zoom und erwartetermaßen bei der Detailwiedergabe, vor allem bei höheren ISO-Stufen. Beim S3 ist schon bei ISO 400 ein Zustand erreicht, wo die Fotos eher Aquarellen gleichen. Wer also einigermaßen gute Fotos mit seinem Smartphone machen möchte, sollte auf genügend Licht (Sonnenschein oder dünne Wolkendecke) achten und die Empfindlichkeit auf ISO 100 stellen. Bei schlechtem Licht taugt die Kamera hingegen allenfalls als digitaler Notizblock oder für Erinnerungsfotos. Wer Anspruch an eine gute Bildqualität hat, sollte auch weiterhin zu einer (hochwertigen) Digitalkamera eines namhaften Herstellers greifen.

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Testbericht: Panono 360-Grad-Kamera für 108-Megapixel-Panoramafotos

Im Test zeigt sich, was die Ball-Wurf-Kamera kann und wie die Steuerung per App und die Weiterverarbeitung funktioniert. mehr…

Testbericht: Nikon KeyMission 360 Panorama-Actioncam

Die KeyMission 360 ist eine leistungsfähige Panorama-Kamera und robuste und wasserdichte Actioncam in einem. mehr…

Kaufberatung: Welcher Fotorucksack passt perfekt zu meiner Ausrüstung?

Fotorucksäcke kaufen ist nicht schwer? Bei der Vielzahl an Optionen manchmal doch. Der Fototipp hilft bei der Auswahl. mehr…

Neat Projects sorgt für menschenleere Fotos von Sehenswürdigkeiten

Die Fotosoftware Neat projects entfernt automatisch alle beweglichen Objekte und Personen aus dem Bild. mehr…