Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Bildqualitätstest der Nikon D600 mit 24-85 3.5-4.5 VR und 85 1.8G

2012-10-01 Vor drei Wochen angekündigt, seit zwei Wochen auf dem Markt und nun auch im digitalkamera.de-Testlabor: Die Nikon D600, ihres Zeichens preiswerteste Vollformat-DSLR des japanischen Herstellers. Den Labortest absolvierte die Kleinbild-DSLR mit dem im Set verkauften Standardzoom 24-85 mm 3.5-4.5 VR. Doch auch eine hochwertige Festbrennweite holten wir uns ins Labor, um sie an der D600 zu testen: das Porträtobjektiv 85 mm 1.8 G.  (Benjamin Kirchheim)

Nikon D600 mit AF-S 24-85 mm [Foto: MediaNord]Die Nikon D600 besitzt mit 24 Megapixeln eine recht hohe Auflösung, angesichts der 36 Megapixel auflösenden D800 wird das aber wieder relativiert. Der Standard-Empfindlichkeitsbereich der D600 beginnt bei ISO 100 und endet bei ISO 6.400. Er lässt sich aber nach unten auf ISO 50 und nach oben auf bis zu ISO 25.600 erweitern. Vor allem bei niedrigen Empfindlichkeitsstufen beeindruckt die D600 mit einem hervorragenden Signal-Rauschabstand von über 45 dB. Selbst von ISO 200 bis 800 liegt sie noch im guten Bereich von 40 bis 45 dB, erst über ISO 3.200 rutscht sie unter die kritische Marke von 35 dB. Auch beim Helligkeitsrauschen ist ISO 3.200 eine kritische Marke, denn darüber wird es sichtbar und steigt mit jeder ISO-Empfindlichkeitsstufe deutlich an. Auch Farbrauschen wird ab ISO 3.200 sichtbar. Dabei ist der Rauschcharakter relativ grobkörnig mit zwei bis drei Pixeln im Helligkeits- und Grünkanal und sogar drei bis vier Pixeln im Rot-und Blaukanal. Nur Dank der hohen Auflösung fällt dies bis zu einer Ausgabegröße von 20 x 30 Zentimeter nicht ins Gewicht. Auch bei der Fähigkeit, feine Texturen detailgetreu aufzuzeichnen liegt wieder bei ISO 3.200 eine kritische Grenze, ab der ein leichter Verlust von Details sichtbar wird. Insgesamt aber verliert die D600 von ISO-Stufe zu ISO-Stufe nur verhältnismäßig wenig Details und kommt nie auch nur annähernd in den kritischen Bereich, wo die Bilder völlig zermatscht wirken könnten.

Nikon D600 mit AF-S 24-85 mm [Foto: MediaNord]Bei der Eingangsdynamik zeigt sich die D600 in einem ISO-Bereich von 100-1.600 solide, ohne sich durch Spitzenwerte mit Ruhm zu bekleckern. Zehn Blendenstufen schafft sie souverän, aber viel mehr ist nicht drin. Bei ISO 50 ist die Dynamik fast eine Blendenstufe schlechter, was mit der Signaldämpfung zu erklären ist. Bei ISO 6.400 unterschreitet die D600 die Markt von neun Blendenstufen deutlich, bei ISO 12.800 sind es weniger als acht Blendenstufen. Ein Grund mehr, die hohen Empfindlichkeiten zu meiden, da hier die Gefahr besteht, dass die Lichter ausfressen und die Schatten zulaufen. Die Tonwertklurve der D600 ist durchaus deutlich angesteilt, was kontrastreich wirkende Bilder mit sich bringt. Einmal mehr zeigt sich ISO 3.200 als kritische Grenze, denn hier unterschreitet die D600 beim Tonwertumfang die Grenze von sieben Bit, kann also nur noch weniger als 128 Helligkeitsstufen unterschieden. Ab besten ist sie bis ISO 200 mit nahezu acht Bit beziehungsweise 256 Helligkeitsstufen, bis ISO 800 sind es immer noch sehr gute 224 Helligkeitsstufen. Dabei ist wieder zu beobachten, dass der Rot- und Blaukanal um mehr als eine ISO-Stufe hinterher hinken.

Farben gibt die D600 bis ISO 1.600 mit über 21 Bit beziehungsweise zwei Millionen Farbtönen sehr detailreich wieder. Während der manuelle Weißabgleich recht akkurat arbeitet, zeigt die Farbtreue einige Abweichungen, die zudem von Nikon D600 mit AF-S 24-85 mm [Foto: MediaNord]der ISO-Empfindlichkeit abhängen (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Das heißt je nach ISO-Einstellung fallen die Farbabweichungen unterschiedlich stark aus. Dabei ist die D600 bei Grüntönen noch am genauesten, Abweichungen sind dagegen bei Blau, Violett, Rot und Orange zu beobachten. Die D600 hat zwar eine durchaus angenehme, warme Farbwiedergabe, ist aber nicht sehr akkurat.

Als eine der wenigen Vollformatkameras ist die D600 mit einem integrierten Blitz ausgestattet. Er schafft es jedoch nicht, die 24 Millimeter Weitwinkel des Setobjektivs bis in die Ecken auszuleuchten und verliert dort mehr als zwei Blendenstufen an Helligkeit. Man sollte den Blitz daher lieber erst ab etwa 28 Millimeter einsetzen. Der Autofokus zeigt mit dem 24-85 Millimeter ebenfalls ein sehr unterschiedliches Verhalten. Während er im Weitwinkel inklusive Auslöseverzögerung lediglich eine Viertel Sekunde benötigt, um von unendlich auf zwei Meter zu fokussieren, ist es in Telestellung mehr als die doppelte Zeit. Die Auslöseverzögerung selbst ist mit 0,05 Sekunden für eine DLRS recht kurz. Ganz anders sieht es bei Verwendung des LiveViews aus. Die Nikon AF-S 24-85 mm 1:3,5-4,5G ED VR [Foto: Nikon]Auslöseverzögerung klettert auf über 0,2 Sekunden, der Autofokus genehmigt sich sogar deutlich mehr als eine Sekunde. Im Entfernungsskala-Sichtfenster des Objektivs kann man den Fokussiervorgang mit bloßem Auge verfolgen. Das Objektiv durchfährt beim Kontrastautofokus recht gemächlich den gesamten Fokusbereich und pendelt sich um den Schärfepunkt herum ein.

Das AF-S Nikkor 24-85 mm 1:3.5-4.5G ED VR zeigt teilweise eine respektable, aber doch insgesamt eine durchwachsene Leistung. Gemessen haben wir es bei 24, 50 und 85 Millimeter Brennweite. So dunkeln die Ecken bei kurzer und langer Brennweite um etwa eine Blendenstufe ab, obwohl die Vignettierungskorrektur auf mittlerer Stufe arbeitet. Zudem tritt die Abdunklung erst in den äußersten Bildecken auf, verläuft dort aber umso steiler, so dass sie auffällt. Man muss auf F5,6 abblenden, damit die Vignettierung verschwindet. Deutlich unangenehmer ist aber die starke Verzeichnung von fast vier Prozent Tonnenform im Weitwinkel und fast drei Prozent Kissenform bei den anderen beiden Brennweiten. Das Objektiv taugt überhaupt nicht dazu, geometrische Strukturen vernünftig abzubilden, etwa bei Architektur- oder Städtefotografie. Farbsäume sind im Mittel gering und liegen bei weniger als 1,5 Pixeln. Aber auch hier zeigen sich in den äußersten Ecken deutliche Ausschläge nach oben, wo die Farbsäume mit bis zu 1,5 Pixeln dann doch ins geschulte Auge springen können, aber immerhin keine extrem schlechten Werte erreichen, die ein Bild verderben könnten. Überraschend hoch ist hingegen die Auflösung im Bildzentrum. Schon bei Offenblende sind es (mit Ausnahme der Telestellung) über 50 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm), die sich beim Abblenden sogar noch leicht auf fast 55 lp/mm (auch in Telestellung) steigern. Erst bei Blende 16 Nikon AF-S 85 mm F1.8 G [Foto: Nikon]unterschreitet die Auflösung die Marke von 50 lp/mm durch die einsetzende Beugung leicht. Allerdings zeigt das Zoom auch typisch für das Vollformat einen deutlichen Abfall der Auflösung zum Bildrand, vor allem bei Offenblende verliert das Objektiv 40 Prozent und mehr. Die Randauflösung lässt sich durch deutliches Abblenden bis zu F11 merklich steigern, das Bildzentrum aber löst noch höher auf, so dass es bei einem Randabfall bleibt, der bei hohen Vergrößerungen auch sichtbar wird. Nicht desto trotz sollte man erwähnen, dass das 24-85 bis zu einer Größe von 20 x 30 Zentimeter tadellos scharfe Bilder vom Zentrum bis zum Papierrand liefert.

In einer ganz anderen Liga spielt das AF-S Nikkor 85 mm F1.8 G. Bei jeder einstellbaren Blende, der Bereich geht von F1,8 bis F16, erreicht es im Bildzentrum eine Auflösung von mindestens 50 lp/mm, im Maximum bei F5,6 sind es sogar 56 lp/mm. Der Bildrand liegt mit 46 bis 54 lp/mm nicht viel schlechter – und das obwohl es sich eigentlich um ein Porträtobjektiv handelt, bei dem der Bildrand gar nicht so entscheidend ist. Es spricht also nicht dagegen, das Objektiv auch zweckzuentfremden, zumal andere optische Fehler wie Verzeichnung, Randabdunklung und selbst Farbsäume praktisch keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Das AF-S Nikkor 85 mm F1.8 G ist also ein echtes Highlight im Nikon-Objektivprogramm, das zudem relativ kompakt und leicht ist.

Nikon D600 mit Nikon AF-S 24-85 mm 1:3.5-4.5G ED VR

Farbtreue

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.