Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Bildqualität der Fujifilm Objektive XF 10-24 und XF 56 mm 1.2 getestet

2014-07-01 Langsam, aber stetig baut Fujifilm sein spiegelloses Kamerasystem mit vor allem hochwertigen Objektiven aus. Jüngst erhältlich sind das Fujinon XF 56 mm F1.2 R sowie das Fujinon XF 10-24 mm F4 R OIS. Das 56 mm mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 85 Millimeter eignet sich mit seiner hohen Lichtstärke von F1,2 hervorragend für Porträtaufnahmen, das 10-24 mm hingegen deckt mit 15-36 Millimeter entsprechend Kleinbild bei einer durchgehenden Lichtstärke von F4,0 den Ultraweitwinkelbereich ab. Wir konnten beide Objektive an der X-T1 einem Labortest unterziehen.  (Benjamin Kirchheim)

Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS [Foto: Fujifilm]Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS ist mit seinem Metalltubus hervorragend verarbeitet, die Einstellringe für Blende, Zoom und Fokus laufen sehr satt, der für den Fokus sogar fast einen Hauch zu schwergängig. Das Weitwinkelzoom passt hervorragend zur soliden Verarbeitung der X-T1, an der wir den Labortest durchführten. Durch den optischen Bildstabilisator werden in Weitwinkelstellung Belichtungen von bis zu einer halben Sekunde aus der freien Hand ermöglicht, selbst bei längster Brennweite reicht eine Drittel Sekunde Belichtungszeit bei einer ruhigen Hand für eine verwackelungsfreie Aufnahme. Der Autofokus arbeitet flüsterleise und äußerst schnell sowie präzise.

Beim Test der Bildschärfe bis in die Ecken auf einem 20 x 30 Zentimeter großen Abzug gibt sich das 10-24mm keine Blöße, bei jeder Brennweite und Blende ist es von der Bildmitte bis in die äußersten Ecken knackscharf. Selbst bei Blende 22 sind keine Schärfeverluste zu beklagen, der standardmäßig aktivierte Lens Modulation Optimizer (LMO), der unter anderem auch der Beugungsunschärfe begegnen soll, leistet saubere Arbeit. Die Randabdunklung beträgt bei allen Brennweiten und Blenden höchstens eine halbe Blendenstufe, was etwa 30 Prozent Helligkeitsverlust in den Bildecken entspricht. Ein sehr geringer Wert, der durch den sanften Verlauf des Helligkeitsverlustes subjektiv nicht ins Auge fällt. Auch die Verzeichnung ist hervorragend auskorrigiert, lediglich am kurzen Brennweitenende ist überhaupt eine geringe Verzeichnung von knapp über 0,5 Prozent Tonnenform messbar, subjektiv ebenfalls völlig unauffällig.

Farbsäume spielen bei 10 und 16 Millimeter keine Rolle, am langen Brennweitenende hingegen werden die chromatischen Aberrationen mit zunehmender Blende stärker, ab F8 können sie auf einem 20 x 30 Zentimeter Abzug bei genauem Hinsehen durchaus ins Auge fallen. Hervorragend schneidet das XF 10-24 mm F4 R OIS bei der Auflösungsmessung mit 50 Prozent Motivkontrast ab. Sowohl bei 10 als auch bei 16 Millimeter werden in der Bildmitte bei Offenblende knapp 52 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) erreicht (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Die Auflösung fällt bei 10 mm um maximal 25 Prozent zum Bildrand ab, bei mittlerer und langer Brennweite sogar nur um 15 beziehungsweise 10 Prozent. Das sind für ein solches Zoom hervorragende Werte. Bereits auf F5,6 abgeblendet nimmt die Randauflösung im Weitwinkel nochmal deutlich um 10 Prozent zu. In längster Brennweitenstellung löst das Objektiv zwar insgesamt etwas geringer auf, bewegt sich mit über 40 lp/mm bei F4 und über 45 lp/mm bei F5,6 jedoch immer noch auf sehr hohem Niveau.

Fujifilm X-T1 [Foto: Fujifilm]Insgesamt bietet das Fujinon XF 10-24 mm F4 R OIS nicht nur eine hervorragende, solide Verarbeitung, sondern mit die beste Bildqualiutät, die wir bisher bei einem Weitwinkelzoom messen konnten. Das Objektiv ist unserer Meinung nach jeden Cent seiner knapp 1.000 Euro Anschaffungspreis auch wert.

Das Fujifilm XF 56 mm 1.2 R richtet sich vor allem an anspruchsvolle Porträtfotografen, die mittels offener Blende eine größtmögliche Freistellung erreichen wollen. Die Verarbeitung des Objektivs ist über jeden Zweifel erhaben, der extra breite manuelle Fokusring sowie der Blendenring lassen sich satt drehen und geben ein gutes haptisches Feedback. Im Testlabor überzeugt das Objektiv zunächst mit einer einwandfreien Bildschärfe vom Zentrum bis zum Bildrand bei allen Blenden, jedenfalls auf einem etwa 20 x 30 Zentimeter großen Abzug. Auch die Vignettierung ist mit weniger als einer halben Blendenstufe und sanftem Anstieg zu vernachlässigen, eine Verzeichnung weist das Objektiv überhaupt nicht auf. Farbsäume in Form von chromatischen Aberrationen bleiben gering, von F1,2 bis F2,0 treten selbst im Maximum zu den Bildrändern hin weniger als 1 Pixel breite Farbräume auf, ab F2,8 sinken sie unter einen halben Pixel.

Fujifilm Fujinon XF 56 mm F1.2 R [Foto: Fujifilm]Wichtig für ein Objektiv, dessen Offenblende man gerne zum Freistellen verwenden möchte, ist aber vor allem die Auflösung, die wir im Testlabor bei 50 Prozent Motivkontrast messen. Dies stellt zwar nicht das absolute Maximum dar, eine Auflösung bei 50 Prozent Kontrast ist für das menschliche Auge aber viel besser wahrnehmbar als bei 10 Prozent, auch ist die Auflösung bei 50 Prozent Kontrast ein viel besserer Indikator für ein gutes Objektiv als das theoretische Auflösungmaximum bei nur noch geringem Kontrast, den man kaum wahrnehmen kann. Hier gibt sich das Fujifilm XF 56 mm 1.2 R keine Blöße. Im Zentrum werden bei F1,2 fast 50 lp/mm aufgelöst, allerdings mit einem Randabfall von knapp 25 Prozent auf gut 38 lp/mm. Das ist gerade noch gut bis befriedigend, aber mit Berücksichtigung dessen, dass bei einem Porträt die Auflösung an den Bildrändern weniger wichtig ist, kann man das Objektiv als offenblendtauglich bezeichnen. Das Auflösungsmaximum wird bei F8 mit 54 lp/mm im Zentrum und 50 lp/mm am Bildrand erreicht, das Objektiv kann also auch gleichmäßig knackscharf vom Zentrum bis zum Bildrand. Dies ist sogar von Blende 5,6 bis F11 gegeben, wo das Objektiv nur marginal weniger auflöst als bei F8.

Das Fujifilm XF 56 mm 1.2 R reiht sich also ebenfalls natlos in die Riege der hervorragenden Fujifilm XF Objektive ein. Es ist mit knapp 1.000 EUR sicher kein Schnäppchen, aber man erhält eine hervorragende Leistung bei der Bildqualität dafür, und auch die Verarbeitung entspricht den Erwartungen an solch ein teures Objektiv.

Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS mit Fujifilm X-T1

Auflösung MTF


X-T1

F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0F22,0
10 mm Bildmitte52,151,850,248,246,539,6
10 mm Bildrand38,842,942,640,536,729,4
16 mm Bildmitte51,751,049,347,747,141,0
16 mm Bildrand45,346,346,345,142,232,7
24 mm Bildmitte45,247,144,842,743,539,4
24 mm Bildrand39,745,342,940,538,829,2

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.