Sicherlich werden Sie sich fragen, wieso es so wichtig ist bei einem Panorama aus
Einzelbildern den Drehpunkt der Kamera auf dem Knotenpunkt zu plazieren. Zuerst einmal
muß man sagen, daß die meisten Programme auch mit Bildmaterial zurecht kommen, das nicht
unter Berücksichtigung des Knotenpunkts aufgenommen wurde. Bei Aufnahmen, die nur weit
entfernte Motive zeigen, ist dies auch kaum ein Problem. Aber spätestens, wenn man die
Einzelbilder per Hand zusammenfügen möchte oder muß oder sich im Übergangsbereich
zwischen zwei Bildern sowohl nahe als auch entfernte Objekte befinden, wird es um so
schwieriger, je weiter der Drehpunkt bei der Aufnahme vom Knotenpunkt entfernt war.
Um sich die Problematik klarzumachen, genügt ein einfaches Experiment. Schließen Sie
ein Auge und suchen sich eine vertikale Linie in Ihrer Nähe und eine die dahinter weiter
entfernt liegt, beispielsweise eine Seite eines Fensters und eine Häuserecke, auf die Sie
blicken. Nun drehen Sie den Kopf und beobachten die beiden Linien und ihre Position
zueinander. Sie werden feststellen, daß sich dabei die Position der beiden Linien
zueinander ändert. Das kommt daher, daß die Drehachse des Kopfes nicht mit dem
Knotenpunkt der Augen übereinstimmt (wer hat das eigentlich so schlampig konstruiert?
;-). Genauso verhält sich Ihre Kamera und Sie können sich vorstellen, welche Probleme
Sie bekommen können, wenn Sie zwei Bilder zusammenfügen müssen, auf denen sich der
Abstand zweier Objekte im Überlappungsbereich geändert hat. Sie müßten ja theoretisch
Vorder- und Hintergrund separat bearbeiten und dies ist kaum möglich.
Diesen Effekt, den Sie durch das Experiment gesehen haben, nennt man übrigens auch
Parallaxefehler. Die Parallaxe ist der Winkel, den zwei Geraden bilden, die von
verschiedenen Standorten auf einen Punkt gerichtet sind. Dieser Winkel, und somit auch der
Abstand der beiden Gegenstände zueinander, müßte, da wir ja den Standort nicht
verändert haben, gleichbleiben. Da das nicht so ist, wird eben von einem Parallaxefehler
gesprochen.
Bei der Panoramafotografie ist es sehr wichtig den bildseitigen Knotenpunkt
des
Objektives zu kennen, weil man seine Kamera möglichst um diesen Punkt drehen sollte, um
Parallaxefehler zu vermieden, die ein späteres Zusammensetzen der Einzelbilder erschweren
würden. Da man die erforderlichen Angaben dafür von den Kameraherstellern in der Regel
nicht bekommt, muß man den Knotenpunkt für seine Kamera bzw. für die
Objektiv-Brennweite, mit der man die Panorama-Aufnahmen macht, selbst bestimmen. Aber
keine Panik, so schwer ist das nicht.
Allerdings benötigt man dafür eine Konstruktion, die das Verschieben der Kamera
oberhalb der Stativ-Drehachse in beide horizontale Richtungen ermöglicht. Dies kann ein
spezieller Panorama-Kopf eines Stativherstellers sein oder eine Eigenkonstruktion
beispielsweise aus zwei überkreuz montierten Makro-Einstellschlitten. Ist der
Knotenpunkt einmal ermittelt, reicht eigentlich eine feste Adapterkonstruktion (beispielsweise aus
Aluminium), mit der die Kamera um die ermittelten Werte auf dem Stativkopf versetzt
montiert werden kann. Da ein solcher simpler Adapter genau auf eine bestimmte
Digitalkamera in Verbindung mit einem bestimmten Stativkopf abgestimmt sein müßte,
erscheint es uns nicht denkbar, daß solche Adapter kommerziell hergestellt und vertrieben
werden könnten.
Lesen Sie weiter auf der Seite "So ermitteln Sie den
Knotenpunkt", wenn Sie eine Vorrichtung haben, mit der Sie den Knotenpunkt
Ihrer
Kamera selbst ermitteln können. Wenn Sie sich einen Adapter für Ihre Kamera in
Verbindung mit Ihrem Stativkopf selber bauen wollen, den Knotenpunkt aber nicht selber
ermitteln können oder wollen, finden Sie vielleicht die erforderliche Angabe für den
Versatz in der Tiefe auf der Seite "Der Knotenpunkt
verschiedener Kameras".