Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


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Artikel mit Tipp-Charakter

Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Als – zugegebenermaßen kostspieliger – elektronischer Sucher taugt der Zeiss Cinemizer OLED an einer Digitalkamera durchaus. Voraussetzung ist ein HDMI-Anschluss, der ein Livebild ausgibt. Der Cinemizer erlaubt ungeahnte perspektivische Freiheiten, selbst Klappbildschirme können da nicht mithalten. Auch der Einsatz bei grellem Sonnenlicht klappt problemlos, obwohl der Cinemizer nicht das gesamte Sichtfeld abdeckt, was wiederum nützlich ist, wenn der Fotograf sich bewegen möchte ohne zu stolpern.

Rubrik: Zubehör

Zeiss Cinemizer OLED – der etwas andere elektronische Sucher

2013-07-01 Elektronische Sucher sind ein Luxus, den nur wenige Kameras bieten. Dabei gibt es Situationen, in denen elektronische Sucher dem Kameramonitor überlegen sind, etwa bei besonders hellem Umgebungslicht. Andererseits aber bieten immer mehr Kameras einen HDMI-Anschluss, der auch während der Aufnahme ein Livebild abgibt. Zudem halten sich die Hersteller an die genormten HDMI-Anschlüsse, so dass handelsübliche Kabel verwendet werden können. Die Nutzung von externen, per HDMI angeschlossenen Bildschirmen ist daher in einigen Anwendungsbereichen bereits Usus. Also lag es nahe, eine Videobrille wie den Zeiss Cinemizer OLED an den HDMI-Anschluss anzustöpseln und als Sucher auszuprobieren.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Design des Zeiss Cinemizer OLED wirkt recht spacig und erinnert etwas an Star Trek. [Foto: MediaNord]

    Das Design des Zeiss Cinemizer OLED wirkt recht spacig und erinnert etwas an Star Trek. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Zeiss Cinemizer OLED besitzt für beide Augen getrennte Dioptrienkorrekturen, die sich mit den großen Rädchen leicht verstellen lassen. [Foto: MediaNord]

    Der Zeiss Cinemizer OLED besitzt für beide Augen getrennte Dioptrienkorrekturen, die sich mit den großen Rädchen leicht verstellen lassen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Praktischerweise wird der Zeiss Cinemizer OLED mit einem Reiseetui geliefert. [Foto: MediaNord]

    Praktischerweise wird der Zeiss Cinemizer OLED mit einem Reiseetui geliefert. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Anschlüsse des Zeiss Cinemizer OLED umfassen unter anderem einen AV-Eingang und eine USB-Schnittstelle zum Laden des integrierten Akkus. Die wenigen Menüs werden über die drückbare Wippe gesteuert. [Foto: MediaNord]

    Die Anschlüsse des Zeiss Cinemizer OLED umfassen unter anderem einen AV-Eingang und eine USB-Schnittstelle zum Laden des integrierten Akkus. Die wenigen Menüs werden über die drückbare Wippe gesteuert. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der HDMI-Mini-Anschluss des Zeiss Cinemizer OLED wird über einen Adapter bereitgestellt. [Foto: MediaNord]

    Der HDMI-Mini-Anschluss des Zeiss Cinemizer OLED wird über einen Adapter bereitgestellt. [Foto: MediaNord]

Der Zeiss Cinemizer OLED ist, wie der Name schon vermuten lässt, eigentlich als Videobrille gedacht, sie soll das Kinoerlebnis unterwegs ermöglichen. Dafür sorgen zwei OLED-Bildschirme, einer für jedes Auge, die mit einer Auflösung von 870 x 500 Pixel (entspricht einem Kamerasucher mit 1,3 Millionen Bildpunkten) ein 40 Zoll (etwa einen Meter) großes Bild im äquivalenten Betrachtungsabstand von zwei Meter simulieren sollen. Das klingt nicht unbedingt nach Kino, und so sieht es in der Praxis auch nicht aus. Das Erlebnis erinnert eher an (3D-) Fernsehen als an eine riesige Kinoleinwand, das ist von Zeiss aber auch so beabsichtigt, damit das Auge das Bild am Stück erfassen kann und nicht ermüdend wandern muss. Der Anwenderkreis des Cinemizer ist leider begrenzt, denn er verträgt sich nicht mit einer Brille. Zeiss versucht dem durch eine Dioptrienkorrektur von -5 bis +2 Dioptrien zu begegnen, die sich bequem für jedes Auge getrennt über ein großes Rad einstellen lässt. Wer nicht in diesen Dioptrienbereich fällt oder zusätzliche Augenkorrekturen benötigt, kommt um Kontaktlinsen nicht herum. Auch der Augabstand sollte zwischen 59 und 69 Millimeter liegen, ansonsten kommt es zu Abschattungen. Apropos Optik: Wer weiß, was Verzeichnungen sind, wird diese beim Cinemizer entdecken können, zumindest am Bildrand wird das leicht wellenförmige Profil sichtbar.

Da der Cinemizer OLED für die Reise konzipiert ist, spielt sein Gewicht eine große Rolle. Mit 330 Gramm lässt er sich auch längere Zeit angenehm tragen. Um dies zu erreichen, macht Zeiss vorwiegend vom Material Kunststoff Gebrauch, was nicht unbedingt Vertrauen erweckt. Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass gute Kunststoffe sehr langlebig sind und mechanische Belastungen teilweise sogar besser verkraften als Metalle, die sich dauerhaft verformen. Der Cinemizer besitzt einen integrierten Akku, womit er von externer Stromversorgung unabhängig wird und man ihn unterwegs verwenden kann. Aber auch der kleine Elektronikkasten, der die Anschlüsse beherbergt und per festem Kabel mit der Brille verbunden ist und den man sich beispielsweise in die Hosentasche stecken kann, bringt nicht viel Gewicht auf die Waage. Der Akku besitzt daher, vor allem im HDMI-Betrieb, eine sehr begrenzte Betriebsdauer von etwa 90-120 Minuten. Eine mobile USB-Stromversorgung ist also angeraten. Nur bei Verwendung eines iPod oder iPhone, wofür spezielle Anschlusskits als Zubehör erhältlich sind, ergeben sich längere Akkulaufzeiten.

Was den Filmgenuss unterwegs vielleicht etwas trübt, ist die Tatsache, dass man oben und unten am Cinemizer vorbei schauen kann. Während sich der obere Bereich problemlos mit einer Schirmmütze abdecken lässt, gelingt dies im unteren Bereich nicht so elegant. Die OLED-Displays bieten zum Glück genügen Leuchtkraft, so dass man selbst ohne Schirmmütze die Displays auch bei Sonneneinstrahlung noch gut ablesen kann. Zudem nimmt der Benutzer seine Umwelt dadurch noch begrenzt war, was einerseits das Gefühl der "Seekrankheit" bei längerer Benutzung eindämmt und andererseits auch eine gewisse Orientierung in der Umgebung erlaubt, man kann sich mit aufgesetzten Cinemizer also bewegen oder eine Treppe hinabsteigen, ohne die Orientierung zu verlieren beziehungsweise die Treppenstufe zu verfehlen. Wer sich vollständig von der Umwelt abschotten möchte, soll demnächst ein "Eyeshield" als Zubehör kaufen können. Die aufsetzbaren Gummimuscheln schatten das Auge komplett von der Umwelt ab.

Doch der Cinemizer taugt nicht nur zur mobilen Unterhaltung, sondern erlaubt auch andere Anwendungsmöglichkeiten, wann immer ein Videosignal per HDMI zugespielt wird. Zunehmend mehr Digitalkameras verfügen über einen HDMI-Anschluss, der auch während des Aufnahmebetriebs aktiv ein Videosignal ausgibt. Dies ist nicht nur zum Anschluss großer externer Aufnahmemonitore beispielsweise bei Filmaufnahmen nützlich, sondern auch, wenn man den Zeiss Cinemizer OLED als externen elektronischen Sucher verwenden möchte. Dies bietet sich vor allem bei Digitalkameras an, die keinen Sucher besitzen, aber auch bei solchen mit Sucher bietet der Cinemizer einige Vorteile. So ist das Sucherbild nicht nur größer und womöglich höher aufgelöst, sondern die Kamera kann völlig frei bewegt werden, ohne dass man sich verrenken muss. Sogar um Ecken kann man fotografieren. Einzig die Länge des HDMI-Kabels schränkt die Nutzung ein. Der Anschluss per HDMI stellt dabei keine große Hürde dar, denn fast alle Kameras verwenden die HDMI-Anschlussstandards Mini-HDMI (Typ C) oder Micro-HDMI (Typ D).

Wir haben den Zeiss Cinemizer OLED mit einer Nikon Coolpix A ausprobiert, die über einen HDMI-Mini-Anschluss verfügt. Grundsätzlich funktionierte der Zeiss Cinemizer als externer Sucher sehr gut, allerdings zeigten sich in der Praxis ein paar Unannehmlichkeiten, die nicht immer dem Cinemizer zuzuschreiben waren. So gab es etwa längere Dunkelzeiten, wenn man zwischen Livebild und Menü oder Livebild und Wiedergabe wechselte. Offenbar schaltet die Kamera dabei den Videomodus an der HDMI-Schnittstelle um, was den Cinemizer zu einer Neusynchronisation veranlasst. Ein anderes Problem waren die recht kühlen, blassen Farben, die offensichtlich vom Cinemizer herrühren, denn an einen Fernseher per HDMI angeschlossen zeigte sich ein gutes Livebild, an dem nichts zu beanstanden war. Auch bei der Wiedergabe eines Films über einen Computer wirkt der Cinemizer eher etwas kühl und blass, wenn auch nicht so ausgeprägt wie an der Coolpix; ein Verhalten, das eigentlich für OLED-Bildschirme eher ungewöhnlich erscheint. Leider erlaubt der Cinemizer bei HDMI-Einspeisung keine Bildkorrekturen (Farbsättigung, Kontrast, Farbtemperatur). Somit sollte man den Cinemizer nicht unbedingt für die korrekte Farb- und Kontrasteinstellung der Fotos verwenden, sondern eher zum Komponieren der Aufnahmen. Das größte Manko des Cinemizer, jedenfalls solange er nur als Kamerasucher dienen soll, dürfte sein Preis von knapp 600 Euro sein. Externe Sucher für bestimmte Kameramodelle kosten zwar auch gerne mal 400 Euro, bieten dann aber ein deutlich besseres Bild, auch wenn sie sich nur für wenige Kameramodelle eignen.


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