Rubrik: Sonstige Tipps

Monitorkalibration Teil 1 – generelle Tipps

2006-08-28 Verlässliche Farben auf dem Monitor sollten eine Herzensangelegenheit eines jeden ambitionierten Digitalfotografen sein, will er seine Aufnahmen richtig beurteilen. Erst recht, wenn man anfängt, seine Bilder am PC zu bearbeiten, ist ein kalibrierter Monitor vonnöten. Sonst läuft man Gefahr, Farbfehler des Monitors anstatt die Bilddatei zu korrigieren. Hier in Teil 1 zunächst eine Einführung in das Thema, in Teil 2 folgt die Vorstellung von drei Kalibrationslösungen mit Messgeräten.  (Mike Schelhorn)

Graukeil zur bestimmung des Helligkeitsumfanges eines Monitors [Foto: MediaNord]Eine Digitalkameraaufnahme wird erst richtig beurteilt, wenn sie den Weg von der Speicherkarte auf die Festplatte des Computers geschafft hat und dort am Monitor – ob Röhrenbildschirm oder TFT-Display – dargestellt wird. Der erste Eindruck ist oft entscheidend über die Qualität: Sind die Lichter ausgefressen, laufen die Bildtiefen zu? Ist das Bild zu wenig kontrastreich, zu hell oder zu dunkel, hat es einen Farbstich? Ein falsch eingestellter Monitor kann für derartige Bildanmutungen verantwortlich sein und führt zu einer falschen Beurteilung von Bildern. Besser als sich ständig auf Ausdrucke verlassen zu müssen (was Geld kostet und auch von Qualität und Farbgenauigkeit des Druckers abhängt), ist ein gut eingestellter Monitor, bei dem man die Bilder-Spreu vom Weizen trennen kann.

Colorvison Monitortestbild  [Foto: Colorvision]Besser als gar keine Maßnahme ist die Verwendung von Software-Tools wie Adobe Gamma für PC oder bei Macs die betriebssystemeigene Monitorkalibrierung, zu finden in den Systemeinstellungen unter Monitor > Farben. Beide Tools lassen mit visueller Überprüfung Gamma (die Umsetzung der Helligkeitsinformationen an die Monitorwiedergabe, siehe weiterführende Links), Kontrast und Weißpunkt einstellen, wobei die Ergebnisse in einem Farbprofil für den Monitor festgehalten und über dieses angewandt werden – Farbmanagement für den Monitor also. Jedoch lassen sich damit Weiß- und Schwarzpunkt bestenfalls befriedigend einstellen, und die Regelung der Farbbalance ist eher mit einem Schuss ins Blaue vergleichbar. Auch auf die von vielen Monitoren angebotene Wahl der Farbtemperatur beziehungsweise des Weißpunkts per OSD (Onscreen Display) ist wenig Verlass, weil die Abweichungen in der Farbtemperatur bei einzelnen Geräten einer Serie beträchtlich sein können.

Demonstrationsbeispiel eines nicht kalibrierten Monitors [Foto:Colorvision]Verlässlicher ist die Kalibration (und Profilierung) mit einer Kombination aus Kalibrationssoftware und einem Messinstrument, das in der Regel ein Colorimeter ist. Hier entscheidet das Messinstrument anstatt des subjektiven Auges. Ihr großer Nachteil war bisher der selbst für manche berufliche Anwender zu hohe Preis, zu dem man schon einen kompletten 19-Zoll-Flachbildschirm erwerben konnte. Mit der wachsenden Anwenderschaft farbkritischer Digitalfotografen wächst jedoch auch das Marktpotential, was günstigere Preise erlaubt. Hardwaregestützte Monitorkalibrationslösungen werden daher also auch für Amateuranwender zunehmend interessant. Der Ablauf ist im Wesentlichen bei allen Kalibrationslösungen gleich: Erst wird der Monitor mit Hilfe des Messinstruments (in der Regel über USB angeschlossen) in einen gewünschten Zustand (Gamma, Farbtemperatur, Weißpunkt) gebracht. Bei besseren Monitoren kann man hierbei anhand der Bedienelemente und mittels Rückantwort der Kalibrationssoftware den jeweiligen Parameter auf den gewünschten Wert einstellen. Anschließend wird der so in einen stabilen und erwünschten Zustand versetzte Monitor vermessen und ein Farbprofil erstellt (Profilierung). Farbmanagementfähige Programme (und heutzutage auch die aktuellen Betriebssysteme) sorgen dann für eine verbindliche Darstellung von Farben und Luminanz. Zunächst sollte man für sich jedoch abklären, ob sich aufgrund von Rahmenbedingungen eine solche Anschaffung überhaupt lohnt. Hier die wichtigsten Punkte, auf die man für eine Monitorkalibration achten sollte:

  1. Ist der Monitor geeignet? Grundsätzlich ja, selbst Notebook-Displays, bei denen man nur die Helligkeit regeln kann, lassen sich befriedigend kalibrieren. Mit zunehmendem Alter des Monitors zeigen sich jedoch insbesondere bei Röhrenmonitoren "Ermüdungserscheinungen", die früher oder später einen Monitor nicht mehr befriedigend kalibrieren lassen. Durch ausgebrannte Phosphorene entstehen Farbverschiebungen, und der Gesamtkontrast sinkt.

  2. Wie sieht es mit der Beleuchtung aus? Das Umgebungslicht sollte konstant sein und eine ausreichend hohe Farbtemperatur aufweisen. Bei vielen Lichtquellen im privaten Bereich (Glühbirnen, Deckenfluter) ist dies nicht der Fall. Das menschliche Auge adaptiert schnell auf verschiedene Weißpunkte. Ist das Umgebungslicht zu warm (niedrige Farbtemperatur unter 4500 K), besteht immer eine Diskrepanz zwischen dem Weißpunkt des Monitors und weißen Flächen in der Umgebung, auf die das Auge ebenfalls und praktisch gleichzeitig adaptiert. Folge: In der Regel sieht die Farbwiedergabe auf dem Monitor immer zu kühl aus. Auch Tageslicht ist eine unzuverlässige Lichtquelle und ändert sich ständig, je nach Wetterlage und Tageszeit. Mittlerweile gibt es eine erste Kalibrationslösung, die wechselndes Umgebungslicht berücksichtigt (siehe Test Huey in Teil 2), dies aber auch nur in gewissen Grenzen zuverlässig bewerkstelligen kann. 

  3. Umgebungsfarben, ja selbst die Bekleidungsfarbe des Betrachters beeinflussen die Farbwirkung des Monitorbilds. Wer es genau nimmt, malt die Wände nicht in bunten Tönen an und trägt vor dem Monitor am besten graue oder schwarze Oberbekleidung. Kein Witz, sondern normale Farbphysiologie.

  4. Der Bildschirmhintergrund sollte ebenfalls neutral gehalten sein. Farbige Umgebungen führen bei der Bildbeurteilung zu falschen Eindrücken und können selbst den Eindruck einer neutralen Graufläche beeinträchtigen. Über die Systemsteuerung lässt sich der Bildschirmhintergrund austauschen.

  5. Wie oft muss kalibriert werden? Zunächst: Lassen sich am Monitor über Bedientasten oder OSD Änderungen vornehmen, ist eine Kalibration damit hinfällig. Eine Falle bieten auch Displays, die die Helligkeit automatisch dem Umgebungslicht anpassen. Diese Funktion gehört für eine ernsthafte Monitorkalibration deaktiviert. Ansonsten gilt: Röhrenmonitore zeigen mehr Alterungserscheinungen und Schwankungen als Flachbildschirme und sollten spätestens nach zwei Monaten nachkalibriert werden. Dabei sollte der Monitor bereits eine halbe Stunde in Betrieb gewesen sein. Flachbildschirme sind stabiler und brauchen unter gleich bleibenden Umgebungsbedingungen vielleicht viermal pro Jahr nachkalibriert werden.


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Zusammenfassung

Verlässliche Farben auf dem Monitor sollten eine Herzensangelegenheit eines jeden ambitionierten Digitalfotografen sein, will er seine Aufnahmen richtig beurteilen. Erst recht, wenn man anfängt, seine Bilder am PC zu bearbeiten, ist ein kalibrierter Monitor vonnöten. Sonst läuft man Gefahr, Farbfehler des Monitors anstatt die Bilddatei zu korrigieren. Teil 1 des Fototipps zum Thema "Monitorkalibration" bringt zunächst eine Einführung in das Thema und stellt die fünf Grundregeln vor, nach denen Röhren- und Plasma-Monitore kalibriert werden sollten.