Rubriken: Geotagging, Tipps zu einzelnen Kameras

Kamerafernbedienung mit der Canon Camera Connect App

2016-09-05 Früher gab es bei Canon zwei Apps zur Fernbedienung WLAN-fähiger Digitalkameras, nämlich "DSLR Controller" für die DSLRs und "CameraWindow" für die Kompaktkameras (siehe Fototipps in den weiterführenden Links). Mit der neuen App "Canon Camera Connect" vereinheitlicht der japanische Hersteller nun die Kamerafernbedienung via WLAN. Wir haben uns die App näher angesehen und zeigen, was für Möglichkeiten sie bietet und wo noch Entwicklungspotential besteht.  (Benjamin Kirchheim)

Die Canon Camera Connect App ist sowohl für Android als auch für iOS erhältlich und auf Tablets sowie Smartphones lauffähig, weshalb wir im Folgenden "Smartgerät" schreiben. Für diesen Fototipp haben wir die Android-App auf dem Samsung Galaxy Note 7 (mit Android 6.0.1) in Verbindung mit der Canon PowerShot G7 X Mark II verwendet, was einwandfrei funktionierte. Bis auf das fehlende NFC ist die Funktionsweise unter iOS grundsätzlich nahezu identisch. Allerdings handelt es sich tatsächlich um verschiedene Versionen, denn zumindest teilweise scheint sich der Funktionsumfang zu unterscheiden, worauf wir weiter unten noch kurz eingehen. NFC ist äußerst praktisch, da man durch das bloße Aneinanderhalten der Geräte eine Verbindung aufbauen kann und sich damit die manuelle Verbindung in den WLAN-Einstellungen und die Eingabe des Passworts sparen kann. Zuerst muss die App aus dem entsprechenden Store heruntergeladen werden, sie ist kostenlos. Hält man nun das NFC-Symbol der Kamera an den entsprechenden Empfangsteil des Smartgeräts, so startet die App und es müssen einmalig die Benutzungsbedingungen akzeptiert werden. Das NFC funktioniert bei neueren Canon-Kameras übrigens ohne vorherigen Einschalten der Kamera, diese wird automatisch aktiviert.

  • Die Canon Camera Connect App kann sich dank NFC automatisch mit der Kamera verbinden.

  • Der Übersichtsbildschirm der App Canon Camera Connect.

  • Canon Camera Connect kann die Standortinformationen mit Hilfe des Smartphones protokollieren, um sie anschließend an die Kamera zu übertragen, die diese Informationen wiederum in die EXIF-Daten der aufgenommenen Fotos speichert.

  • Die Bilder der Speicherkarte lassen sich mit der Canon Camera Connect App anzeigen, löschen und auf das Mobilgerät überspielen.

Bei jedem nun folgenden NFC-Scannen wird automatisch eine WLAN-Verbindung zwischen Kamera und Smartgerät hergestellt, und der Startbildschirm der App erscheint. Falls das Smartgerät kein NFC besitzt, kann die Verbindung auch manuell hergestellt werden. Dazu muss der WLAN-Knopf an der Kamera betätigt werden, woraufhin die Zugangsdaten auf dem Bildschirm erscheinen. Diese gibt man in den WLAN-Einstellungen des Smartgeräts ein. Das achtstellige Passwort besteht übrigens nur aus Ziffern, was die Eingabe vereinfacht. Die App bietet vier Grundfunktionen: Die auf der Kamera gespeicherten Bilder ansehen und löschen oder übertragen, die Aufnahmefunktion der Kamera fernbedienen, die Standortinformationen protokollieren, um sie auf die Kamera beziehungsweise in die Bilder zu übertragen (Geotagging, GPS) und die Kameraeinstellungen. Letzteres umfasst lediglich die Möglichkeit, Uhrzeit und Datum der Kamera mit dem Smartphone zu synchronisieren, was für das Geotagging wichtig ist. Dieses wird nämlich vom Smartgerät ohne Verbindung zur Kamera aufgezeichnet und erst übertragen, wenn man die entsprechende Funktion in der App aufruft. Dies schont vor allem den Kameraakku, da keine ständige WLAN-Verbindung erforderlich ist. Die Kamera trägt die Daten nach der Übertragung in die EXIF-Informationen der Fotos ein.

Aktiviert man die Kamerafernbedienung, so gibt die App zuerst einen Warnhinweis aus, dass das Objektiv ausgefahren wird. Sie empfiehlt eine feste Unterlage oder die Verwendung von einem "Dreifuß", eine etwas amüsante Übersetzung von "Stativ", das gerne auch "Dreibein" genannt wird. Dass das NFC-Modul an der von uns verwendeten PowerShot G7 X Mark II an der Kameraunterseite sitzt, erweist sich damit als nicht besonders vorteilhaft, denn ist die Kamera für Studioaufnahmen wie unserem Beispiel auf einem Stativ montiert, lässt sich die NFC-Funktion nicht mehr nutzen. Zum Glück ist die manuelle Verbindung fast ebenso schnell erledigt.

Das angezeigte Livebild ist übrigens relativ klein, ruckelig und deutlich zeitverzögert. Auch eine Vollbildansicht, die es nicht gibt, wäre nicht besonders nützlich, da selbst das kleine Livebild auf dem Display unseres Samsung Galaxy Note 7 nicht besonders scharf wirkte. Ob der Fokus auf dem richtigen Motivdetail sitzt, lässt sich damit leider nicht beurteilen. Weitere Einschränkungen betreffen die Aufnahmeprogramme und Einstellmöglichkeiten. Die App verwendet grundsätzlich nur die vier Kreativprogramme Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik und Manuell, wobei das Programm vor Aktivierung der WLAN-Verbindung an der Kamera eingestellt werden muss. Die Belichtungsparameter wie ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Blende und Belichtungszeit lassen sich je nach Modus mit der App steuern. Auch der Blitz kann, sofern ausgefahren, aktiviert werden. Wichtige Einstellungen wie der Weißabgleich oder der Selbstauslöser fehlen jedoch. Hat man also den falschen Weißabgleich eingestellt, so muss die Verbindung getrennt werden, um diesen an der Kamera im Aufnahmemodus zu korrigieren. Der Autofokuspunkt lässt sich übrigens per Touchscreen einstellen. Auch das Zoomen ist möglich, sofern das Objektiv einen Zoommotor besitzt.

  • Bei der ersten Verwendung der Kamerafernbedienung mittels Canon Camera Connect kommt der Hinweis, doch bitte ein "Dreifuß" (gemeint ist ein Stativ) zu verwenden, da das Ausfahren des Objektivs den Schwerpunkt der Kamera nach vorne verlagert.

  • Die Canon Camera Connect App bietet ein relativ kleines und unscharfes Livebild, das zudem eine recht starke Verzögerung besitzt. Neben der Programmautomatik stehen auch die Blendenautomatik, die Zeitautomatik sowie der manuelle Modus zur Verfügung..

  • Einige Aufnahmeparameter lassen sich mit der Canon Camera Connect App verstellen, etwa wie hier zu sehen die ISO-Empfindlichkeit. Auch das Zoom lässt sich bedienen, sofern es elektronisch arbeitet.

  • Die Belichtungskorrektur kann ebenfalls über die Canon Camera Connect App verstellt werden. Die links eingeblendeten Parameter muss man vor Aktivierung der Fernbedienung einstellen, etwa den Weißabgleich, denn über die App geht das leider nicht.

Wählt man den Menüpunkt "Bilder auf der Kamera", so zeigt die App den Bildindex, der auf der Speicherkarte der Kamera befindlichen Fotos an. Dies trifft auch auf Raw-Aufnahmen zu, die bei der Übertragung automatisch in ein JPEG konvertiert werden. Selbst Videoaufnahmen lassen sich übertragen, wobei diese allerdings heruntergerechnet und komprimiert werden. Die Indexbilder lassen sich vergrößern, auch Informationen sind einblendbar. Was bei uns unter Android ebenfalls klappte, war das Auswählen mehrerer Fotos, wobei allerdings alle zu übertragenden Fotos im Index einmal angetippt werden müssen. Kritiken an der App für iOS bemängeln hingegen, dass sich die Fotos nur einzeln übertragen lassen. Wer möchte, kann die Fotos nach dem Übertragen auch gleich auf der Speicherkarte der Kamera löschen. Doch Vorsicht, zumindest unsere G7 X Mark II erlaubte die Bildübertragung nur in der Auflösung "S2", was 2.400 x 1.600 Pixel, also lediglich 3,8 Megapixeln entspricht.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Die neue App "Canon Camera Connect" gibt es für iOS und Android. Mit dieser App lassen sich die neuesten WLAN-fähigen Digitalkameras von Canon vom Smartphone oder Tablet aus fernbedienen, egal ob es sich um eine DSLR oder Kompaktkamera handelt. Dank NFC lässt sich die Verbindung einfach herstellen, aber auch manuell ist es dank achtstelligen Zahlen-Passworts kein Problem. Die App erlaubt eine Kamerafernsteuerung, eine Positionsprotokollierung und natürlich die Übertragung der Aufnahmen auf das Mobilgerät.