Rubrik: Bildbearbeitung

Der Pfad in der Bildbearbeitung, das fast unbekannte Wesen

2010-09-27 Liest man sich durch Bearbeitungsforen, so stolpert man unweigerlich über den Begriff "Pfad". Doch was ist ein Pfad genau? Warum wird er eher mit professionellen Anwendungen genannt, wenn doch auch Programme wie GIMP und Photoshop Elements 8 Pfade erstellen können, und nicht nur der Primus Adobe Photoshop. Was ist der Vorteil gegenüber dem Lasso- oder Zauberstabwerkzeug in einem Bildbearbeitungsprogramm?  (Harm-Diercks Gronewold)

Auswahl mit dem magnetischen Lasso in Adobe Photoshop [Foto: MediaNord]Der Pfad ist das wohl universellste Markierungswerkzeug, welches es in der Bildbearbeitung gibt. Viele Werkzeuge wie das "magnetische Lasso" oder der "Zauberstab" basieren auf Pixelinformationen. Der Computer versucht zu ermitteln, welches Element der Nutzer markiert haben möchte. Sind genügend Kontraste vorhanden, dann funktioniert das auch relativ gut. Doch optimale Ergebnisse kann man nicht immer voraussetzen, und so muss auch auf Probleme optimal reagiert werden können. Schaut man sich beispielsweise die Linie eines magnetischen Lassos an einer gewünschten Kante an, so ist diese "holperig" und nicht schön glatt (siehe Bild links). Das Pfadwerkzeug passt sich, dank der "Anfasser", optimal der Kontur des Objekts an und erzeugt keine "holperigen" Teile in der Auswahl (siehe Bild unten rechts). Ist eine solche Auswahl fertiggestellt, kann der Pfad dank seiner mathematischen Grundlage besser verkleinert, vergrößert oder transformiert werden. Eine Pixelauswahl bzw. eine Maske aus einer pixelbasierten Auswahl kann nur schwerlich nachträglich angepasst oder gar verändert werden. Experten werden nun sagen, dass man aus einer pixelbasierten Auswahl auch einen Pfad erstellen kann, und diese Aussage ist auch korrekt. Schaut man sich diesen Pfad allerdings genauer an, dann wird man feststellen, das die Qualität eher bescheiden ist und das viel zu viele "Ankerpunkte" erzeugt wurden. Ein einfaches und schnelles Transformieren ist mit so etwas selten möglich.

Auswahl mit dem Pfadwerkzeug in Adobe Photoshop [Foto: MediaNord]Besonders gut lässt sich der Pfad bei geringen Kontrasten und gleichmäßigen Objektkanten einsetzen, doch auch Porträts können zum Teil mit einem Pfad ausgewählt werden. Ist ein solcher Pfad erstellt, bleiben dem Bildbearbeiter verschiedene Möglichkeiten. Die erste ist, den Pfad in der "Pfad-Palette" mit einem eindeutigen Namen zu versehen. Dann kann er aus dem Pfad entweder eine Auswahl erstellen oder ihn als Alpha-Kanal speichern, falls diese Auswahl des öfteren benutzt werden soll. Nachteile des Pfades sollen nicht verschweigen werden. So ist der Pfad bspw. ungeeignet, einen Lockenkopf freizustellen, wenn z. B. der Hintergrund geändert werden soll. Hier muss sich das Pfadwerkzeug genauso geschlagen geben wie das Lasso oder der Zauberstab.

Adobe Photoshop Pfadeinstellungen [Foto: MediaNord]

 

Doch wie wird der Pfad z. B. mit Photoshop CS4 erstellt? Zuerst klickt auf das Pfadwerkzeug und überprüft die Grundeinstellung des Werkzeugs in der Statusleiste. Hier ist sicherzustellen, dass die Einstellung für einen einschließenden Pfad, wie auf dem Screenshot oben zu sehen ist, eingestellt wird. Dann sucht man sich einen Anfangspunkt. Wo dieser liegt ist nicht wichtig, er sollte aber leicht innerhalb des zu markierenden Objektes sein. Nun ist der Anfang getan und der zweite Punkt muss gesetzt werden. Liegt dieser auf einer geraden Linie mit dem ersten Punkt, dann gibt es keine Probleme. Ist nun eine Kurve zu bepfaden, muss die Maustaste gedrückt gehalten und der Zeiger verschoben werden. "Zieht" man den Zeiger so in eine bestimmte Richtung, verändert sich der Pfad. Die Symmetrie der Kurve ist Abhängig von der Position des Anfassers und seiner Länge. Hier liegt die Herausforderung des Pfades, denn das gedrückt halten und ziehen muss erlernt werden. Ist die Kurve dann passend, muss man die Maustaste loslassen, und fertig ist der erste Ankerpunkt des Pfades. Schaut man sich diesen genau an, dann stellt man fest, dass es eigentlich zwei "Anfasser" geworden sind. Der obere Anfasser steht üblicherweise parallel zum anderen. Mit dem Gedanken "Klicken-halten-ziehen" markiert man das gesamte Objekt.

Nun kann es passieren, das z. B. eine Kurve auf einen Winkel trifft. Dann ist die symmetrische Anordnung der "Anfasser" hinderlich. Doch hierzu kann man sich schnell und unkompliziert mit dem "Direktauswahl-Werkzeug" (ein kleiner weißer Pfeil) helfen. Dieses ist unter dem Textwerkzeug zu finden. Mit diesem Werkzeug kann man jeden Punkt im Pfad auswählen und jeden Anfasser symmetrisch zu beiden Seiten verändern. Soll nur eine Seite verändert werden, so wird einfach auf das entsprechende Pfad-Teilstück geklickt, und dann kann man dort die entsprechenden "Anfasser" verändern. Danach sollte man dem Pfad einen entsprechenden Namen geben. Eine Auswahl aus einem solchen Pfad zu erstellen, ist durch einen simplen Klick in der Pfadpalette auf die "Pfad als Auswahl laden" möglich und schon ist die Auswahl als typisch gestrichelte Linie zu erkennen.

Das sind auch schon die Pfadgrundlagen, die sich zwar kompliziert anhören, es aber nach einiger Übung nicht mehr sind. Wie man nun Bereiche von erstellten Pfaden wieder entfernt, z. B. zur Aussparung im Objekt, wird in einem späteren Fototipp erklärt.


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Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.

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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Der Pfad ist das wohl universellste Markierungswerkzeug in der Bildbearbeitung. Viele Werkzeuge wie das "magnetische Lasso" oder der "Zauberstab" basieren auf Pixelinformationen, der Pfad jedoch basiert auf Koordinaten, Winkeln und Bezierkurven. Anstelle das der Computer Pixelinformationen interpretieren muss, sagt der Benutzer dem Computer per Pfad einfach wo später etwas markiert werden soll. Durch diese Genauigkeit ist späteres Skalieren und Weiterverarbeiten des Pfades problemlos und qualitativ sicher.