Rubrik: Bildbearbeitung

Das runderneuerte Freistellungswerkzeug

2012-06-04 Am Freistellungswerkzeug tat sich 20 Jahre lang wenig, nun aber änderte und verbesserte Adobe die Funktion massiv. Langjährige Photoshopper könnten sich mit der Umstellung schwertun, doch das neue Verfahren bringt eindeutig Zeitgewinn und mehr Übersicht. Wer sich indes gar nicht umstellen mag, wechselt in den Optionen zum "Classic-Modus" – dann ist alles wie bisher. Wir besprechen die wichtigsten Änderungen.  (Heico Neumeyer)

Das Freistellungswerkzeug erhielt in Version CS6 interessante Optionen. [Foto: Heico Neumeyer]Sobald das Freistellungswerkzeug aktiviert ist, liegt auch schon ein Freistellrahmen um das Gesamtbild – diesen Service gab es bisher nicht. Will man jedoch nur einen kleinen Bereich ausschneiden, muss man den Freistellrahmen nicht vom Bildrand nach innen ziehen. Somit fängt man einfach wie üblich mit einem völlig neuen Rahmen in der Bildmitte an.

Besteht schon eine Auswahl und schaltet man dann zum Freistellungswerkzeug, legt sich der Freistellrahmen sofort um die Auswahl. So schneidet man gezielt um eine Auswahl herum zu und korrigiert vielleicht noch an ein oder zwei Seiten. Einige wichtige Freistelloptionen standen bislang nicht zur Verfügung, nachdem der Freistellrahmen aufgezogen wurde – nun jedoch ändert man Größe, Auflösung oder Seitenverhältnis auch dann, wenn die Freistellauswahl schon existiert. Wichtiger noch: Das Freistellungswerkzeug in Photoshop CS6 zeigt neu entstehenden leeren Bildrand sofort an. [Foto: Heico Neumeyer]Bisher bewegte man den Freistellungsrahmen über dem Foto. In Photoshop CS6 verschiebt man das Foto unter dem Freistellungsrahmen. Wer eine bestimmte Bildseite kappen will, zieht im Vergleich zu früher genau in die andere Richtung. Lightroom-Nutzer sind mit dem Verfahren schon vertraut.

Seitenverhältnisse lassen sich deutlich leichter als bisher vorgeben. Die Felder für Breite und Höhe nehmen reine Seitenverhältnisse wie 4:3 auf, man muss nicht mehr behelfsweise "4 cm" mal "3 cm" eintippen. Das weit ausgebaute Kontextmenü bietet ebenfalls verschiedene feste Seitenverhältnisse an. Neu auch: Während der Freistellungsrahmen schon im Bild sitzt, wechselt man immer noch zwischen Hoch- und Querformat; dazu tippt man einfach die Taste "X" oder zieht an einem Eckanfasser in die gewünschte Richtung. Rechnet man mit dem Freistellungswerkzeug jedoch die Pixelzahl des Bildes um, dann wählt Photoshop CS6 automatisch das ideale Interpolationsverfahren, man muss es nicht erst in den Voreinstellungen definieren.

Schon in der letzten Version legte Photoshop wahlweise Hilfslinien über den Freistellungsrahmen, zum Beispiel nach der Drittelregel. Nun kann man neue Schemata wie "Dreieck" oder "Goldene Spirale" als Orientierung einblenden und mit der Taste "o" bequem durchspielen. Wahlweise erscheinen diese Linien nur, solange man ins Bild klickt – verlässt der Finger die Maustaste, beurteilt man Schiefer Horizont lässt sich leichter gerade ausrichten und zuschneiden. [Foto: Heico Neumeyer]das Foto ohne die Hilfslinien.

Wie üblich deckt Photoshop den wegzuschneidenden Außenbereich mit einer Farbe und Deckkraft nach Wahl ab. Neu hier: Klickt man in den verdeckten Außenbereich, um die Deckfarbe deutlich zu schwächen; so erkennt man die zu kappenden Bildstreifen deutlicher, ohne erst wie früher die Deckfarbe mit Umschalt+7 abzuschalten. Vollständig verbergen kann man den Außenrand jetzt mit dem "H": Man sieht das Foto so wie nach dem Abschneiden.

Bequemer als je zuvor korrigiert Photoshop CS6 schiefen Horizont – alle bisherigen Verfahren haben sich erledigt. Einfach in den Freistellungsoptionen auf das Werkzeug "Bild gerade ausrichten" klicken und am Horizont entlang ziehen. Photoshop zeigt sofort ein gedrehtes Bild und nicht, wie bisher, einen gedrehten Rahmen. Man erkennt zudem die entstehenden leeren Ecken, die man wahlweise abtrennen oder beibehalten und anschließend retuschieren kann.

Das neue Perspektivische Freistellungswerkzeug korrigiert stürzende Linien und schiefen Horizont präziser als bisher. [Foto: Heico Neumeyer]Das frühere Freistellungswerkzeug konnte auch gestürzte Linien und andere Perspektivprobleme ausgleichen. Dieses Talent lagerten die Programmierer auf das separate Perspektivische Freistellungswerkzeug aus. Statt sofort eine Viereck-Auswahl aufzuziehen, klickt man die vier Eckpunkte nun wahlweise einzeln ins Bild, zum Beispiel entlang von Hochhaus-Umrissen; für solche Verbesserungen eignen sich freilich auch die "Objektivkorrektur" oder der RAW-Dialog.

Schon immer behielt das Freistellungswerkzeug mit der Option "Ausblenden" abgeschnittenen Bildrand versteckt bei. Dann freilich muss man in einem ebenen-tauglichen Dateiformat wie TIFF oder PSD sichern, JPEG scheidet aus. Wer den Bildrand auf diese Weise nur verstecken, aber nicht endgültig wegsäbeln möchte, verzichtet in CS6 auf die Option "Außerhalb liegende Pixel löschen". Zugegeben, die neuen Funktionen brauchen etwas Umstellungszeit. Danach lässt es sich mit dem Freistellungswerkzeug aber schneller als bisher arbeiten.


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Autor

Heico Neumeyer

Heico Neumeyerschreibt Testberichte und Praxistipps für PC- und Fotozeitschriften und gibt Schulungen. Er ist auf digitale Bildbearbeitung und Fotografie spezialisiert. Sein Photoshop-Kompendium im Verlag Markt+Technik gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Neumeyer studierte Deutsch, Pädagogik und Politik in Berlin und Köln und war Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Er ist bekannt für praxisnahe, gut lesbare Texte und maßgeschneiderte Schulungen. Er lebt in Oberbayern.

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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Dass das Freistellwerkzeug in Photoshop zu mehr als nur zum Beschneiden von Bildern zu gebrauchen ist, ist kein Geheimnis. Dass Adobe jedoch immer noch Funktionen zum Implementieren findet, ist allerdings überraschend. In diesem Fototipp zeigt Autor Heico Neumeyer was sich genau geändert hat und wie man diese Funktionen einsetzen kann.