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Spiegellose Systemkamera der Mittelklasse


Testbericht: Panasonic Lumix DMC-G81


2016-10-26Die Panasonic Lumix DMC-G81 verspricht eine reichhaltige Ausstattung im robusten, spritzwassergeschützten Gehäuse zu einem mit unter 1.000 Euro guten Preis. Sie ist das neue Flaggschiff der G-Serie und bringt als solches erstmals einen 5-Achsen-Bildstabilisator mittels beweglich gelagertem Bildaufnahmesensor mit, der bisher der GX-Serie vorbehalten war. Mit 16 Megapixeln ist der Sensor auflösungstechnisch nicht der letzte Schrei, verspricht aber dennoch "genug" Auflösung und dafür eine gute Performance auch bei schwächerem Licht. Im Test fühlen wir der G81 genau auf den Zahn.  (Benjamin Kirchheim)

Steckbrief
HerstellerPanasonic
ModellLumix DMC-G81
SensorCMOS 4/3" 17,3 x 13,0 mm (Cropfaktor 2,0)
16,8 Megapixel (physikalisch)
16,0 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,7 µm
Auflösung (max.)4.592 x 3.448 (4:3)
Video (max.)3.840 x 2.160 30p
ObjektivPanasonic Lumix G Vario 12-60 mm 3.5-5.6 Asph. Power OIS (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.360.000 Bildpunkte Auflösung, 1,48-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,74-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 4,0 dpt)
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme25
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionja, Schwenkpanorama
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (1.728 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/160 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Olympus/Panasonic (auch Leica-Kompaktkamera), Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
Empfindlichkeit
  automatischISO 200-25.600
  manuellISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder49 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,14 s bis 0,15 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen128 x 89 x 74 mm
Gewicht (betriebsbereit)505 g (nur Gehäuse)
715 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit330 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Robustes, spritzwassergeschütztes Gehäuse
  • Flexibel beweglicher Touchscreen mit AF-Touchpad-Funktion
  • Sensor-Shift-Bildstabilisator funktioniert mit jedem Objektiv
  • Sehr schneller Autofokus
  • Gute Bildqualität selbst bei hohen ISO-Empfindlichkeiten
  • Keine USB-Ladefunktion
  • 12-60mm-Setobjektiv mit nicht allzu guter Qualität
  • Klappernder Speicherkartenfachverschluss

Ergonomie und Verarbeitung

Die Panasonic Lumix DMC-G81 besitzt das klassische Aussehen einer DSLR, nur dass sie klassenbezogen etwas kompakter, aber mit einen guten halben Kilo nicht unbedingt viel leichter ausfällt. Mit 128 mal 89 mal 74 Millimeter kommt sie etwa auf die Abmessungen einer besonders kompakten Einsteiger-DSLR, bringt aber die Ausstattung einer Mittelklasse-DSLR mit. Das Gehäuse besteht zum Teil aus hochwertigem Kunststoff, bei der Kamerafront und der Bodenplatte kommt sogar eine Leichtmetalllegierung zum Einsatz. Das Gehäuse ist zudem gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Wie praktisch, dass auch das neue Setobjektiv 12-60 mm, das knapp über 200 Gramm wiegt, über einen solchen "Umweltschutz" verfügt und obendrein mit 24 bis 120 Millimeter entsprechend Kleinbild einen größeren Zoombereich mit mehr Weitwinkel und mehr Telebrennweite als die Konkurrenz mitbringt.

Bild Das aus Kunststoff und Leichtmetall gefertigte Gehäuse der Panasonic Lumix DMC-G81 ist wie das 12-60mm-Setobjektiv gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet. [Foto: MediaNord]

Das aus Kunststoff und Leichtmetall gefertigte Gehäuse der Panasonic Lumix DMC-G81 ist wie das 12-60mm-Setobjektiv gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet. [Foto: MediaNord]

Bild Der 7,5 Zentimeter große Touchscreen der Panasonic Lumix DMC-G81 lässt sich seitlich schwenken sowie drehen, der OLED-Sucher bietet eine 0,74-fache Vergrößerung auf Kleinbildniveau. [Foto: MediaNord]

Der 7,5 Zentimeter große Touchscreen der Panasonic Lumix DMC-G81 lässt sich seitlich schwenken sowie drehen, der OLED-Sucher bietet eine 0,74-fache Vergrößerung auf Kleinbildniveau. [Foto: MediaNord]

Das auf der Unterseite befindliche Akkufach besitzt ebenfalls Dichtungen. Die Speicherkarte ist erstmals seit der G1 nicht mehr in diesem Fach untergebracht, sondern hat seitlich eine separate Klappe. Insbesondere wer gerne mit dem Stativ fotografiert beziehungsweise eine Wechselplatte verwendet, wird das zu schätzen wissen. Das Speicherkartenfach ist allerdings die Achillesferse der G81. Hier fehlt nicht nur die Gummidichtung, im geschlossenen Zustand klappert die Klappe, wenn man mit dem Finger dran tippt. Das ist der sonst sehr gut verarbeiteten G81 definitiv nicht würdig.

Die Lumix G81 verfügt über einen ausreichend großen Handgriff, um angenehm in der Hand zu liegen. Die beiden Bedienräder, der Auslöser, das Programmwählrad, der Einschalthebel und die meisten Tasten lassen sich bequem mit der rechten Hand bedienen. Großzügige Belederungen aus genarbtem Gummi sorgen zusätzlich für ein bisschen Hochwertigkeit. An der linken Gehäuseseite sind zwei großflächige Gummiklappen zu finden, hinter denen sich jeweils zwei Schnittstellen verbergen. Hinter der vorderen sind die Anschlüsse für ein externes Stereomikrofon (3,5 mm Klinke) und einen Kabelfernauslöser (2,5 mm Klinke) zu finden, hinter der hinteren befinden sich die Micro-HDMI-Buchse sowie der Micro-USB-Anschluss. Leider lässt sich der Kameraakku darüber unterwegs nicht nachladen; das Potential sieht Panasonic in dieser Klasse leider noch nicht (die kleineren Panasonic-Kameras haben das). Dafür befindet sich selbstverständlich eine Ladeschale im Lieferumfang, mit deren Hilfe der für ca. 330 Aufnahmen reichende Lithium-Ionen-Akku extern geladen wird.

Mit Hilfe des optional erhältlichen Multifunktionsgriff kann man der G81 übrigens zu doppelter Akkulaufzeit und verbesserter Ergonomie gleichermaßen verhelfen. Mit dem Griff passt auch der kleine Finger an den Handgriff. Der Multifunktiongriff bringt zudem die wichtigsten Bedienelemente wie den Auslöser und die Einstellräder mit. Wie die Kamera selbst ist er ebenfalls gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Der Griff fällt mit 290 Gramm, wovon 50 Gramm dem Akku zuzuschreiben sind, erstaunlich schwer aus. Vermutlich setzt Panasonic Gewichte für eine bessere Balance ein. Und hätte es besser gefallen, wenn zwei herausnehmbare Akkus verbaut wären oder Panasonic den Griff gar mit (fest verbauten) Akkus vollgestopft hätte, das ergäbe dann Laufzeiten weit jenseits der 1.000 Aufnahmen. Spätestens mit dem angesetzten Griff wird übrigens klar, warum der Speicherkartenschacht nicht im Akkufach sitzt.

Auf der Rückseite verfügt die Panasonic über den obligatorischen Schwenk- und drehbaren Touchscreen, der auch bei Verwendung des Suchers als AF-Feld-Touchpad benutzt werden kann. Mit einer Diagonalen von 7,5 Zentimetern und einer Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten bietet er die üblichen technischen Eckdaten. Der Bildschirm liefert ein helles, farbenfrohes und nahezu verzögerungsfreies Bild, ohne sich aber aus der Masse hervorzuheben. Der elektronische Sucher verfügt über einen Näherungssensor, der sich nun oberhalb des Okulars befindet. Eine gute Position, denn dadurch schaltet der Sucher nicht so leicht versehentlich um, wenn man den Touchscreen bedienen möchte, wie bei einer Positionierung unterhalb des elektronischen Suchers. Mit einer Auflösung von 2,36 Millionen Bildpunkten sowie einer im Vergleich zum Kleinbild 0,74-fachen Vergrößerung fällt der OLED-Sucher komfortabel aus. Brillenträger jedoch können die Ränder nicht einwandfrei einsehen. Zum Glück verfügt der Sucher über einen großzügigen Dioptrienausgleich. Neben der Livevorschau ist das Praktische an einem solchen Sucher beispielsweise, dass man ihn auch zur Bildwiedergabe nutzen kann. Insbesondere in hellen Umgebungen, in denen der rückwärtige Bildschirm an seine Grenzen stößt, ist das ein nicht zu verachtender Vorteil.

Zur Bedienung bietet die G81 viele Direkttasten, die teilweise frei belegbar sind. Sogar auf dem Bildschirm hat Panasonic Individualtouchflächen vorgesehen. Das Schnellmenü wird angesichts dessen fast überflüssig. Die Lumix ist allerdings auch mit vielen, teilweise sehr speziellen Funktionen vollgestopft, so dass die Menüs sehr lang ausfallen. Die fünf Menühauptkategorien besitzen bis zu neun Unterseiten, so ist es nicht immer einfach, eine gewünschte Einstellung tatsächlich zu finden. Ein Favoritenmenü fehlt leider.

Bild Gleich vier Drehräder erlauben bei der Panasonic Lumix DMC-G81 zahlreiche Einstellungen. [Foto: MediaNord]

Gleich vier Drehräder erlauben bei der Panasonic Lumix DMC-G81 zahlreiche Einstellungen. [Foto: MediaNord]

Bild Das Setobjektiv bietet mit 12-60 mm einen größeren Zoombereich als sonst übliche Setobjektive. Der Fotograf profitiert damit sowohl von mehr Weitwinkel-, als auch mehr Telebrennweite. [Foto: MediaNord]

Das Setobjektiv bietet mit 12-60 mm einen größeren Zoombereich als sonst übliche Setobjektive. Der Fotograf profitiert damit sowohl von mehr Weitwinkel-, als auch mehr Telebrennweite. [Foto: MediaNord]

Ausstattung

Die Panasonic Lumix DMC-G81 bietet praktisch alles, was man braucht – und vieles, von dem man bisher gar nicht wusste, dass man es brauchen könnte. Vor den vielen Funktionen muss man sich aber keineswegs fürchten. Man kann das Programmwählrad einfach auf den "Eselmodus" iA stellen und schon übernimmt die Lumix alle Einstellungen selbstständig. Sie analysiert das Motiv, die Lichtbedingungen, die Bewegungen von Motiv und Fotograf und stimmt alle Aufnahmeparameter genau ab. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer sich traut, wählt statt der Vollautomatik ein Motivprogramm selbst aus, hier verbergen sich auch einige kreative Effekte sowie der Schwenkpanoramamodus, der gerne höher auflösen dürfte (nur 1.920 Pixel vertikal). Immerhin arbeitet dieser mit der Serienbildfunktion und mechanischem Verschluss, auch das Stitching klappt selbst bei schwierigen Motiven gut.

Experten und Experimentierfreudigen stehen in den Kreativprogrammen P, A, S und M alle Möglichkeiten offen, um halbautomatisch oder manuell zu fotografieren. Zahlreiche Aufnahmereihen-Funktionen variieren auf Wunsch verschiedene Aufnahmeparameter wie den Fokus, die Blende, den Weißabgleich und natürlich die Belichtung. Bis zu sieben Aufnahmen mit einem Belichtungsunterschied von jeweils bis zu 1 EV bieten genügend Spielraum und eignen sich auch bestens für HDR-Aufnahmen. Wer dies ohne Computersoftware erledigen möchte, greift auf den eingebauten HDR-Modus zurück, der drei Bilder mit einem jeweiligen Belichtungsunterschied von bis zu drei Blendenstufen aufnehmen und automatisch zusammensetzen kann. Ob man den HDR-Bereich selbst wählen möchte oder dies der Automatik überlässt, ist einerlei. Auch eine Ausrichtung der Aufnahmen, falls man nicht mit einem Stativ arbeitet, bietet die Panasonic G81.

Einen echten Mehrwert stellt der Sensor-Shift-Bildstabilisator dar. Gemessen werden die Kippbewegungen der Kamera in der Horizontalen und Vertikalen, die Verschiebungen in der Horizontalen und Vertikalen, was insbesondere bei geringen Aufnahmedistanzen wichtig ist sowie die Rollbewegungen, was insbesondere bei längeren Belichtungszeiten zum Tragen kommt. Der beweglich gelagerte Sensor gleich alle fünf Arten der Verwackelung aus. Dabei ist ein leises Rauschen wahrnehmbar, das man von ähnlichen Systemen anderer Hersteller kennt. Auch dass der Bildsensor bei ausgeschalteter Kamera im Gehäuse klappert, braucht einen nicht zu beunruhigen. Da ein Sensor-Shift-Stabilisator bei sehr langen Telebrennweiten buchstäblich an seine Grenzen stößt, kann die G81 den Objektiv- mit dem Kamerabildstabilisator kombinieren (Dual-IS) und erreicht dadurch eine noch höhere Effektivität bei stärkeren Verwackelungen. Allerdings muss das Objektiv diesen Modus unterstützen. Bei 12-60mm Setobjektiv ist das der Fall.

Die Serienbildfunktion kann sich ebenfalls sehen lassen. Neun Serienbilder pro Sekunde verspricht Panasonic. Wir konnten sogar 9,6 Bilder pro Sekunde für 180 Aufnahmen in Folge messen, wenn JPEG als Dateiformat gewählt wurde. Mit Raw waren es allerdings nur noch 7,4 Bilder pro Sekunde für lediglich 18 Aufnahmen in Folge. Bei dieser Geschwindigkeit kann die G81 trotz den rasanten DFD-Autofokus die Schärfe jedoch nicht nachführen. Erst wenn man auf sechs Bilder pro Sekunde herunterschaltet, verfolgt der Autofokus sein Motiv. Im Einzelautofokusmodus dauert es übrigens lediglich 0,15 Sekunden vom Drücken des Auslösers bis zur eigentlichen Aufnahme. Davon gehen 0,09 Sekunde auf die Kappe des Autofokus und 0,06 Sekunde beansprucht die G81 auch ohne Fokussierung zum Auslösen. Mit dieser Geschwindigkeit kann keine DSLR mehr konkurrieren. Für die manuelle Fokussierung stehen Hilfen wie eine Fokuslupe sowie Fokuspeaking zur Verfügung.

Wenn sechs beziehungsweise neun Serienbilder pro Sekunde nicht reichen, um den richtigen Moment einzufangen, kann man auf den 4K-Foto-Modus zurückgreifen. Hier werden mit einer Einzelbildauflösung von immerhin 8,3 Megapixeln (mit wählbarem Seitenverhältnis, also nicht nur in 16:9) schnelle 30 Serienbilder pro Sekunde inklusive Autofokusnachführung als Video aufgenommen. Anschließend kann der Fotograf in Ruhe das richtige Einzelbild aus der Videodatei extrahieren. Statt die Schärfe nachzuführen, kann diese zudem den gesamten Bereich des Motivs durchlaufen, der Fotograf wählt einfach nach der Aufnahme (Post-Focus) das für ihn passend scharfe Bild aus. Neu ist die Möglichkeit des Focus-Stackings, hierbei wird durch Verrechnung der Einzelaufnahmen ein auswählbarer Bereich oder aber das gesamte Bild scharf gespeichert.

Bild Erstmals in der G-Serie kommt bei der Panasonic Lumix DMC-G81 ein beweglich gelagerter Bildsensor zur Bildstabilisierung auf gleich fünf Achsen zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

Erstmals in der G-Serie kommt bei der Panasonic Lumix DMC-G81 ein beweglich gelagerter Bildsensor zur Bildstabilisierung auf gleich fünf Achsen zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

Bild Das Metallstativgewinde der Panasonic Lumix DMC-G81 sitzt etwas weit vorne, aber dafür in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

Das Metallstativgewinde der Panasonic Lumix DMC-G81 sitzt etwas weit vorne, aber dafür in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

Der integrierte Blitz der Lumix G81 klappt mechanisch nach oben und kann nicht automatisch von der Kamera entriegelt werden. Einmal aufgeklappt bietet er alle Funktionen, die man sich nur wünschen kann. Automatische Belichtung, Langzeitsynchronisation, Blitzen am Ende der Belichtung, Blitzbelichtungskorrektur, manuelle Blitzleistungseinstellung ohne Messvorblitz sowie eine Drahtlossteuerfunktion für drei Gruppen auf vier Kanälen. Mit 1/160 Sekunde bietet die Panasonic nicht gerade die schnellste Blitzsynchronzeit. Mit aufgestecktem Systemblitz oder aber per Drahtlos-TTL ausgelöstem Systemblitz beherrscht die Lumix aber auch eine Highspeeds-Snchronisation. Mit einer gemessenen Blitzleitzahl von 6,4 bei ISO 100 ist der interne Blitz zwar nicht allzu leistungsstark, durch die Basis-ISO-Empfindlichkeit von 200 vergrößert sich aber die Reichweite durch die dann äquivalente Leitzahl von 9,1.

Auch mit den Videofunktionen geizt Panasonic bei der G81 nicht. Sie nimmt Filme maximal in 4K-Auflösung mit wahlweise 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde auf. Vorbei sind erfreulicherweise die Zeiten, in denen die Bildfrequenzauswahl bei den PAL- und NTSC-Modellen von Panasonic ab Werk unterschiedlich war. In Full-HD sind bis zu 60 Bilder pro Sekunde möglich. Die maximale Qualität liegt bei 100 Mbit/s. Gespeichert wird wahlweise als MP4 mit H.264-Kompression oder in AVCHD, was jedoch nur in Full-HD möglich ist. Die Lumix führt den Autofokus beim Videodreh genauso wie die Belichtung nach, auch der Bildstabilisator bleibt aktiv. Der Ton gelangt via integriertem oder extern angeschlossenem Stereomikrofon ins Video. Wer möchte, kann außerdem manuelle Einstellungen für den Videodreh vornehmen, wozu das Programmwählrad entsprechend eingestellt werden muss. Dank der dedizierten Videoaufnahmetaste auf der Kameraoberseite kann jedoch auch in jedem Modus spontan ein Video aufgezeichnet werden.

Im Wiedergabemodus können Videos in zwei separate Teile zerschnitten werden, mehr Möglichkeiten bieten sich aber für Fotos. Neben der Anzeige von allerlei Informationen bis hin zum Histogramm und einer Überbelichtungsanzeige können Fotos und Videos auch als Diashow inklusive Musik und Übergangseffekten wiedergegeben werden. Bearbeitungsfunktionen erlauben etwa den Beschnitt oder das Verkleinern von Fotos. Wer in Raw aufgenommen hat, kann zudem seine Fotos direkt in der Kamera inklusive vielen Einstellmöglichkeiten zu einem JPEG entwickeln. Für die Drahtloskommunikation steht WLAN zur Verfügung, die Verbindungseinstellung erfolgt manuell oder mittels eines Scans des auf dem Kamerabildschirm eingeblendeten QR-Codes. Mit Hilfe der entsprechenden App für Android und iOS lassen sich Fotos drahtlos an Tablets und Smartphones übertragen, aber auch eine Fernsteuerung der Kamera inklusive Livebildübertragung und der Einstellung vieler Parameter ist möglich. Details sind in unserem Fototipp in den weiterführenden Links zu finden.

Bildqualität

Die Panasonic Lumix DMC-G81 hat also eine ganze Menge zu bieten, wobei man die Makel mit der Lupe suchen muss. Doch die ausgereifte Technik nützt nur etwas, wenn das Endergebnis, das Foto, eine ansprechende Qualität aufweist, die dem Preis würdig ist. Um das herauszufinden, haben wir nicht nur mit der G81 fotografiert, sondern sie auch einer Messung in unserem Testlabor unterzogen. Wer die detaillierten Diagramme sehen möchte, auf denen die folgenden Betrachtungen beruhen, kann den gesamten Labortest für 1,40 Euro im Einzelabruf erwerben oder per Prepaid-Flatrate ab umgerechnet 2,08 Euro pro Monat Zugriff auf das gesamte Labortestarchiv mit über 1.600 Labortests erlangen (siehe weiterführende Links). Hier kann man sich beispielsweise über die Bildqualität der vielen zur G81 kompatiblen Objektive informieren. Wir haben so gut wie alle kompatiblen Micro-Four-Thirds-Objektive von Olympus und Panasonic in unserem Testarchiv. Wer die Arbeit an unseren kostenlosen Tests wie diesem hier unterstützen möchte, kann dies übrigens über den Kauf eines Labortests realisieren. Wir würden uns sehr darüber freuen.

Das Panasonic Lumix G 12-60 mm F3.5-5.6 OIS kostet zwar knapp 450 Euro beim Einzelkauf, es wird jedoch für lediglich 100 Euro Aufpreis zusammen mit der G81 für dann zusammen knapp unter 1.000 Euro angeboten. Die Auflösung im Bildzentrum kann sich mit einem Maximum von knapp 48 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) zwar durchaus sehen lassen, die Randauflösung lässt jedoch vor allem im Weitwinkel, wo gerade einmal 30 lp/mm erreicht werden, zu wünschen übrig. Etwas gezoomt löst der Bildrand etwas besser auf. Farbsäume sind zum Glück gering und auch die Randabdunklung ist größtenteils kaum der Rede wert. Allenfalls im Weitwinkel bei Offenblende werden die Bildränder in den Ecken etwas dunkler, was durch den steilen Helligkeitsabfall auch durchaus ins Auge fällt. Die (bei Micro Four Thirds digital korrigierte) Verzeichnung ist gering, im Weitwinkel fällt sie noch am ehesten ins Auge, ist mit weniger als 1,5 Prozent Tonnenform aber nicht wirklich störend. Zwar sind 450 Euro wahrlich zu viel für die gebotene Leistung, für 100 Euro sollte man das Objektiv aber unbedingt mitnehmen, bietet es doch eine gute Allroundbrennweite mit gutem Weitwinkel und ein wenig Tele.

Bild Die SD-Speicherkarte wird bei der Panasonic Lumix DMC-G81 seitlich entnommen. Unschön: Der Deckel des Fachs klappert beim Drauftippen, außerdem fehlt hier die Dichtlippe. [Foto: MediaNord]

Die SD-Speicherkarte wird bei der Panasonic Lumix DMC-G81 seitlich entnommen. Unschön: Der Deckel des Fachs klappert beim Drauftippen, außerdem fehlt hier die Dichtlippe. [Foto: MediaNord]

Bild Auf der linken Gehäuseseite bietet die Panasonic Lumix DMC-G81 vier Schnittstellen: Kabelfernauslöser, Stereomikrofon, Micro-HDMI und Micro-USB. [Foto: MediaNord]

Auf der linken Gehäuseseite bietet die Panasonic Lumix DMC-G81 vier Schnittstellen: Kabelfernauslöser, Stereomikrofon, Micro-HDMI und Micro-USB. [Foto: MediaNord]

Die Bildqualität der Kamera selbst steht und fällt mit dem Bildsensor und seinem Verhalten bei verschiedenen ISO-Empfindlichkeiten. Von ISO 200 bis 25.600 reicht die Spanne, manuell eingestellt sind auch ISO 100 möglich, wobei jedoch gewisse Abstriche gemacht werden müssen. Die Basis-Empfindlichkeit des 16-Megapixel-Sensors liegt bei ISO 200. Tatsächlich ist der Signal-Rauschabstand mit Ausnahme des Blaukanals bei ISO 100 sogar noch etwas besser als bei ISO 200, erreicht aber bei beiden Empfindlichkeiten locker über 40 dB. Tatsächlich kritisch wird es erst ab einem Wert von unter 35 dB. Von ISO 800 bis ISO 3.200 kratzt die Lumix an diesem Wert, fällt aber erst bei ISO 6.400 darunter. Bei noch höheren Empfindlichkeiten sackt der Wert noch stärker ab, das sollte man der Bildqualität also nicht unbedingt zumuten. Bei einer feinen Korngröße wird das Bildrauschen erst ab ISO 6.400 leicht sichtbar, steigt bei höheren Empfindlichkeiten jedoch deutlich an. Dabei handelt es sich lediglich um Helligkeitsrauschen, das unschönere Farbrauschen tritt allenfalls bei ISO 25.600 leicht in Erscheinung.

Interessant ist, wo Panasonic doch das Rauschen so gut im Griff hat, wie stark die Rauschunterdrückung feine Details vernichtet: bis ISO 1.600 tatsächlich keine, wie die Messung zeigt. Bei ISO 3.200 gehen zwar ein paar feinste Details verloren, aber das fällt kaum auf. Bei ISO 6.400 sieht es schon etwas kritischer aus, hier fallen ein paar mehr Bildfeinheiten der Rauschunterdrückung zum Opfer. Wirklich matschig beziehungsweise weich werden die Bilder aber tatsächlich erst jenseits der ISO 6.400. Für einen (nicht allzu großen) Micro-Four-Thirds-Sensor ist das eine wirklich gute Leistung.

Spannend ist auch der Blick auf die Eingangsdynamik, gibt der Dynamikumfang doch an, wie gut die Kamera Zeichnung in hellen und dunklen Bildbereichen bei starken Motivkontrasten wiedergeben kann. Erstaunlich ist, dass der höchste Wert von elf Blendenstufen bei ISO 400 und nicht bei ISO 200 erreicht wird, denn normalerweise stellt sich der höchste Dynamikumfang bei der Basis-ISO-Empfindlichkeit ein. Es könnte an der Rauschunterdrückung liegen, die die Tiefen noch etwas "dunkler" erscheinen lässt, indem die helleren Rauschpixel fehlen. Wie auch immer, bei ISO 100 ist der Dynamikumfang mit unter zehn Blendenstufen nicht ganz so gut, geht aber noch in Ordnung. Beim Hochschalten der Empfindlichkeit wird die Marke von zehn Blendenstufen erst wieder oberhalb von ISO 1.600 unterschritten, bleibt aber nur knapp darunter und damit im "grünen" Bereich.

Die Tonwertkurve ist wie zu erwarten bei ISO 100 gegenüber den anderen Empfindlichkeiten aufgrund der Signaldämpfung etwas abgeflacht, ansonsten zeigt sie knackig angesteilte Kontraste vor allem in den Mittentönen, um eine schönere, aber keineswegs unnatürliche Bildwiedergabe zu erreichen. Der Ausgangs-Tonwertumfang der G81 schneidet nicht ganz so gut ab. Bei ISO 100 und 200 ist er mit über 224 von 256 möglichen Helligkeitsabstufungen noch sehr gut, fällt dann aber mit jeder ISO-Stufe deutlich ab. Erst von ISO 1.600 bis 6.400 fängt sich der Wert im Bereich von 128 bis 160 Stufen, bevor er über ISO 6.400 wieder steil abfällt. Die Farbtreue der Lumix ist vor allem im Grün- und Orange-Bereich sehr gut, während das Gelb etwas ins Grüne tendiert und Rot- sowie Violetttöne eine etwas kräftigere Sättigung aufweisen. Die tatsächliche Farbtiefe wiederum ist über einen großen Empfindlichkeitsbereich gut bis sehr gut. Bei ISO 100 und 200 werden mehr als acht Millionen Farben differenziert, bis ISO 1.600 sind es immer noch sehr gute über vier Millionen Farben. Selbst über die mindestens zwei Millionen Farben, die bis einschließlich ISO 6.400 unterschieden werden, kann man nicht wirklich meckern, ein ebenfalls noch guter Wert. Wie immer reißen die beiden höchsten Empfindlichkeiten den Messwert in den Keller.

In der Summe kann man die Bildqualität der Panasonic Lumix DMC-G81 loben. Über einen großen Empfindlichkeitsbereich bietet sie eine ausgesprochen gute Bildqualität und kann durchaus auch mal ohne große Abstriche auf bis zu ISO 6.400 hochgeschraubt werden. Nur von höheren Empfindlichkeiten sollte man die Finger lassen.

Bild Die getrennten Fächer für den Akku und die Speicherkarte sind bei der Panasonic Lumix DMC-G81 sehr praktisch, vor allem wenn man gerne mit Stativ fotografiert und daher eine Wechselplatte montiert lässt. [Foto: MediaNord]

Die getrennten Fächer für den Akku und die Speicherkarte sind bei der Panasonic Lumix DMC-G81 sehr praktisch, vor allem wenn man gerne mit Stativ fotografiert und daher eine Wechselplatte montiert lässt. [Foto: MediaNord]

Bild Mit dem optionalen Multifunktionsgriff DMW-BGG1 lässt sich nicht nur die Akkulaufzeit verdoppeln, die Panasonic Lumix DMC-G81 wird dadurch auch ergonomischer, vor allem im Hochformat. [Foto: Panasonic]

Mit dem optionalen Multifunktionsgriff DMW-BGG1 lässt sich nicht nur die Akkulaufzeit verdoppeln, die Panasonic Lumix DMC-G81 wird dadurch auch ergonomischer, vor allem im Hochformat. [Foto: Panasonic]

Fazit

Die Panasonic Lumix DMC-G81 ist eine wirklich sehr gelungene Kamera. Für nicht einmal 1.000 Euro inklusive eines zoomstarken Setobjektivs lässt sie kaum noch Wünsche offen. Das Gehäuse ist kompakt, aber auch ergonomisch und gut verarbeitet. Die Dichtungen nehmen einem zudem die Sorge vor staubigen oder feuchten Aufnahmeumgebungen. Der optionale Batteriegriff sorgt für das nötige Plus an Ergonomie für große Teleobjektive und eine längere Akkulaufzeit. Die Funktionsvielfalt lässt praktisch kaum Wünsche offen, fast ist die G81 eher etwas überausgestattet, so dass man manchmal etwas lang bestimmte Funktionen in den langen Menüs suchen muss. Der Sucher ist hervorragend, der Bildschirm flexibel und erleichtert dank Touchoberfläche die Bedienung. Auch Fotografen, die gerne mal anspruchsvolle Videos drehen, kommen auf ihre Kosten. Der 5-Achsen-Bildstabilisator ist ein Segen und man wird ihn schnell zu schätzen lernen. Auch bei der wichtigsten Disziplin, der Bildqualität, kann die G81 auf ganzer Linie überzeugen. Bis hin zu recht hohen ISO-Empfindlichkeiten bietet sie eine gute Qualität. Das 12-60mm-Setobjektiv kann das Potential zwar nicht ganz ausschöpfen, ist für den geringen Aufpreis aber durchaus eine Empfehlung. Das Micro-Four-Thirds-System jedenfalls bietet die sicherlich größte Auswahl hochwertiger Objektive unter den spiegellosen Systemkameras, so dass für jeden etwas dabei sein sollte.

Diesen Artikel im Original auf digitalkamera.de

http://www.digitalkamera.de/Testbericht/Testbericht_Panasonic_Lumix_DMC-G81/10112.aspx

Weiterführende Links

    2015-09-01 Panasonic Lumix DMC-G70 (Testbericht):
    http://www.digitalkamera.de/Testbericht/Panasonic_Lumix_DMC-G70/9616.aspx

    2013-09-09 Drahtlose Bildübertragung mit Lumix-Digitalkameras von Panasonic (Fototipp):
    http://www.digitalkamera.de/Fototipp/Drahtlose_Bildubertragung_mit_Lumix-Digitalkameras_von_Panasonic/8467.aspx

    Labortest Panasonic Lumix DMC-G81 mit Panasonic Lumix G Vario 12-60 mm 3.5-5.6 Asph. Power OIS:
    http://www.digitalkamera.de/Labortest/Test.aspx?ContentId=10573

    Panasonic Lumix DMC-G81 Datenblatt:
    http://www.digitalkamera.de/Kamera/Panasonic/Lumix_DMC-G81.aspx