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Kompaktkamera mit großem Sensor


Testbericht: Canon PowerShot G7 X Mark II


2016-10-18Mit einem ergonomisch verbesserten Gehäuse, schnellerem Bildprozessor und damit flotterem Autofokus sowie höherer Serienbildleistung schickt Canon seit einer Weile die PowerShot G7 X Mark II ins Rennen. Die Kamera gehört zu den beliebtesten bei unseren Lesern, was aufgrund des kompakten Gehäuses, des lichtstarken Objektivs und der guten Ausstattung zu einem vernünftigen Preis nur allzu verständlich ist. Doch was leistet die G7 X Mark II wirklich? Im Test finden wir es heraus.  (Benjamin Kirchheim)

Steckbrief
HerstellerCanon
ModellPowerShot G7 X Mark II
SensorCMOS 1" 13,2 x 8,8 mm (Cropfaktor 2,7)
20,9 Megapixel (physikalisch)
20,1 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch2,4 µm
Auflösung (max.)5.472 x 3.648 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivF1,8-2,8/24-100mm
FiltergewindeKein Filtergewinde eingebaut
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme17
Programmautomatikja
Programmshift
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionja, Stich-Panorama-Assistent (zum extern zusammenfügen)
BelichtungsmessungMehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
kürzeste Verschlusszeit1/2.000 s
Blitzeingebaut
  Synchronzeit1/2.000 s
  Blitzanschluss
WLANja
NFCja
GPSextern, Smartphone als GPS-Logger
Fernauslöserja, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 125-12.800
  manuellISO 125-12.800
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder31 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,27 bis 0,28 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen (BxHxT)103 x 60 x 40 mm
Gewicht (betriebsbereit)315 g
Stativgewindeaußerhalb der optischen Achse
Zoom
  ZoomverstellungObjektivring (motorisch), Zoomwippe (motorisch)
Akkulaufzeit265 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Trotz der Kompaktheit einigermaßen ergonomisches Gehäuse
  • Um bis zu 180 Grad klappbarer Touchscreen
  • Lichtstarkes Objektiv mit mehr Zoomumfang als bei der Konkurrenz
  • Hoher Dynamikumfang
  • Im Bildzentrum hoch auflösendes Objektiv
  • Bei höheren ISO-Empfindlichkeiten wenig Details und trotzdem sichtbares Rauschen
  • Hoher Randabfall der Auflösung
  • Weder Blitzschuh noch Sucher

Ergonomie und Verarbeitung

Mit rund 10,5 x 6,5 x 4,2 Zentimetern fällt die Canon PowerShot G7 X Mark II angenehm kompakt aus, drückt aber mit betriebsbereiten 315 Gramm ein durchaus stattliches Gewicht auf die Waage. Zu verdanken ist das sicherlich vor allem dem robust wirkenden Metallgehäuse sowie natürlich dem lichtstarken Objektiv. Obwohl die Canon nicht dicker ausfällt als eine vergleichbare RX100 III von Sony, bietet sie doch ein zoomstärkeres Objektiv mit etwas mehr Telebrennweite (24-100 statt 24-70 mm Kleinbildäquivalent), ohne an Lichtstärke einzubüßen (F1,8-2,8). Auch ein optischer Bildstabilisator ist verbaut. Beim Vorgängermodell bemängelten wir noch das vorne zu glatte und damit wenig griffige Gehäuse, doch damit räumt das neue Design auf. Die Mark II besitzt nun einen gummierten Griff, der die Kamerahaltung wesentlich sicherer macht, ohne dass das Gehäuse dadurch gewachsen wäre. Chapeau, Canon.

Bild Im knapp 4,1 Zentimeter dicken Gehäuse bringt die Canon PowerShot G7 X Mark II sogar ein lichtstarkes 24-100mm-Zoom unter und bietet damit etwas mehr Brennweite als die gleich große Konkurrenz. [Foto: MediaNord]

Im knapp 4,1 Zentimeter dicken Gehäuse bringt die Canon PowerShot G7 X Mark II sogar ein lichtstarkes 24-100mm-Zoom unter und bietet damit etwas mehr Brennweite als die gleich große Konkurrenz. [Foto: MediaNord]

Bild Die Canon PowerShot G7 X Mark II lässt sich sowohl über den klappbaren Touchscreen als auch über Tasten bedienen. [Foto: MediaNord]

Die Canon PowerShot G7 X Mark II lässt sich sowohl über den klappbaren Touchscreen als auch über Tasten bedienen. [Foto: MediaNord]

Trotz des kompakten Gehäuses und damit mangelndem Platz fallen die Knöpfe auf der Rückseite überraschend groß aus und lassen sich dadurch auch von Männerhänden passabel bedienen. Etwas problematisch ist wie immer die Kombination aus Vierwegewippe mit Drehring, Grobmotoriker drücken dann schonmal versehentlich beim Drehen eine Taste. Bei der G7 X hält sich das Problem aber durchaus in Grenzen, man kann sich an das Rad, das recht griffig ausfällt, gewöhnen. Viel schöner ist aber der Objektivring. Er ist groß, griffig und rastet angenehm. Wenn man diskrete Werte damit verstellen möchte, etwa die Brennweite in Stufen, die Blende, die ISO-Empfindlichkeit oder die Belichtungszeit, gelingt dies präzise. Möchte man hingegen stufenlos zoomen, so bietet sich die ringförmig um den Auslöser angeordnete Zoomwippe an. Doch auch mit dem Objektivring geht es dank einfach abschaltbarer Rastung problemlos. Nun läuft der Ring stufen- und geräuschlos. Vor allem beim manuellen Fokussieren ist das viel angenehmer. Auch das hat Canon clever gemacht und man merkt, dass hier Praktiker beim Ergonomiedesign am Werk waren. Beim manuellen Fokussieren stehen übrigens sowohl eine Fokuslupe als auch Fokuspeaking zur Verfügung.

Das Belichtungskorrekturrad muss sich hingegen etwas Kritik gefallen lassen, denn es kann sich durchaus versehentlich verstellen. Immerhin wirkt sich das Belichtungskorrekturrad nur in den Kreativprogrammen aus, so dass Automatikknipser sich hier nicht versehentlich ihre Bilder verderben können. Wer die automatische Belichtung mit der Belichtungskorrektur kombinieren will, muss in die Programmautomatik wechseln. Oben über dem Belichtungskorrekturrad sitzt das kleinere Programmwählrad, es bietet sogar eine Custom-Position zum Anruf bevorzugter Aufnahmeeinstellungen. Zur schnellen Bedienung trägt obendrein das Quick-Menü bei, über das weitere wichtige Aufnahmeparameter, die keine eigenen Tasten besitzen, angepasst werden können. Das Hauptmenü besitzt die Canon-übliche Struktur, in die man sich gegebenenfalls etwas einarbeiten muss. Mit acht Aufnahmemenüseiten und vier Setup-Menüseiten bleibt es gerade so noch übersichtlich. Das Wiedergabemenü taucht nur im Wiedergabemodus aus, wofür dann das Aufnahmemenü verschwindet. Häufig benutzte Menüpunkte kann man sich außerdem dank des My-Menüs schneller zugänglich machen.

Der rückwärtige Bildschirm bietet im 3:2-Seitenverhältnis eine gute Platzausnutzung, da der Bildsensor dasselbe Seitenverhältnis besitzt. Mit einer Diagonale von 7,5 Zentimetern und einer Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten bietet es übliche Eckwerte und eine gute Bildqualität. Es handelt sich dabei um einen Touchscreen, den man verwenden kann, aber nicht muss. Bei einigen Funktionen, etwa dem Fokussieren auf ein bestimmtes Motivdetail mittels Fingertipper, ist das aber sehr praktisch. Zudem werden bei manchen Funktionen Bildschirmwahlflächen angeboten, was die Bedienung zusätzlich vereinfacht. Wer gerne aus bodennahen ober Über-Kopf-Perspektiven fotografiert, kann den Bildschirm entsprechend nach oben oder unten klappen, letzteres ging beim Vorgängermodell noch nicht. Auch ein schnelles Selfie lässt sich dank des 180 Grad nach oben klappbaren Bildschirms einfach erstellen.

Einen Sucher hat die Canon hingegen nicht zu bieten. Auch ein Blitzschuh fehlt, so dass sich auch kein externer Sucher anschließen lässt. Für einen Pop-Up-Blitz hat Canon hingegen noch Platz im Gehäuse gefunden. Mit einer Micro-HDMI- sowie einer Micro-USB-Buchse halten sich die Schnittstellen ebenfalls in Grenzen, die USB-Buchse taugt leider nicht einmal zum schnellen Zwischendurch-Nachladen des herausnehmbaren Lithium-Ionen-Akkus. Mit knapp über 250 Aufnahmen bietet er eine nicht allzu üppige Laufzeit. Geladen wird er extern in einer mitgelieferten Ladeschale. Der Akku sitzt gemeinsam mit der SD-Speicherkarte in einem Fach am Kameraboden, das sich direkt neben dem außerhalb der optischen Achse angeordneten Stativgewinde befindet. Praktisch ist das für den Stativbetrieb nicht. Der Speicherkartenschacht schluckt problemlos auch große SDHC- oder SDXC-Karten.

Bild Unter dem Programmwählrad der Canon PowerShot G7 X Mark II sitzt das Belichtungskorrekturrad. Sinnvollerweise wirkt es nicht in der Vollautomatik, sondern nur in den Kreativprogrammen. [Foto: MediaNord]

Unter dem Programmwählrad der Canon PowerShot G7 X Mark II sitzt das Belichtungskorrekturrad. Sinnvollerweise wirkt es nicht in der Vollautomatik, sondern nur in den Kreativprogrammen. [Foto: MediaNord]

Bild Im Gegensatz zum Vorgängermodell und zu RX100-Konkurrenz bietet die Canon PowerShot G7 X Mark II einen kleinen Handgriff mit rutschfestem Bezug. [Foto: MediaNord]

Im Gegensatz zum Vorgängermodell und zu RX100-Konkurrenz bietet die Canon PowerShot G7 X Mark II einen kleinen Handgriff mit rutschfestem Bezug. [Foto: MediaNord]

Ausstattung

Die Canon PowerShot G7 X Mark II bietet sowohl einen Vollautomatikmodus, der inklusive Motiverkennung wirklich alles automatisch steuert, als auch auswählbare Motivprogramme, so dass der Fotograf bestimmen kann, welcher Automatikmodus greifen soll. Somit ist es auch jenen möglich, Fotos zu schießen, die sich nicht mit der "technischen" Seite der Fotografie beschäftigen mögen. Aber auch geübte Fotografen, die mal schnell einen Schnappschuss machen wollen, fahren mit dem Vollautomatikmodus gut. Zwischen den Motivprogrammen ist auch der HDR-Modus versteckt, den man vom Stativ aus verwenden sollte. Er nimmt kontrastreiche Szenen mit drei unterschiedlichen Belichtungen auf und setzt diese so zusammen, dass sowohl in den hellsten als auch dunkelsten Bereichen noch Details zu erkennen sind. Leider lässt sich der HDR-Modus nicht in den Kreativprogrammen P, Av, Tv und M verwenden, so dass erfahrene Fotografen auf die Belichtungsreihe zurückgreifen müssen. Hier sind allerdings maximal drei Aufnahmen mit jeweils zwei EV Belichtungsunterschied möglich, die man mit entsprechender Software am PC zusammensetzen muss.

Dank der zwei Bedienräder lassen sich die Aufnahmeparameter in den Kreativprogrammen schnell und einfach einstellen. Zudem sorgen eine Live-Belichtungsvorschau sowie ein Livehistogramm dafür, dass man schon vor der Aufnahme die Belichtung beurteilen kann. Wer gerne bei viel Licht mit offener Blende für eine geringe Schärfentiefe arbeiten möchte, stößt mit der kürzesten Verschlusszeit von 1/2.000 Sekunde schnell an Grenzen. Canon hat daran gedacht und dem Objektiv einen einschwenkbaren Neutraldichtefilter spendiert. Er verringert das Licht um drei Blendenstufen. Auch Fließeffekte, beispielsweise von Wasser, lassen sich damit durchaus realisieren, wenn man die bis F11 schließbare Blende mitbenutzt. Auf Wunsch schwenkt die G7 X den Filter zudem automatisch ein. Der Filter hilft übrigens auch, um etwa Beugungsunschärfe zu verringern, weil man beispielsweise mit F4 statt F11 arbeiten kann.

Wer gerne blitzt, kommt hingegen nicht so sehr auf seine Kosten. Wie bereits eingangs erwähnt, bietet die G7 X Mark II keinen Blitzschuh. Zudem verfügt der integrierte Pop-Up-Blitz mit einer Leitzahl von fünf nicht gerade über eine üppige Leistung. An eine Drahtlosblitzsteuerung braucht man nicht einmal zu denken. Standardkost wie das Blitzen am Ende der Belichtung statt am Anfang, eine Langzeitsynchronisation sowie eine Blitzbelichtungskorrektur gibt es aber selbstverständlich. Sogar eine manuelle Blitzleistungsregelung, allerdings nur in drei nicht näher spezifizierten Stufen, gibt es. Aber auch hier stört eine Einschränkung, denn das funktioniert nur im manuellen Belichtungsmodus. Theoretisch wäre es damit möglich, Slave-Blitzgeräte auszulösen, da der Mess-Vorblitz ausbleibt. Man muss Canon die magere Blitzausstattung aber nicht unbedingt übelnehmen, denn die Kamera ist in erster Linie auf Kompaktheit getrimmt, daher müssen Kompromisse gemacht werden. Zudem verfügt sie über ein lichtstarkes Objektiv. Wer trotz der geringen Leistung versuchen möchte, eine Szene indirekt ein wenig aufzuhellen, kann den Blitz übrigens mit dem Finger ein wenig nach hinten ziehen, wodurch er Richtung Decke feuert.

Eine der Verbesserungen der G7 X Mark II betrifft den schnelleren Prozessor Digic 7, der unter anderem für einen flotteren Autofokus sorgen soll. In unserer Labormessung war davon nichts zu spüren. Wie beim Vorgängermodell vergeht etwas mehr als eine viertel Sekunde vom Drücken des Auslösers bis zur eigentlichen Aufnahme. Genau genommen ist der Autofokus sogar einige Millisekunden langsamer, was aber die verkürzte Auslöseverzögerung wieder wettmacht. Damit gelingen nach erfolgter Fokussierung Schnappschüsse ein wenig besser. Nur 0,05 Sekunden vergehen dann bis zum Auslösen.

Bei der Videofunktion hinkt Canon der Konkurrenz ein wenig hinterher. An 4K ist nicht zu denken. In Full-HD-Auflösung gibt es dafür flüssige 60 Bilder pro Sekunde, wer möchte, kann aber auch mit 50, 30, 25 oder 24 Bildern pro Sekunde filmen. Allerdings sind die Bildwiederholraten an das im Setupmenü ausgewählte Videosystem gebunden. Bei PAL gibt es 50 oder 25 Bilder pro Sekunde, in NTSC wahlweise 60, 30 oder 24 Bilder pro Sekunde. Die PowerShot führt während der Videoaufnahme den Autofokus sowie die Belichtung nach. Dank des Videoaufnahmeknopfes ist die G7 X jederzeit filmbereit, dreht man das Programmwählrad auf den Videomodus, eröffnen sich mehr Möglichkeiten, beispielsweise eine manuelle Belichtungskontrolle für Filmaufnahmen oder eine Zeitrafferfunktion. Der Ton gelangt übrigens über das integrierte Stereomikrofon auf die Videospur. Das Nachfokussieren erfolgt so leise, dass man es praktisch nicht hört. Das Zoom läuft deutlich verlangsamt, macht aber (sehr leise) Geräusche. Ebenfalls gut arbeitet der Bildstabilisator.

Bild Das Stativgewinde der Canon PowerShot G7 X Mark II sitzt leider sowohl außerhalb der optischen Achse als auch zu dicht am Speicherkarten- und Akkufach. [Foto: MediaNord]

Das Stativgewinde der Canon PowerShot G7 X Mark II sitzt leider sowohl außerhalb der optischen Achse als auch zu dicht am Speicherkarten- und Akkufach. [Foto: MediaNord]

Bild Das Metallgehäuse der Canon PowerShot G7 X Mark II besitzt einen Kunststoffeinsatz für die WLAN-Antenne. Der Blitz muss manuell entriegelt werden. [Foto: MediaNord]

Das Metallgehäuse der Canon PowerShot G7 X Mark II besitzt einen Kunststoffeinsatz für die WLAN-Antenne. Der Blitz muss manuell entriegelt werden. [Foto: MediaNord]

Im Wiedergabemodus stehen einige Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bilder lassen sich nicht nur drehen oder beschneiden, auch Filter lassen sich darüberlegen. Wer Raw-Aufnahmen angefertigt hat, kann diese zudem in der Kamera in ein JPEG verwandeln. Dabei können auf Wunsch eigene Einstellungen vorgenommen werden, etwa um die Helligkeit, den Weißabgleich, die Rauschunterdrückung und andere Parameter anzupassen. Dank des eingebauten WLANs sowie des aktiven NFC-Tags, das sogar bei ausgeschalteter Kamera funktioniert, lassen sich die Aufnahmen auf Smartphones oder Tablets überspielen. Mit Hilfe der App von Canon kann zudem die Kamera inklusive Livebildübertragung ferngesteuert werden. Mehr Details dazu sind unserem Fototipp in den weiterführenden Links zu entnehmen.

Bildqualität

Vor etwas über vier Jahren trat Sony mit der RX100 eine Revolution los, wie wir inzwischen wissen. Bis dahin galt die Bildqualität von Kompaktkameras als nicht besonders gut und wer eine hohe Bildqualität wollte, musste zu einer Systemkamera greifen. Doch der für eine Kompaktkamera mit 13,2 mal 8,8 Millimetern relativ große 1"-Sensor änderte das und sorgt dafür, dass heutzutage vor allem mit solchen Kompaktkameras für die Hersteller noch gute Gewinne und sogar Wachtumsraten möglich sind. Ebenfalls mit einem lichtstarken Objektiv sowie einem 1"-Sensor ausgestattet, verspricht auch die Canon PowerShot G7 X Mark II eine ebensolche hohe Bildqualität, die fast an eine Systemkamera herankommt. Für eine genauere Untersuchung musste sich die G7 X Mark II unserem Labortest unterziehen. Die ausführlichen Ergebnisse, auf denen unsere folgenden Betrachtungen beruhen, sind wie immer kostenpflichtig über die weiterführenden Links abrufbar. Der Labortest enthält nicht nur Diagramme, sondern auch beschreibende Texte und ist als PDF herunterladbar. Der Labortest kann sowohl im Einzelabruf für 1,40 Euro als auch im Rahmen einer Prepaid-Flatrate ab umgerechnet 2,08 Euro pro Monat erworben werden. Die Flatrate bietet zudem den Zugriff auf das Testarchiv mit über 1.600 Labortests. Im Übrigens wird durch den Kauf das Projekt digitalkamera.de mit den vielen kostenlosen Inhalten, wie etwa diesem Test, unterstützt.

Bezogen auf 20 mal 30 Zentimeter große Ausdrucke bietet die Canon PowerShot G7 X Mark II bei allen gemessenen Blenden und Brennweiten eine hohe Bildschärfe vom Zentrum bis in die Ecken. Die Randabdunklung ist mit maximal 0,5 EV beziehungsweise 25 Prozent ebenso vernachlässigbar wie die Verzeichnung, die im Weitwinkel mit unter einem Prozent Tonnenform sehr gering und bei längeren Brennweiten überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Selbst Farbsäume spielen mit weniger als einem halben Pixel im Maximum keine praktische Rolle. Schaut man sich allerdings die Auflösung des 20-Megapixel-Sensors bei 50 Prozent Kantenkontrast (MTF50) an, so offenbaren sich doch einige Schwächen. Im Bildzentrum erreicht die Canon noch bei allen Brennweiten eine sehr hohe Auflösung von 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent und mehr (56 lp/mm Maximum bei 50 mm F2,8). Am Bildrand sieht die Geschichte schon ganz anders aus. Im Weitwinkel sind gerade einmal 30 lp/mm drin. Das bedeutet nicht nur einen ziemlich hohen Randabfall von 40 Prozent, sondern auch, dass die Bildecken bei Ausdrucken größer als 20 mal 30 Zentimeter weicher werden. Bei mittlerer Brennweite von 50 Millimetern entsprechend Kleinbild werden immerhin 45 lp/mm am Bildrand erreicht, wofür man allerdings auf F4 oder F5,6 abblenden muss. Das ist auch unsere Empfehlung für hoch aufgelöste, gleichmäßig scharfe Fotos: 50 mm und F4 oder 5,6. Bei Offenblende sind es nämlich nur 36 lp/mm. Bei Telebrennweite wird ein Maximum von 41 lp/mm erreicht, und zwar erst bei F8. Eigentlich setzt bereits oberhalb von F2,8 die auflösungsreduzierende Beugung ein, die aber bei Telebrennweite erst oberhalb von F8 eine geringere Auflösung zulässt als die Auflösungssteigerung durch das Abblenden bringt. F8 und F11 sollte man bei der G7 X Mark II eigentlich eher sparsam einsetzen, da hier die Auflösung durchaus spürbar einknickt.

Der 1"-Sensor ist aber nicht nur für seine hohe Auflösung "berühmt", sondern auch für sein gutes Rauschverhalten selbst bei höheren Empfindlichkeiten; jedenfalls sofern der Kamerahersteller die Bildaufbereitung gut abgestimmt hat. So bietet manche 1"-Kamera selbst bei ISO 800 oder 1.600 eine noch brauchbare Bildqualität mit annehmbarer Auflösung und geringem Rauschen. Um es kurz zu machen: Die Canon PowerShot G7 X Mark II gehört nicht dazu. Der Signal-Rauschabstand startet bei ISO 125 mit noch passablen 40 dB, oberhalb von ISO 800 wird jedoch die kritische Marke von 35 dB unterschritten. Während die Canon das Farbrauschen gut im Griff hat, steigt das Helligkeitsrauschen oberhalb von ISO 400 stetig an und wird spätestens ab ISO 1.600 leicht sichtbar. Viel entscheidender ist aber die korrespondierende Texturschärfe, mit der das Auflösungsvermögen feinster Details bei allen Empfindlichkeiten gemessen wird. Oberhalb von ISO 200 sackt der Messwert steil ab. Bereits bei ISO 400 sind leichte Verluste mess- und sichtbar, aber die Bildqualität ist durchaus noch ausreichend. Spätestens ab ISO 800 sind die Bilder jedoch sichtbar weich und oberhalb von ISO 1.600 praktisch nur noch verrauschter Matsch. Damit hängt die Canon um gut zwei Blendenstufen hinter den besten 1"-Sensor-Kameras zurück, die bis ISO 1.600 eine noch annehmbare Bildqualität liefern können.

Bild An Schnittstellen hat die Canon PowerShot G7 X Mark II lediglich Micro-HDMI und Micro-USB zu bieten, ein Fernauslöseanschluss oder eine Mikrofonbuchse sucht man vergebens. [Foto: MediaNord]

An Schnittstellen hat die Canon PowerShot G7 X Mark II lediglich Micro-HDMI und Micro-USB zu bieten, ein Fernauslöseanschluss oder eine Mikrofonbuchse sucht man vergebens. [Foto: MediaNord]

Bild Mit 265 Aufnahmen bietet der kleine Lithium-Ionen-Akku der Canon PowerShot G7 X Mark II eine gerade noch ausreichende Ausdauer. Das Speicherkartenfach hingegen schluckt auch richtig große SDXC-Karten. [Foto: MediaNord]

Mit 265 Aufnahmen bietet der kleine Lithium-Ionen-Akku der Canon PowerShot G7 X Mark II eine gerade noch ausreichende Ausdauer. Das Speicherkartenfach hingegen schluckt auch richtig große SDXC-Karten. [Foto: MediaNord]

Immerhin bietet die G7 X Mark II eine sehr hohe Eingangsdynamik, die von zwölf Blendenstufen bei ISO 125 bis ISO 800 mit elf Blendenstufen nur gering abfällt und sich damit auf höchstem Niveau bewegt. Erst oberhalb von ISO 3.200 sackt der Wert unter immer noch gute zehn Blendenstufen ab. Die Tonwertkurve verläuft für eine knackige Bildwiedergabe stark angesteilt. Der Ausgangs-Tonwertumfang fällt über die Empfindlichkeiten ähnlich steil ab wie die Texturschärfe. Der kritische Wert von 160 Helligkeitsstufen wird oberhalb von ISO 800 unterschritten. Farben hingegen gibt die Canon außergewöhnlich präzise wieder. Selbst die stärksten Abweichungen sind bei niedrigen Empfindlichkeiten noch tolerierbar. Bei höheren Empfindlichkeiten wird die Farbabweichung etwas stärker, liegt aber nur knapp über dem noch tolerierbaren Wert. Der manuelle Weißabgleich arbeitet hinreichend genau und sogar die Farbtiefe ist erfreulich hoch. Bis ISO 800 werden über vier Millionen Farben differenziert, bis ISO 3.200 sind es immer noch gute über zwei Millionen Farben. Der kleine Pop-Up-Blitz führt übrigens laut Labormessung zu einem deutlichen Helligkeits-Randabfall von gut zwei Blendenstufen beziehungsweise 70 Prozent. Es empfielt sich also, für ausgeleuchtete Bildecken ein wenig am Zoom zu drehen.

Fazit

Rein äußerlich ist die Canon PowerShot G7 X Mark II eine äußerst gelungene Kamera. Sie bietet ein robustes und griffiges Gehäuse mit kompakten Abmessungen und verpackt dennoch sogar ein etwas größeres Zoom als die Konkurrenz, ohne auf Lichtstärke zu verzichten. Der Autofokus und die Kamera generell arbeiten flott, die Bedienung ist eingängig und wirklich wichtige Funktionen vermisst man eigentlich nicht, bis auf vielleicht einen Blitzschuh oder einen Sucher. Etwas enttäuschend ist hingegen die Bildqualität. Dabei stellt das vor allem im Weitwinkel nicht so randscharfe Objektiv nicht einmal das größte Problem dar, sondern vor allem die oberhalb von ISO 400 absackende Bildqualität, da erwartet man von einem 1"-Sensor einfach mehr. Trotz ansteigendem Rauschen bleibt die Detailauflösung auf der Strecke. Einzig im Raw-Format können Experten hier noch etwas herauskitzeln. Für den Alltagsfotografen, der auch bei geringem Licht mit guter Bildqualität fotografieren möchte, bleibt damit allein das lichtstarke Objektiv auf der Habenseite übrig.

Diesen Artikel im Original auf digitalkamera.de

https://www.digitalkamera.de/Testbericht/Testbericht_Canon_PowerShot_G7_X_Mark_II/10094.aspx

Weiterführende Links

    2014-12-24 Canon PowerShot G7 X (Testbericht):
    https://www.digitalkamera.de/Testbericht/Canon_PowerShot_G7_X/9289.aspx

    2016-09-05 Kamerafernbedienung mit der Canon Camera Connect App (Fototipp):
    https://www.digitalkamera.de/Fototipp/Kamerafernbedienung_mit_der_Canon_Camera_Connect_App/10050.aspx

    Labortest Canon PowerShot G7 X Mark II:
    https://www.digitalkamera.de/Labortest/Test.aspx?ContentId=10574

    Canon PowerShot G7 X Mark II Datenblatt:
    https://www.digitalkamera.de/Kamera/Canon/PowerShot_G7_X_Mark_II.aspx


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