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Testbericht


Olympus OM-D E-M10 Mark II


2015-09-10Die Olympus OM-D E-M10 Mark II kommt erst in den nächsten Wochen auf den Markt, doch wir konnten bereits ein Serienmodell auf Herz und Nieren testen. Olympus hat es nicht bei einfachen Feature-Weiterentwicklungen belassen, sondern der Mark II den besseren Bildstabilisator und andere Funktionen des nächsthöheren Modells E-M5 Mark II eingebaut. Auch das Gehäuse blieb nicht unangetastet, was die Ergonomie nochmals verbessern soll. Was genau die Olympus leistet und wie es um ihre Bildqualität bestellt ist, verrät unser Test.  (Benjamin Kirchheim)

Steckbrief
Hersteller Olympus
Modell OM-D E-M10 Mark II
Sensor CMOS 4/3" 17,3 x 13,0 mm (Cropfaktor 2,0)
17,2 Megapixel (physikalisch)
16,1 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch 3,7 µm
Auflösung (max.) 4.608 x 3.456 (4:3)
Video (max.) 1.920 x 1.080 60p
Objektiv Olympus 14-42 mm 3.5-5.6 ED EZ (EZ-M1442EZ) (Zoom-Objektiv)
Videosucher EVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.360.000 Bildpunkte Auflösung, 1,23-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,62-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor 3,0" (7,6 cm)
  Auflösung 1.037.000 Bildpunkte
  kippbar ja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreen ja
AV-Anschlüsse
Videoausgang (HDMI-Ausgang Micro (Typ D))
Vollautomatik ja
Motivautomatik ja
Motivprogramme 26
Programmautomatik ja
Programmshift ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
Manuell ja
Bulb-Langzeitbelichtung ja
HDR-Funktion ja
Panoramafunktion ja, Stich-Panorama-Assistent (zum extern zusammenfügen)
Belichtungsmessung Matrix/Mehrfeld-Messung (324 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit 1/16.000 s
Blitz eingebaut
  Synchronzeit 1/250 s
  Blitzanschluss Standard Mittenkontakt, Olympus/Panasonic (auch Leica-Kompaktkamera) Blitzschuh
WLAN ja
NFC
GPS extern
Fernauslöser Fernauslösung vom Computer, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD, SDHC, SDXC, UHS I
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 100-25.600
  manuell ISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatisch ja
  manuelle Messung ja
  manuelle Farbtemp. ja
  Feinkorrektur ja
Autofokus ja
  Anzahl Messfelder 81 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit 0,20 s bis 0,23 s
  AF-Hilfslicht LED
Abmessungen 120 x 83 x 47 mm
Gewicht (betriebsbereit) 390 g (nur Gehäuse)
480 g (mit Objektiv)
Stativgewinde in optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellung Objektivring (motorisch)
Akkulaufzeit 320 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Sehr guter, effektiver Bildstabilisator
  • Hohes Bildqualitätsniveau
  • Rasanter Autofokus und hohe Serienbildgeschwindigkeit
  • Großer, hochauflösender Sucher
  • Viel Ausstattung mit einzigartigen Sonderfunktionen
  • Hochfrequentes Flimmern des Sucherbilds (wird aber nur von empfindlichen Personen wahrgenommen)
  • Starke Abweichung der gemessenen zur eingestellten ISO-Empfindlichkeit
  • Gegenüber der E-M5 Mark II in der Effektivität kastrierter Bildstabilisator
Bild Zwar ist das OM-D-Design bei der Olympus OM-D E-M10 Mark II unverkennbar, aber gegenüber dem Vorgängermodell gibt es einige Änderungen, die auch die Ergonomie betreffen. [Foto: MediaNord]

Zwar ist das OM-D-Design bei der Olympus OM-D E-M10 Mark II unverkennbar, aber gegenüber dem Vorgängermodell gibt es einige Änderungen, die auch die Ergonomie betreffen. [Foto: MediaNord]

Bild So vergrößert der elektronische Sucher der Olympus OM-D E-M10 Mark II nun 0,62- statt 0,56-fach und die Auflösung steigt von 1,44 auf 2,36 Millionen Bildpunkte. Allerdings nehmen empfindliche Augen das Flackern des verbauten OLEDs wahr. [Foto: MediaNord]

So vergrößert der elektronische Sucher der Olympus OM-D E-M10 Mark II nun 0,62- statt 0,56-fach und die Auflösung steigt von 1,44 auf 2,36 Millionen Bildpunkte. Allerdings nehmen empfindliche Augen das Flackern des verbauten OLEDs wahr. [Foto: MediaNord]

Bild Das Programmwählrad der Olympus OM-D E-M10 Mark II musste dem Retro-Einschalter weichen und bildet nun einen der drei recht hohen Türme rechts des Suchers. [Foto: MediaNord]

Das Programmwählrad der Olympus OM-D E-M10 Mark II musste dem Retro-Einschalter weichen und bildet nun einen der drei recht hohen Türme rechts des Suchers. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung

Auf den ersten flüchtigen Blick ist die E-M10 Mark II deutlich als Olympus OM-D zu erkennen und unterscheidet sich kaum vom Vorgängermodell E-M10. Bei genauerem Hinsehen tun sich aber zahlreiche Änderungen auf. Ein ausgeprägter Handgriff gehört weiterhin nicht zum Design, lässt sich aber optional mit dem neuen, ansonsten funktionslosen Griff ECG-3 nachrüsten. Das Gehäuse besteht weiterhin aus Kunststoff und einigen Metallteilen. Sowohl bei der Top- als auch der Bodenplatte kommt eine Magnesiumlegierung zum Einsatz. Großzügige Gummierungen sorgen für einen durchaus passablen Halt in der Hand. Neu gestaltet ist die Daumenauflage auf der Rückseite, die nun integraler Bestandteil des Gehäuses ist. Beim Vorgängermodell war die Daumenauflage noch geklebt und konnte sich unter Umständen lösen.

Alten OM-Hasen wird sicherlich als erstes der Einschaltknopf ins Auge fallen: Dieser sitzt nun nicht mehr unten rechts auf der Rückseite, sondern oben links neben dem Sucher/Blitzbuckel und ähnelt dem historischen Vorbild OM-1 und OM-2 stark. Der Einschalter ist nun schwergängiger, ein versehentliches Schalten ist praktisch ausgeschlossen. Dafür ist er nicht mehr ganz so schnell erreichbar, den alten Schalter konnte man beim Griff in die Kameratasche direkt mit dem rechten Daumen beim Herausholen hochschieben. Bei einer Einschaltzeit von gut zwei Sekunden mit dem Setobjektiv, das elektronisch ausgefahren wird, kann das durchaus entscheidend sein. Andererseits kommt mit diesem Objektiv, vor allem wenn es mit dem als Zubehör erhältlichen automatischen Deckel versehen wird, fast perfektes Kompaktkameragefühl auf. Es fehlt eigentlich nur noch eine Zoomfunktion auf dem vorderen, ohnehin etwas leichtgängigen Einstellrad.

Der nicht wirklich hochwertig wirkende Plastikeinschalter der OM-D E-M10 Mark II hat noch eine zweite Funktion: Schiebt man ihn nach vorne, so klappt der eingebaute Blitz auf. Eine Pop-Up-Automatik gibt es nicht. Die kleinste OM-D ist das einzige Modell der Reihe mit Einbaublitz. Mit einer Leitzahl von 6,6 ist er etwas schwach auf der Brust, taugt aber sogar als Master zur Drahtlosblitzsteuerung. Dem neuen, alten Einschalter musste das Programmwählrad auf die andere Seite des Blitzbuckels weichen. Dem neu platzierten Programmwählrad wiederum war das alte Daumenrad im Weg, das nun aber griffgünstiger liegt. Alle drei Einstellräder wirken durchaus hochwertig, aber wie hohe kleine Türmchen und die verschiedene Riffelung der Räder unterstreicht das gegenüber dem Vorgängermodell verspielter wirkende Design. In der Redaktion gab es beim direkten Vergleich genauso viele Befürworter wie Gegner des neuen Designs. Die "alte" E-M10 ist aber vorerst weiter erhältlich.

Einige andere Tasten haben ebenfalls die Position gewechselt, was für Umsteiger der alten E-M10 etwas Umgewöhnung bedeutet. Insgesamt ist die neue Tastenanordnung aber besser, zumal es eine neue dritte programmierbare Funktionstaste gibt. Damit lassen sich noch mehr Funktionen direkt wählbar erreichen. Etwas merkwürdig wirkt nur der Pseudo-Knopf auf dem Daumenrad, denn es handelt sich leider um ein reines Designelement. Wer übrigens keine Videos aufnehmen möchte, kann auch den dafür vorgesehenen Knopf mit einer anderen Funktion belegen.

Über das Super-Control-Panel, das sich mit einem Druck auf den OK-Knopf aktiviert, hat man volle Kontrolle über alle relevanten Aufnahmeparameter. Sie werden übersichtlich angezeigt und können direkt geändert werden. Die Menüs hingegen wirken bei Olympus zum Teil etwas unübersichtlich. Die schiere Fülle an Einstellmöglichkeiten erschlägt so manchen Neuling. Aber: Hat man sich damit auseinandergesetzt, so findet man die Einstellungen durchaus schnell wieder, zumal das Menü auf Wunsch an der zuletzt verwendeten Position startet. Von der Tastenbelegung über das Verhalten der Einstellräder bis hin zur Belichtungs- und Akkujustage lässt sich hier wirklich alles einstellen. Zudem erlauben vier Presets das Speichern von bevorzugten Aufnahmeparametern, die wahlweise auf das Programmwählrad oder eine Taste gelegt werden können.

Der rückwärtige Touchscreen wurde vom Vorgängermodell übernommen: Er zeigt auf 7,5 Zentimetern Diagonale ein detailliertes, helles Bild. Dank Klappfunktion lässt er sich aus bodennahen und Über-Kopf-Perspektiven ablesen, ohne ihn seitlich neben die Kamera schwenken zu müssen. Ist der Bildschirm in besonders hellen Situationen schlecht ablesbar oder kommt es auf eine genauere Bildbeurteilung an, so kann die Mark II einfach ans Auge geführt werden. Der neue, größere und höher auflösende Sucher schaltet sich dann automatisch ein. Die im Kleinbildäquivalent 0,62-fache Suchervergrößerung liegt nun über dem Niveau von Einsteiger-DSLRs und kommt fast an die gehobenen APS-C-DSLRs heran. Allerdings ist die Austrittspupille durch die stärkere Vergrößerung minimal geschrumpft, was zumindest bei Brillenträgern zu dem Problem führt, dass die Ecken etwas stärker abschatten. Das Sucherbild ist dank OLED sehr brillant und kontrastreich, bei 2,36 Millionen Bildpunkten Auflösung lassen sich kaum noch die einzelnen Pixel erkennen. Wer allerdings empfindlich für Flimmern ist, wird das leichte OLED-Flimmern erkennen können. Es ist nicht dominant, aber vor allem in hellen Bildbereichen bemerkbar. Auch im Sucher stehen wie auf dem Bildschirm zahlreiche Anzeigen, etwa Gitterlinien, elektronische Wasserwaage und Livehistogramm zur Verfügung. Neu ist die Möglichkeit, den Fokuspunkt mit Hilfe des Touchscreens festlegen zu können, während man durch den Sucher blickt. Dies geschieht auch nicht versehentlich mit der Wange oder der Nase, denn man muss das Display mit dem Finger schon etwas kräftiger "streicheln", bis die Funktion sich aktiviert. Dann funktioniert sie sehr intuitiv und schneller, als auf der Vierwegewippe herumzutippen.

Ausstattung

Zwar ist die OM-D E-M10 Mark II für ambitionierte Fotografen konstruiert, aber auch Einsteiger, die einfach nur diese schöne Kamera zum Knipsen verwenden wollen, kommen auf ihre Kosten. Zumal die Bildqualität aufgrund der guten Bildaufbereitung in JPEG praktisch keiner Nachbearbeitung bedarf. Im iAuto-Modus steuert die E-M10 alle Funktionen inklusive der Wahl des Motivprogramms anhand des erkannten Motivs automatisch. Wer den Szenenmodus lieber selbst wählen möchte, kann auch dies tun. Des Weiteren bietet die Olympus eine große Auswahl von sogenannten Art-Filtern, die verschiedene Bildeffekte bieten, die sich zudem individuell anpassen lassen. Auch dies erspart gegebenenfalls die Bildnachbearbeitung mit Filtern. In den Kreativprogrammen P, A, S und M hat der Fotograf dann die volle Kontrolle über alle Aufnahmeparameter. So lässt sich etwa die ISO-Automatik anpassen, sie funktioniert nach vorheriger Freischaltung im Menü sogar bei manueller Belichtung – allerdings fehlt, wie bei fast allen Herstellern, dann eine Belichtungskorrekturmöglichkeit.

Sehr umfangreich sind die Reihenaufnahmefunktionen. Neben der üblichen Belichtungsreihe mit einer Spreizung von bis zu +/- 5 EV bei 5 oder 7 Bildern gibt es Weißabgleichsreihenaufnahmen, Blitzbelichtungsreihenaufnahmen, ISO-Reihenaufnahmen und Art-Filter-Reihenaufnahmen. Ganz neu ist das Fokus-Bracketing, bei dem bis zu 999 Bilder mit kleinen oder größeren Fokusschritten angefertigt werden können. Dies ermöglicht später in der Bildbearbeitung eine Ausdehnung der Schärfe etwa bei Makroaufnahmen oder aber einen noch weicheren Hintergrund bei Porträts. Des Weiteren bietet die OM-D eine Mehrfachbelichtungsfunktion sowie eine HDR-Automatik, die eine noch größere Belichtungsspreizung als die Belichtungsreihe erlaubt. Auf Wunsch werden die Aufnahmen direkt in der Kamera zu einem HDR-Bild verrechnet. Ebenfalls an Bord ist eine Keystone-Korrektur, mit der sich beispielsweise stürzende Linien direkt in der Kamera korrigieren lassen.

Neben dem klassischen, hörbaren Schlitzverschluss mit bis zu 1/4.000 Sekunde kurzen Belichtungszeiten bietet die E-M10 Mark II nun auch einen rein elektronischen Verschluss mit bis zu 1/16.000 Sekunde kurzen Verschlusszeiten – dieser arbeitet absolut lautlos. Nebeneffekt: Die Serienbildrate steigt von knapp neun auf stattliche elf Bilder pro Sekunde. Der mit 0,14 Sekunden sehr schnelle Autofokus (die Gesamtauslöseverzögerung liegt bei 0,2 Sekunden) arbeitet jedoch nur bei bis zu vier Bildern pro Sekunde kontinuierlich. Allerdings kann mit elektronischem Verschluss nicht geblitzt werden, zudem sollte der Rolling-Shutter-Effekt beachtet werden, durch den bei Mitziehern oder schnell bewegten Motiven unerwünschte Effekte entstehen können. Am anderen Ende der Belichtungszeit steht die Bulb-Funktion, die wahlweise auch im T-Modus arbeitet (statt den Auslöser festzuhalten wird dieser am Anfang und am Ende der Belichtung jeweils einmal betätigt). Besonders die Live-Bulb- beziehungsweise Live-Time-Funktion ist spannend wie einzigartig: Während der Belichtung gibt es in Intervallen eine Vorschau auf das Bild, sodass die Belichtung im richtigen Moment beendet werden kann. Die Variante Live-Composite hingegen wiederholt eine Belichtung beliebig oft und rechnet der Ursprungsaufnahme nur neue Bildelemente hinzu. So wird im Gegensatz zur Bulb-Funktion das Bild nicht immer heller, sondern nur Effekte wie Leuchtstreifen vorbeifahrender Autos oder die Streifen von Sternen, die sich am Himmel bewegen, werden verstärkt beziehungsweise überhaupt erst sichtbar.

Ein sehr nützliches Feature ist der eingebaute Bildstabilisator mittels beweglich gelagertem Bildsensor. Kam in der E-M10 noch ein 3-Achsen-System mit einer Effektivität von 3,5 Blendenstufen zum Einsatz, hat Olympus der Mark II den besseren 5-Achsen-Stabilisator der E-M5 Mark II eingepflanzt, der in der E-M10 Mark II allerdings auf eine Effektivität von 4 statt 5 EV kastriert wurde. So soll der Abstand zum teureren Modell gewahrt bleiben. Einerseits schade, andererseits leistet der Bildstabilisator der E-M10 Mark II nochmals bessere Dienste als im Vorgängermodell, vor allem im Nah- und Makrobereich. So sind im Weitwinkelbereich beispielsweise Aufnahmen von fließendem Wasser, das durch eine längere Belichtungszeit verwischt, überhaupt kein Problem.

Auch im Videomodus ist der effektive Bildstabilisator aktiv und sorgt für sehr ruhige Full-HD-Aufnahmen. Dabei sind die Videos nun endlich nicht mehr auf 30 Bilder pro Sekunde festgenagelt, sondern 24, 25, 30, 50 und 60 Vollbilder lassen sich wählen. Ein externer Mikrofonanschluss fehlt der E-M10 leider weiterhin. Immerhin gibt es nun eine Pegelanzeige und -anpassung. Bei ruhigen Videomotiven ist zudem der manuelle Fokus (auf Wunsch mit Vergrößerung und Peaking-Funktion) die bessere Wahl, da das leichte Fokuspumpen des AF-C sonst stören kann. Eine Möglichkeit, den Fokus während des Videos im AF-S-Betrieb über den Touchscreen auf ein neues Motivdetail zu legen beziehungsweise ihn einmalig zum neuen Fokussieren zu zwingen, besteht leider nicht. Gespeichert werden die Videos mit H.264-Kompression im MOV-Format. MP4 wäre als Alternative wünschenswert, haben doch gerade mobile Geräte mit dem MOV-Format ihre Probleme und benötigen dafür spezielle Videoplayer-Apps. Dank des Videoaufnahmeknopfes lassen sich jederzeit Videoclips drehen, nur der dedizierte Videomodus erlaubt jedoch die weitreichenderen Einstellungen wie eine halbautomatische oder manuelle Belichtung, auch die Art-Filter sind verwendbar. Manche davon reduzieren allerdings die Bildwiederholrate deutlich, so dass die Videos wie Stop-Motion-Aufnahmen wirken. Apropos Stop-Motion: Eine Intervallaufnahmefunktion bietet die Olympus auch, die Bilder können sogar zu einer 4K-Videoaufnahme zusammengesetzt werden.

Vielfältig sind auch die Bildnachbearbeitungsfunktionen. Der eingebaute Raw-Konverter erlaubt die Entwicklung von JPEG- aus Raw-Aufnahmen, viele Parameter wie Belichtung und Weißabgleich können dabei angepasst werden. Auch JPEGs können vielfältig bearbeitet werden inklusive Sepia- und Schwarzweiß-Wandlung, die Art-Filter hingegen fehlen leider. Verbindet man die E-M10 über WLAN mit einem Smartphone, was dank des QR-Codes, der mit dem Smartphone gescannt wird, recht einfach geht, lässt sich die Kamera fernsteuern, auch eine Bildübertragung ist selbstverständlich möglich. Die App erlaubt dann sogar die nachträgliche Anwendung der Art-Filter. Bei der Fernsteuerung wird nicht nur ein Livebild übertragen, auch zahlreiche Einstellungen sind möglich. Sogar die Live-Composite-Funktion lässt sich nun per WLAN steuern. Zudem besitzt die App eine GPS-Logger-Funktion, die Positionsdaten können anschließend in die Bilder auf der Kamera geschrieben werden. Wer die Kamera nur fernauslösen möchte, kann dies ebenfalls mit der App tun, das beherrscht unseres Wissens nach bisher nur Olympus. Wie bei der Verwendung eines Fernauslösekabels werden alle Einstellungen an der Kamera vorgenommen.

Bildqualität

Die OM-D E-M10 Mark II hat also einiges zu bieten, doch wie ist es um die Bildqualität bestellt? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir die Kamera mit dem Setobjektiv 14-42 EZ in JPEG im Labor getestet. Nicht nur, dass das Setobjektiv das meistverkaufte mit einer Kamera ist, viele Anwender kaufen sich auch gar kein zweites Objektiv dazu. Da wir auch das Vorgängermodell mit diesem Objektiv getestet haben, ist es zudem eine gute Vergleichsbasis. Auch das JPEG-Format ist das meistverwendete und man sieht, was der Hersteller aus seiner Kamera herausholt. Der ausführliche Labortest mit allen Diagrammen ist wie üblich gegen ein kleines Entgelt über die weiterführenden Links abrufbar, außerdem wird mit dem Kauf die Arbeit der Redaktion unterstützt.

Die maximale Auflösung liegt an der E-M10 Mark II bei knapp unter 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm), was für einen 16-Megapixel-Sensor ein sehr guter Wert ist (und das mit Kit-Objektiv). Je nach Brennweite ergeben sich leichte Auflösungsunterschiede zur alten E-M10, was aber weniger am Unterschied der Kameras, sondern vielmehr an der Serienstreuung der Objektive liegen dürfte. Insgesamt sind die Unterschiede aber marginal. Im Weitwinkel und bei mittlerer Brennweite ist das Objektiv bereits bei Offenblende gut, während man es in Telestellung für höchste Auflösung etwas abblenden muss. Überhaupt zeigt das 14-42 EZ in Telestellung die insgesamt geringste Auflösung und erreicht mit maximal 42 lp/mm etwas weniger als bei kurzer (49 lp/mm) und mittlerer (50 lp/mm) Brennweite. Über 40 lp/mm sind aber immer noch eine gute Auflösung. Am Bildrand ist nur im Weitwinkel ein sichtbarer Randabfall der Auflösung zu beklagen, hier werden um die 35 lp/mm erreicht. Bei mittlerer und langer Brennweite ist der Auflösungsabfall hingegen mit unter zehn Prozent marginal.

Die Verzeichnung rechnet die Olympus gut klein, lediglich im Weitwinkel ist sie überhaupt, in Form einer leichten Tonne, mit weniger als 1,5 Prozent messbar. Die Randabdunklung von maximal einer Blendenstufe ist ebenfalls unkritisch, sie nimmt beim Abblenden um 1,5 bis zwei Blendenstufen auf eine halbe Blendenstufe ab. Die Farbsäume sind gering, werden beim Abblenden im Weitwinkel sowie im Tele am Bildrand jedoch etwas stärker, sind aber nur leicht sichtbar. Insgesamt ist das 14-42 EZ kein überragendes, aber doch ein solides und vor allem schön kompaktes Setobjektiv. Tests von Festbrennweiten und besseren Zooms an der alten E-M10 haben aber gezeigt, dass auch eine um zehn Prozent höhere Auflösung von über 55 lp/mm problemlos zu erreichen ist.

Der Signal-Rauschabstand der Mark II ist bis ISO 400 gut und bis ISO 3.200 akzeptabel. Damit ist sie zumindest im Bereich um ISO 3.200 leicht besser als das Vorgängermodell. Farbrauschen tritt erst bei den höchsten beiden ISO-Stufen von 12.800 und 25.600 leicht in Erscheinung, Luminanzrauschen hingegen wird bei ISO 6.400 leicht und bei den höchsten beiden ISO-Stufen etwas stärker sichtbar. Die Messung der feinen Strukturen zeigt, dass die Olympus bis ISO 800 überschärft, aber selbst bis ISO 3.200 noch sehr viele Details erhält und sogar bei ISO 6.400 Bilder liefern kann, die nicht gänzlich vermatscht sind. Auch hier ist das Niveau ganz ähnlich wie beim Vorgängermodell. Bei der Labormessung zeigte sich aber ein anderes Phänomen: Um das Testchart bei identischem Licht mit identischer Helligkeit ins Bild zu bannen, musste die Blende bei der Mark II um 1/3 Stufe weiter geöffnet werden als bei der E-M10, die wiederum 1/3 Blendenstufe weiter geöffnet werden musste als manch andere Kamera. 1/3 Stufe ist noch im Toleranzrahmen, diesen Spielraum nutzen viele Hersteller. Die Mark II aber liegt im Vergleich zur "Referenz" um 2/3 Stufen dunkler, was die minimal besseren Messwerte beispielsweise beim Signal-Rauschabstand erklärt.

Kleinere Abweichungen zum Vorgängermodell gibt es auch bei den Farben, die Mark II ist dort insgesamt etwas ungenauer als die erste E-M10. Aber auch diese Abweichungen sind eher im Labor messbar, als dass sie im Fotoalltag auffallen würden. Der manuelle Weißabgleich dürfte zwar gerne etwas exakter arbeiten, die Abweichungen sind für das menschliche Auge aber kaum sichtbar. Die Mark II besitzt eine etwas kräftigere Sättigung. Rot, Orange und Violett leuchten etwas stärker, das Gelb geht einen Hauch ins Grün. Vor allem aber zeichnet sich die OM-D durch ihre hohe tatsächliche Farbtiefe von über vier Millionen unterscheidbaren Farbnuancen selbst noch bei hohen ISO 3.200 aus. Ebenfalls keine Blöße gibt sich die E-M10 Mark II beim Tonwertumfang: bis ISO 200 werden fast alle der 256 möglichen Stufen ausgenutzt, selbst bis hin zu hohen ISO 3.200 ist der Wert mit über 160 Stufen absolut im grünen Bereich. Wie bei der Nachschärfung geht Olympus auch bei der Tonwertaufbereitung nicht zimperlich zur Sache. Die Kontrastkurve ist, mit Ausnahme von ISO "Low", was ISO 100 entspricht, recht kräftig angesteilt. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Olympus OM-D E-M10 Mark II produziert hochauflösende, kontrastreiche, farbenfrohe Fotos selbst bis in hohe ISO-Regionen. Die Bilder benötigen praktische keine Nachbearbeitung. Wer diese wünscht, sollte allerdings auf das Rohdatenformat zurückgreifen, weil es die eindeutig bessere Basis dafür ist.

Fazit

Olympus hat es fast spielend geschafft, die ohnehin sehr gut verarbeitete und einzigartig ausgestattete OM-D E-M10 nochmals zu verbessern. Dass dabei auch das Design überarbeitet wurde, mag nicht jedem gefallen, doch der Ergonomie hat es durch die neue Tastenanordnung gut getan. Gegenüber der E-M5 Mark II wirkt der Bildstabilisator zwar kastriert, gegenüber dem Vorgängermodell aber arbeitet er nun nochmals effektiver. Sowohl die Geschwindigkeit als auch die Bildqualität sind weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, bis ISO 3.200 lassen sich Fotos hoher Bildqualität aufnehmen, mit etwas Einschränkungen sogar bei ISO 6.400. Das ist vor allem der guten JPEG-Engine von Olympus zu verdanken, die Bilder sind praktisch direkt aus der Kamera verwendbar, ohne dass Bildbearbeitungskorrekturen nötig wären. Wer keinen großen Wert auf die neuesten und besten Videofunktionen wie 4K legt, bekommt mit der Olympus OM-D E-M10 Mark II sehr viel Kameragegenwert für sein Geld.

Hinweis Wir arbeiten aktuell noch an der technischen Umsetzung für die Anzeige unseres neuen Bewertungsschemas, das bei diesem Kameratest erstmals zur Anwendung kam. Daher werden wir die Testnoten demnächst nachreichen.

Bild Mit dem 14-42 EZ kommt bei der Olympus OM-D E-M10 Mark II fast Kompaktkamera-Gefühl auf, vor allem wenn man den sich automatisch öffnenden Deckel als Zubehör kauft. [Foto: MediaNord]

Mit dem 14-42 EZ kommt bei der Olympus OM-D E-M10 Mark II fast Kompaktkamera-Gefühl auf, vor allem wenn man den sich automatisch öffnenden Deckel als Zubehör kauft. [Foto: MediaNord]

Bild Das Stativgewinde der Olympus OM-D E-M10 Mark II sitzt in der optischen Achse, allerdings damit bei der recht kompakten Kamera auch recht nah am Akku- und Speicherkartenfach. [Foto: MediaNord]

Das Stativgewinde der Olympus OM-D E-M10 Mark II sitzt in der optischen Achse, allerdings damit bei der recht kompakten Kamera auch recht nah am Akku- und Speicherkartenfach. [Foto: MediaNord]

Bild Trotz des Akkus mit leicht erhöhter Kapazität bei gleicher Bauform schafft die Mark II wie auch das Vorgängermodell Olympus OM-D E-M10 nur 320 Bilder mit einer Akkuladung. [Foto: MediaNord]

Trotz des Akkus mit leicht erhöhter Kapazität bei gleicher Bauform schafft die Mark II wie auch das Vorgängermodell Olympus OM-D E-M10 nur 320 Bilder mit einer Akkuladung. [Foto: MediaNord]

Bild Der Bildstabilisator mittels beweglichem Sensor arbeitet bei der Olympus OM-D E-M10 Mark II nun wie im größeren Schwestermodell E-M5 Mark II auf fünf Achsen. Die Effektivität hat Olympus aber von fünf auf vier Blendenstufen kastriert. [Foto: MediaNord]

Der Bildstabilisator mittels beweglichem Sensor arbeitet bei der Olympus OM-D E-M10 Mark II nun wie im größeren Schwestermodell E-M5 Mark II auf fünf Achsen. Die Effektivität hat Olympus aber von fünf auf vier Blendenstufen kastriert. [Foto: MediaNord]

Bild Das Gehäuse der Olympus OM-D E-M10 Mark II ist hochwertig verarbeitet und besteht aus Metall sowie Kunststoff. Auf einen Spritzwasserschutz verzichtet das preiswerteste OM-D-Modell. [Foto: MediaNord]

Das Gehäuse der Olympus OM-D E-M10 Mark II ist hochwertig verarbeitet und besteht aus Metall sowie Kunststoff. Auf einen Spritzwasserschutz verzichtet das preiswerteste OM-D-Modell. [Foto: MediaNord]

Bild Auf der Griffseite der Olympus OM-D E-M10 Mark II sitzen hinter einer Gummiklappe lediglich zwei Schnittstellen: USB und Micro-HDMI. Die Multifunktions-USB-Buchse nimmt aber auch das Fernauslösekabel auf. [Foto: MediaNord]

Auf der Griffseite der Olympus OM-D E-M10 Mark II sitzen hinter einer Gummiklappe lediglich zwei Schnittstellen: USB und Micro-HDMI. Die Multifunktions-USB-Buchse nimmt aber auch das Fernauslösekabel auf. [Foto: MediaNord]

Diesen Artikel im Original auf digitalkamera.de

https://www.digitalkamera.de/Testbericht/Olympus_OM-D_E-M10_Mark_II/9637.aspx

Weiterführende Links

    2015-02-05 Olympus OM-D E-M5 Mark II (Testbericht):
    https://www.digitalkamera.de/Testbericht/Olympus_OM-D_E-M5_Mark_II/9370.aspx

    2014-03-04 Olympus OM-D E-M10 (Testbericht):
    https://www.digitalkamera.de/Testbericht/Olympus_OM-D_E-M10/8771.aspx

    Labortest Olympus OM-D E-M10 Mark II mit Olympus 14-42 mm 3.5-5.6 ED EZ (EZ-M1442EZ):
    https://www.digitalkamera.de/Labortest/Test.aspx?ContentId=10509

    Olympus OM-D E-M10 Mark II Datenblatt:
    https://www.digitalkamera.de/Kamera/Olympus/OM-D_E-M10_Mark_II.aspx


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

    Fotos nachträglich fokussieren:
    https://www.digitalkamera.de/Fototipp/Fotos_nachtraglich_fokussieren/9731.aspx

    Limitierte Sonderedition der Olympus OM-D E-M10 Mark II:
    https://www.digitalkamera.de/Meldung/Limitierte_Sonderedition_der_Olympus_OM-D_E-M10_Mark_II/9838.aspx

    Olympus OM-D E-M10 Mark III vorgestellt:
    https://www.digitalkamera.de/Meldung/Olympus_OM-D_E-M10_Mark_III_vorgestellt/10560.aspx