Ein Polfilter hat keine Eigenfarbe, ist also neutralgrau, auch wenn die
Vergütung seiner Oberfläche oft bläulich schimmert. Anders als andere Filter
verfügt es über eine Fassung, mit der es noch in montiertem Zustand gedreht
werden kann. Hat das Objektiv kein Frontgewinde, kann man es notfalls mit der
Hand vor das Objektiv halten. Polfilter sind nicht gerade billig, aber wichtige
Dinge haben nun einmal ihren Preis und das Polfilter ist wichtig. Seine Aufgabe:
Es vermindert beziehungsweise verhindert, dass reflektiertes (polarisiertes)
Licht das Erscheinungsbild von Motivfarben beeinträchtigt.
Lichtstrahlen werden nach dem Gesetz "Einfallswinkel gleich
Ausfallswinkel" reflektiert. Fällt dieses polarisierte Licht auf das Motiv
oder einen Teil davon, dann legt es sich über die Farbe und behindert deren
Leuchtkraft. Das Polfilter wird an seiner drehbaren Fassung so bewegt, dass es
quer zur Schwingungsachse des reflektierten Strahls liegt und die Reflektion, je
nach Situation, ganz oder teilweise aufhebt. Dieser Vorgang kann bei
Spiegelreflex-Kameras sehr deutlich durch den Sucher, bei anderen Kameras auch
noch recht deutlich auf dem Monitor beobachtet werden. Noch einfacher geht es
so: Filter in Richtung Motiv vor ein Auge halten und drehen, bis die gewünschte
Wirkung erkennbar ist. Dann das Filter in der gleichen Stellung – ein
imaginärer Punkt an einer Stelle der Filterfassung muss die gleiche Position
beibehalten – vor das Objektiv halten und auslösen.
Das Polfilter wirkt nur bei Sonnenlicht optimal. Es wirkt bei allen
Oberflächen, außer bei Metallen. Für Digitalkameras wird grundsätzlich der
Gebrauch von circularen Polfiltern empfohlen.
Bild 1 Grundsätzlich gibt es zwei Anwendungen.
Die gebräuchlichste: Die Farben des Himmels und des Motivs sollen verstärkt
werden. Durch Drehen am Polfilter sehen sie, wie die Motivfarben heller oder
dunkler werden. Sie entscheiden, welchen Helligkeitsgrad Sie für richtig halten
und schießen in dieser Stellung des Filters das Foto. Es gibt allerdings eine
Einschränkung: Die Aufnahmerichtung muss einen Winkel von etwa 90 Grad zum
Sonnenstand einhalten. Je weiter Ihre Aufnahmerichtung sich diesem Winkel
entfernt, um so schwächer wird die Wirkung, bei Frontal- oder Gegenlicht ist
sie gleich Null.
Bild 2 Ein überzeugendes Beispiel, wie die
Farbkraft eines Bildes bei richtiger Anwendung des Polfilters gesteigert
werden kann.
Bild 3 Die zweite Anwendung: Sie möchten
durch eine Schaufensterscheibe hindurch fotografieren. Das Licht
reflektiert derart, dass alles, was vor der Fensterscheibe geschieht, sich
darin spiegelt, was dahinter liegt, wird kaum wahrgenommen. In diesem Fall
platzieren Sie sich in einem Winkel von ca. 38 Grad zur Schaufensterfront. Je
kürzer die Brennweite, um so geringer die Wirkung in den Bildecken.
Verwenden Sie deshalb kein Weitwinkelobjektiv. Nach dem gleichen Prinzip
können Sie übrigens auch eine ruhige Wasseroberfläche durchdringen!